„Dinge gehen zu langsam voran“

Stadtratsfraktion der Grünen zieht Jahresbilanz

Wollen die Bürger durch transparente Entscheidungen mit ins Boot holen: (v. l.) Dr. Hans Schmidt, Jennifer Layton, Assunta Tammelleo, Peter Lobenstein, Rudi Seibt und Annette Heinloth.
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Wollen die Bürger durch transparente Entscheidungen mit ins Boot holen: (v. l.) Dr. Hans Schmidt, Jennifer Layton, Assunta Tammelleo, Peter Lobenstein, Rudi Seibt und Annette Heinloth.

Wolfratshausen – Zu einem Pressgespräch auf dem Spielplatz hinter der Farcheter Mehrzweckhalle luden am Sonntag die Grünen ein. Dabei nahmen die sechs Stadträte auch Stellung zu aktuellen Großprojekten.

Mit Assunta Tammelleo, Jennifer Layton und Peter Lobenstein zogen im Mai gleich drei Grüne neu in den Stadtrat ein, sodass sie gemeinsam mit Annette Heinloth, Dr. Hans Schmidt, und Rudi Seibt die stärkste Fraktion in dem Gremium stellen.

„Es begann eine spannende Zeit und immer wieder hatte ich persönlich das Gefühl, die Dinge gehen zu langsam voran“, räumte Lobenstein ein. Dies läge zum einem am Ausbruch der Corona-Pandemie, die aber auch eine als Chance für notwendige Veränderungen gesehen werden könne. „Es ist uns wichtig, Mut zu machen in diesen schwierigen Zeiten“, erklärte Lobenstein. Den Rotstift bei großen Projekten anzusetzen und damit die Stadt in einen Lockdown zu versetzen, hält er für den falschen Weg.

Entwicklung der Innenstadt

Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth sieht vor allem bei der Entwicklung der Innenstadt Nachholbedarf. Sie erinnerte an den bereits 2013 initiierten Architekten- und Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des westlichen Loisachufers sowie den 2018 gestarteten Bürgerbeteiligungsprozess zur Umgestaltung der Marktstraße. „Das sind nach unserer Überzeugung sinnvolle Schritte, allerdings harren wir der Umsetzung und sichtbaren Erfolge weiterhin“, kritisierte Heinloth. Die Marktstraßen-Umgestaltung müsse dringend weiterverfolgt werden, damit die Altstadt an Attraktivität gewinne. Gleiches gelte für den Hatzplatz, der nach der Absage an das geplante Parkhaus derzeit nicht angefasst werde.

Heinloth bedauerte zudem, dass mit dem Rathaus-Café, der Happschen Apotheke und dem denkmalgeschützten Gebäude am Untermarkt 10 gleich drei städtische Immobilien derzeit nicht nutzbar sind. Immerhin gäbe es auch positive Anzeichen. „Lichtblicke entstehen momentan nur durch private Aktivität, durch Ladeneröffnungen und Vereinsinitiativen“, lobte Heinloth.

Für die Aufstellung des Haushaltes für 2021 empfahl die Dritte Bürgermeisterin zwar sorgsames Wirtschaften. Dennoch sollten Gelder für erste konkrete Umsetzungen der Beschlüsse im Umgriff des Loisachufers beziehungsweise des Hatzplatzes eingestellt sowie Kulturangebote zur Belebung der Innenstadt geschaffen werden. Assunta Tammelleo, die mit Peter-Lobenstein das Sprecher-Duo der Grünen bildet, wünscht sich in diesem Zusammenhang den Abbau bürokratischer Hindernisse. „In die Krise hinein zu sparen, wäre der falsche Weg“, glaubt sie.

Mehr Busse für Schüler

Ihre Stadtratskollegin Jennifer Layton konzentriert sich in ihrer Funktion als Jugendreferentin vor allem auf die Bedürfnisse junger Menschen. So fordert sie die Bereitstellung von mehr Verstärkerbussen für Schüler. „Während der Pandemie mit Hygienekonzepten in den Schulen erscheint es wie ein Schildbürgerstreich, die Kinder in einige wenige Busse zu quetschen, obwohl es vom Land Bayern ausdrücklich gewollt und gefördert wird, Verstärkerbusse in solchen Situationen einzusetzen“, sagte Layton. Als Erfolg wertete sie, dass das Landratsamt in jüngster Zeit bereits mehr Verstärkerbusse eingesetzt hat.

Klimanotstand ohne Konsequenz

Zum Klimanotstand nahm Dr. Hans Schmidt Stellung. Der neugewählte Stadtratsreferent für Umwelt und Klima erinnerte daran, dass der Stadtrat im September 2019 mit großer Mehrheit den Klimanotstand ausgerufen hat. „Allerdings vermissen wir die Konsequenz“, sagte Schmidt. So sollten alte Heizungen nicht einfach durch neue Gasthermen ersetzt werden. Rudi Seibt sieht das genauso. „Wir haben im Bereich Solarenergie einen riesigen Rückstand in Wolfratshausen“, kritisierte er. Auch der Ausbau von Nahwärmenetzen – zum Beispiel bei der Sanierung der Mittelschule am Hammerschmiedweg – müsste seiner Ansicht nach im Rahmen des seit 2016 bestehenden Energienutzungskonzeptes vorangetrieben werden. Peter Herrmann

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