Sanierung in der Warteschleife

Stadtrat beschließt Prüfung zur Erweiterung der Mittelschule – Verzögerung beim Lehrschwimmbecken

Soll saniert und erweitert werden: die Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg.
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Soll saniert und erweitert werden: die Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg.

Wolfratshausen – Bereits Anfang des Jahres lag dem Stadtrat eine Kostenschätzung für die seit 2015 geplante Erweiterung der Hammerschmiedschule vor.

Nun stellten die CSU und die Wolfratshauser Liste erfolgreich den Antrag, eine günstigere Variante von Stadtrat Alfred Fraas (CSU) zu prüfen. Die Entscheidung in der jüngsten Stadtratssitzung fiel mit 13:12 Stimmen denkbar knapp aus.

Neben der in Auftrag gegebenen Planung des Architekturbüros „karlundp“ liegt ein alternativer Entwurf von CSU-Stadtrat Alfred Fraas vor. Der gelernte Holzbau-Ingenieur hat mithilfe seines Sohnes eine 3-D-Präsentation erstellt, die durch eine Schule mit erweiterbarem Holzneubau, Glaspyramide und Turnhalle mit Pausenhof auf dem Dach führt. Seine Kostenschätzung liegt bei rund 29,6 Millionen Euro und damit deutlich unter dem „karlundp“-Vorschlag, der selbst bei der Berücksichtigung einiger Einsparpotenziale wie beispielsweise den Verzicht auf eine Tiefgarage oder ein Lehrschwimmbecken immerhin noch rund 43 Millionen Euro kosten würde.

Fraas hatte sein Konzept bereits im Sommer dem Stadtrat vorgestellt und dann auf dem Internetkanal „youtube“ veröffentlicht, weil seine Planungen in der Oktober-Stadtratssitzung zum Thema Einsparungen nicht berücksichtigt wurde. Zur Abstimmung kam es jedoch nicht, weil Altbürgermeister Erich Brockard die Vernachlässigung des Weidacher Schulstandorts juristisch angefochten hat. Der Einwand wurde mittlerweile vom Landratsamt zurückgewiesen.

Kontroverse Debatte im Stadtrat

In einer kontroversen Debatte gab Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) zu bedenken, dass sich beide Konzepte nicht miteinander vergleichen lassen. Er verwies darauf, dass „karlundp“ die alte Madlschule am Hammerschmiedweg durch einen Neubau ersetzen will. Fraas regt dagegen eine kostengünstigere Sanierung für 500.000 Euro an. Doch Heilinglechner bezweifelte, dass diese Summe realisierbar sei.

Stadtrat Rudi Seibt (Grüne), der hauptberuflich als Ingenieur arbeitet, hat das Fraas-Konzept ebenfalls geprüft und einige Schwächen entdeckt. So gebe es keine mechanische Lüftungsanlagen, die für Schulen vorgeschrieben sind. Zudem hielt Seibt die Anzahl an Fluchtwegen für unzureichend. Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung) erinnerte an den langen Planungsprozess. „Fünf Jahre überfraktionelle Arbeit liegen hinter uns und nun liegt ein abstimmungsreifes Konzept vor uns“, sagte sie. Ebenso wie Krischke verwies auch Schulentwicklungsreferent Fritz Meixner (SPD) auf die umfangreichen Besprechungen mit der Schulleitung und Bauexperten. „Wenn wir uns entscheiden, mit der Fraas-Variante weiterzumachen, braucht es diese intensive Arbeit mit den Nutzern noch einmal ganz von vorn“, ärgerte sich der SPD-Fraktionssprecher.

Prüfung durch Projektmanager

Wirtschaftsreferent Helmut Forster und Dr Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste) halten es jedoch für eine Verpflichtung des Stadtrats, den Fraas-Vorschlag zu prüfen – zumal sich die Stadt dadurch vielleicht einen zweistelligen Millionenbetrag sparen könnte. Dass die Ausgaben für die Prüfung etwa 300.000 bis 400.000 Euro betragen könnten, sei ihrer Ansicht nach zu verschmerzen. SPD-Stadtrat Fritz Schnaller glaubt sogar, dass dafür 50.000 Euro ausreichen könnten. Nachdem sich 13 von 25 Stadträten für die Prüfung des Fraas-Konzeptes durch einen Projektmanager entschieden haben, zeigte sich Bürgermeister Heilinglechner enttäuscht. „Warum hat der Wolfratshauser Stadtrat solche Probleme damit, eine Entscheidung zu fällen, die fünf Jahre vorbereitet wurde?“, wunderte er sich.

Grundschule Weidach bleibt erhalten

In einem weiteren Beschluss befürworteten die Stadträte den Erhalt der Grundschule in Weidach. Der Vorschlag, diese Bildungseinrichtung in den Schulkomplex am Hammerschmiedweg zu integrieren, wurde mit 14 zu elf Stimmen abgelehnt. Als Grundlage weiterer Planungen beschloss der Stadtrat zudem mit 17 zu acht Stimmen, die Zusammenlegung der beiden Mittelschulstandorte in Waldram und Wolfratshausen am Hammerschmiedweg anzustreben.

Entscheidung über Lehrschwimmbecken vertagt

Da sich der Stadtrat dazu entschlossen hat, zunächst das Sanierungskonzept von Alfred Fraas zu prüfen, musste auch die Entscheidung über den Bau eines Lehrschwimmbeckens an der Hammerschmied-Schule auf unbestimmte Zeit vertagt werden. Die „Arbeitsgruppe Lehrschwimmbecken“ aus dem Vorstand der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen bedauert diese Entscheidung zwar, hofft aber dennoch auf die Berücksichtigung ihrer Vorschläge.

„Mit der Prüfung muss eine deutliche Verzögerung des Baubeginns in Kauf genommen werden,“ stellt Mathias Feichtbauer in einer Presserklärung fest. Dennoch bewertete es der DLRG-Vize-Vorsitzende als sehr gutes Zeichen, dass in vielen Redebeiträgen quer durch alle Fraktionen die Notwendigkeit eines Lehrschwimmbeckens betont wurde – unabhängig von der Variante, die gewählt wird. „Deshalb blicken wir sehr positiv in die Zukunft und freuen uns auf eine weiterhin positive und konstruktive Zusammenarbeit mit den Stadträten,“ ergänzte Schriftführer Julius Jacoby.

Dass die DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen in die ersten Planungen von karlundp zum Modul Lehrschwimmbecken eng eingebunden wurde, betonen Ausbildungsleiterin Steffi Dienel und ihr Stellvertreter Benedikt Fischhaber. „Unsere Vorschläge wurden in einer vertrauensvollen Kommunikation gehört und alle berücksichtigt“ erklärte Dienel. Von der Besuchertribüne in der Loisachhalle verfolgte DLRG-Vorsitzender Roland Klingel die Diskussion im Stadtrat mit. „Natürlich wäre uns eine schnelle und klare Entscheidung für ein Lehrschwimmbecken am liebsten gewesen“, räumt er ein. Dass die neue Variante, die jetzt geprüft wird, grundsätzlich ein Lehrschwimmbecken vorsieht, begrüßt Klingel.

„Da wir die Detailplanung noch nicht kennen, können wir allerdings derzeit nicht beurteilen, wie zweckmäßig und geeignet dieses Becken sein würde. Hier stehen wir aber gerne als fachkundige Ansprechpartner zur Verfügung“, erklärte der DLRG-Vorsitzende. Peter Herrmann

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