Weibliche Straßennamen

Stadträtinnen wünschen sich Aufwertung verdienter Bürgerinnen

Susanne Thomas, Gerlinde Berchtold, Jennifer Layton, Assunta Tammelleo, Dr. Ulrike Krischke und Annette Heinloth.
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Wünschen sich mehr weibliche Straßennamen (v. l.): Susanne Thomas, Gerlinde Berchtold, Jennifer Layton, Assunta Tammelleo, Dr. Ulrike Krischke und Annette Heinloth.

Wolfratshausen - Die Wolfratshauser Stadträtinnen beantragen, dass bei der nächsten Erschließung einer Straße oder eines Platzes, die Benennung nach einer verdienten Bürgerin erfolgen soll.

Es sind Susanne Thomas (CSU), Gerlinde Berchtold (SPD), Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung Wolfratshausen), Assunta Tammelleo, Annette Heinloth Jennifer Layton (alle Grüne), die den Antrag stellen.

Laut den Informationen des Stadtarchivs gibt es in Wolfratshausen 185 Straßen. Nur eine ist nach einer Frau benannt: der am Hang des Bergwaldes gelegene Kathi-Kobus-Steig. Die sechs Wolfratshauser Stadträtinnen werten diese ungleiche Verteilung als einen von vielen Belegen dafür, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau auch im 21. Jahrhundert noch nicht vollzogen ist. „Noch immer verdienen Frauen im Schnitt etwa ein Fünftel weniger als Männer, noch immer wird für gleiche Arbeit nicht dasselbe gezahlt, noch immer ist Familien- und Pflegearbeit überwiegend Frauensache, noch immer brauchen wir Frauenhäuser und Opferorganisationen“, nennt Assunta Tammelleo einige Beispiele.

Dr. Ulrike Krischke und dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth führen diese Ungerechtigkeiten auch auf die weibliche Unterrepräsentation in politischen Gremien zurück. Allein im Wolfratshauser Stadtrat stehen sechs Frauen 19 Männern gegenüber. „In Corona-Zeiten sieht es außerdem so aus, als ob die Frauen von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie stärker betroffen sind als Männer“, stellte Krischke fest. So mache sich der aufgrund geschlossener Schulen und Kindergärten erhöhte Betreuungsaufwand vor allem bei Müttern bemerkbar.

Nach einer gemeinsamen Aktion am Weltfrauentag haben sich die sechs Stadträtinnen einige Wochen später erneut zusammengefunden, um gemeinsam fraktionsübergreifend einen Antrag zu formulieren, über den in einer der nächsten Stadtratssitzungen abgestimmt werden soll. „Kathi Kobus, Hannah Bodenheimer, Stefanie Lottermoser, Christina Bergmann, ...: Die Liste toller und verdienter Wolfratshauserinnen ist lang. Ein Kathi-Kobus-Steig ist da zu wenig!“, findet Krischke.

Und wer war nun eigentlich diese Kathi Kobus, nach der der steile Weg oberhalb der Beuerberger Straße benannt wurde? Die berühmte Wirtin der Schwabinger Künstlerkneipe „Simplicissimus“ erwarb vor über 100 Jahren eine noch heute gut sichtbare Villa am Bergwald und eröffnete dort das Café „Kathis Ruh“. Die sechs Stadträtinnen hoffen nun, dass sie nicht die einzige Frau bleibt, nach der eine Wolfratshauser Straße benannt wurde.

Peter Herrmann

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