Rege Bürgerbeteiligung

Stadtrat will Vorschläge zur Umgestaltung der Altstadt umsetzen

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Wollen Veränderungen in der Altstadt mit dem Straßenbauamt abstimmen (v. l.): Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Stadtmanager Dr. Stefan Werner und Bauamtsleiterin Susanne Leonhard

Wolfratshausen – Vor fünf Monaten initiierte die Stadt einen umfangreichen Bürgerbeteiligungsprozess mit Workshops, Begehungen und Diskussionsveranstaltungen. Bei der Abschlussveranstaltung in der Loisachhalle stellte Architektin Claudia Schreiber die Ergebnisse vor.

„Wir haben in der Altstadt viele Aufenthaltsbereiche gefunden, die wir nutzen wollen“, erklärte Schreiber. Nach dem Kreativtag, bei dem sich die Bürger auf gemeinsame Ziele für die Umgestaltung geeinigt hatten, und einer Überprüfung durch Fachleute bei einem „Machbarkeitscheck“ hatte ihr Architektur-Büro einen Plan entworfen, der nun in der Loisachhalle von den rund 150 Besuchern betrachtet werden konnte.

Demnach bleibt die Einbahnstraßenregelung in der Marktstraße erhalten. Fahrbahn und Gehsteige sollen zwischen Musikschule und Johannisgasse höhengleich angepasst und nur optisch getrennt werden. Die Straße wird lärm-mindernd asphaltiert und „verschwenkt“, um den Verkehr zu bremsen. Der Marienplatz bekommt durch die Versetzung des Brunnens mit Entfernung der Platanen mehr Platzcharakter.

Zudem soll das Schwankl-Eck am Obermarkt aufgewertet werden. Die Parkplätze in der Marktstraße sollen, abgesehen von einigen wenigen Stellflächen für Behinderte und Ladezonen, wegfallen. Gemäß dem Planentwurf soll die Fahrbahnbreite auf 4,25 Meter reduziert werden. Um Querungen vor dem Marienplatz zu erleichtern, soll die Fahrbahnbreite dort sogar auf drei Meter verengt werden. Auf dem Plan hatte Schreiber Bäume eingezeichnet, die in den Straßenraum ragen.

Dennoch blieben noch einige Punkte wie etwa Beleuchtung, Beschilderung, Fahrradkonzept und Mobiliar offen. Auf dem Plan war zudem die bereits vor einigen Jahren beschlossene Umgestaltung des westlichen Loisachufers in eine grüne Flaniermeile eingezeichnet. Der Radverkehr könne nach Ansicht der Bürger künftig auf der Marktstraße in geltender Einbahnrichtung und am Fluss in die andere Richtung geführt werden.

Der von Claudia Schreiber vorgestellte „Zielplan“ geht nun als Empfehlung an den Stadtrat, der im Mai einen Grundsatzbeschluss zur Umgestaltung fassen will. Idealerweise geht dann daraus ein Planungsauftrag hervor. Stadtmanager Dr. Stefan Werner erklärte in diesem Zusammenhang, dass für den Einbahnstraßenbereich zwischen Bahnhofstraße und Johannisgasse bereits die meisten Gespräche mit Behörden stattgefunden haben. Deshalb könnte die Umgestaltung dieses Bereiches als erstes realisiert werden.

Als Vorentwurf solle jedoch die gesamte Marktstraße geprüft werden. Im Mai soll auch der Bauantrag für das Parkhaus am Hatzplatz gestellt werden. Danach könne dann die Planung für das westliche Loisachufer fortgesetzt werden.

Nach dem Grundsatzbeschluss zur Marktstraße und dem Antrag auf Städtebauförderung könne dann im Juni 2020 der neue Stadtrat ein Büro mit der Entwurfsplanung beauftragen. Die Ausführungsplanung könne voraussichtlich Anfang 2021 erfolgen. „Der früheste denkbare Baubeginn wäre im Herbst 2021 möglich“, glaubt Werner.

In einer anschließenden Feedback-Runde forderten einige Bürger eine vorzeitige Geschwindigkeitsbegrenzung. Bauamtsleiterin Susanne Leonhard erklärte, dass die Stadt im Rahmen des Lärmaktionsplans bereits Tempo 30 für die Marktstraße beantragt hat. Zudem äußerte eine Besucherin die Befürchtung, dass der Stadtrat die von den Bürgern erarbeiteten Vorschläge ablehnen könnte. „Das wäre konträr zu unserem Wunsch, die Bürgerbeteiligung zu machen“, versprach Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen). Die Frage eines Bürgers, ob alle Ideen überhaupt finanzierbar seien, wollte er zwar nicht mit genauen Zahlen beantworten. „Wir haben aber bereits Mittel in den Finanzhaushalt eingestellt“, erklärte der Rathauschef. Er zeigte sich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Bürgerbeteiligung. „Wir sind jedoch noch lange nicht am Ende des Prozesses angelangt“, räumte Heilinglechner ein. Peter Herrmann

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