Kein Disneyland am Waldfriedhof

Stadtrat reguliert die in die Jahre gekommene Bestattungssatzung neu

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Für den Tölzer Waldfriedhof hat der Stadtrat jetzt eine neue Satzung erlassen, weil es inzwischen viel mehr Urnenbestattungen gibt – und die auch noch in verschiedenen Formen.

Bad Tölz – In neuer Rekordzeit von gut zehn Minuten wurde der öffentliche Teil der jüngsten Tölzer Stadtratssitzung abgewickelt. Dabei wurde ein Thema behandelt, das am Ende alle Tölzer irgendwann betrifft: Nämlich die Friedhofssatzung, die Bestattung auf dem Tölzer Waldfriedhof regelt.

Eine Diskussion im Tölzer Stadtrat darüber gab es nach dem Vortrag von Kämmerer Hermann Forster nicht, die 33 Paragraphen waren zuvor aber bereits in der Finanzausschuss-Sitzung besprochen worden. In beiden Gremien gab es gegen die von der Verwaltung erstellten Neufassung der 22 Jahre alten Satzung keine Einwendungen.

Neu ist, dass es in der Stadt nur noch den einen Friedhof an der Bairawieser Straße bei der Einfahrt zum Gewerbegebiet Farchet gibt. Solange der Franziskaner Orden in Bad Tölz noch ansässig war, wurden die dortigen Patres auf dem weiter bestehenden und auch gepflegten Franziskanerhof hinter der Franziskanerkirche bestattet.

Wichtig ist auch, wer auf dem Tölzer Friedhof eine Grabstätte kaufen kann. Danach fragte Franz Mayer-Schwendner (Grüne). „Wenn die Eltern auswärts gelebt haben, können dann die Kinder, die hier wohnen, sie in Bad Tölz beerdigen?“ Dies bejahte der Standesbeamte Wolfgang Steger, der auch für den Friedhof zuständig ist. Jeder, der in Bad Tölz seinen Wohnsitz habe, könne auf dem Friedhof ein Grab erwerben. Auswärtige ohne Wohnsitz können dagegen hier nicht beerdigt werden.

Außerdem regelt die Satzung, wie hoch die Grabsteine auf welchem Gräberfeld des Tölzer Waldfriedhofs sein dürfen, wie sie gestaltet sein müssen, wie die Einfassung auszusehen hat, welche Materialien verwendet werden können. Mittlerweile sind auch neue Bestattungsformen erlaubt, zum Beispiel die herzförmig angelegte Urnen-Gemeinschaft oder auch das Gräberfeld unter einem Baum. An den Gebühren soll sich dabei zumindest in diesem Jahr noch nichts ändern. 2021 werde man sich aber „mal darüber unterhalten müssen“, ob die Abgaben gleich bleiben oder angepasst werden sollen, kündigte Kämmerer Hermann Forster an. Die Preise müssten sich dann an den Gebühren orientieren, die in der Region in der Regel verlangt werden.

Neu ist, dass die Stadt künftig den Friedhof, einzelne Felder oder auch nur bestimmte Grabstätten schließen oder entwidmen darf. „Das ist im öffentlichen Interesse, das ist wichtig“, sagte Forster. Als Beispiel nannte er die Verseuchung des Grundwassers, die einen solchen Schritt notwendig machen könne. In dem überarbeiteten Paragraphenwerk wird überdies vorgeschrieben, wie viele Urnen in dem jeweiligen Grab beigesetzt werden dürfen, zudem dürfen sie nur aus Material bestehen, das verrottet.

Des Weiteren ist festgelegt, dass die verwendeten Grabsteine „nicht aus ausbeuterischer Kinderarbeit“ stammen dürfen. Ferner hat die Stadt durch die neue Satzung auch die Möglichkeit, künstlerisch und historisch wertvolle Grabmäler und andere Anlagen zu schützen. Wer sie entfernen möchte, braucht nun eine Genehmigung. Und schließlich müssen die oft sehr schweren Grabsteine auch standfest sein, damit Besucher nicht zu Schaden kommen.

„Unser Waldfriedhof wird allgemein als sehr schöner Friedhof empfunden“, sagte Forster im Ausschuss. Das Erscheinungsbild hänge aber auch davon ab, welche Vorschriften für die Gestaltung gelten: „Sonst hätten wir bald ein Disneyland.“ Ludwig Janker (CSU) wollte wissen, warum die Belegungszeit für Kindergräber sechs Jahre umfasse, für normale Gräber zehn Jahre und für spezielle 15 Jahre. „Das hängt mit der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit zusammen“, erklärte Wolfgang Steger.

Einen barrierefreien Zugang am Haupttor mit Türöffner wünschte sich Ulrike Bomhard (FWG): „Ein Knopf, den man drücken kann“. Bürgermeister Josef Janker (CSU) räumte ein, dass der Friedhof durch den Haupteingang nur über eine Stufe zu erreichen sei. Ein Umbau wäre jedoch zu aufwendig, meinte er. Es gebe aber mehrere seitliche Zugänge von den Parkplätzen her, „da ist alles barrierefrei“. Am einfachsten erreicht man den Friedhof vom westlichen Parkplatz her, dort befindet sich auch die erst kürzlich erneuerte Toilettenanlage. bo

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