Zwölf Monate im Schnelldurchlauf

Start ins neue Jahr: Die Redaktion blickt auf besondere Ereignisse zurück

Ein Feuerwerk in der Form der Zahl 2021.
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Auf ins neue Jahr: Was 2021 bringen wird, steht noch in den Sternen.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Was für ein Jahr: Rückblickend bleibt jedem Corona im Gedächtnis und wird uns wohl im neuen Jahr weiterhin noch einige Zeit beschäftigen. Doch trotz der Pandemie, die alles überschattete, gab es 2020 auch andere Themen im Landkreis. Im Jahresrückblick kramt das GelbeBlatt diese noch einmal aus dem Archiv, die besonders aufgefallen sind.

Auf einer Welle des Erfolgs reiten zum Jahreswechsel 2019/2020 die Initiatoren für eine künstlichen Surfanlage in Weidach: Während der Stadtrat mit knapper Mehrheit die durch ausbleibende EU-Fördermittel Finanzierungslücke von rund 65.000 Euro zuerst ablehnen, ist Dank einer sogenannten Crowdfunding-Aktion der fehlende Betrag schnell zusammen gekommen – und wird als „Wolfratshauser Weihnachtswunder“ bezeichnet.

Schock zu Heilig Drei Könige: An der Geretsrieder Sudetenstraße ist es zu einem größeren Polizei- und Feuerwehreinsatz in einem Wohnhaus gekommen: die Bewohner müssen evakuiert und in eine Notunterkunft gebracht werden. Beim Einsatz wird ein 23-jähriger Tatverdächtiger von der Polizei angeschossen. Der Mann war mit einem Messer bewaffnet und hatte in seiner Wohnung ein Feuer gelegt. Verletzt wurde außer dem Randalierer niemand, der mit mittelschweren Verletzungen in eine Klinik gebracht wurde.

Für Aufregung sorgt auch eine weitere Polizeimeldung im Januar: In Geretsried verliert eine 84-Jährige Bargeld und Schmuck im Wert von 90.000 Euro, da sie auf Telefonbetrüger hereingefallen ist, die sich als Polizisten ausgeben.

„Harmonisches Quartett“ lautet die Überschrift zum Artikel über die Podiumsdiskussion im Tölzer Kurhaus. Dort stellen sich im Februar erstmals die vier Kandidaten vor, die sich um das Amt des Tölzer Bürgermeisters bewerben. Kurier-Redaktionsleiterin Veronika Ahn-Tauchnitz befragt Franz Mayer-Schwendner (Grüne), Michael Ernst (SPD), Michael Lindmair (FWG) und den späteren Gewinner Ingo Mehner (CSU) zu Themen von bezahlbarem Wohnraum bis Klimaschutz.

Noch vor der Kommunalwahl im März gibt es bereits einen Führungswechsel bei der Tölzer Polizeiinspektion. Seit Anfang Februar leitet dort Polizeihauptkommissar Johannes Kufner die Inspektion und löst damit Florian Benedikt ab, der interimsweise die Leitung der Inspektion übernommen hatte, nachdem Bernhard Gigl Mitte 2019 in den Ruhestand gegangen war.

Ende Februar steigt im Landkreis erstmals die Sorge um das Corona-Virus: täglich rufen im Landratsamt bis zu 30 besorgte Bürger an: Laut Sprecherin wurden dabei auch fragen beantwortet, wie „darf ich noch chinesisch essen gehen“.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Während mancherorts noch Starkbierfeste abgehalten werden, verbietet Ministerpräsident Markus Söder erstmals Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmer, aufgrund der rasanten Ausbreitung des Virus. Keinen Tag zu früh, am 12. März infizieren sich im Landkreis erstmals drei Männer und eine Frau mit Covid-19. Das Gesundheitsamt mahnt zur Einhaltung von Hygieneregeln. Landrat Josef Niedermaier äußert sich zu Wort und appelliert an die „Verantwortung und Solidarität eines jeden Einzelnen.“

Die Stimmen der Kommunalwahl im März sind ausgezählt: Dabei treten der amtierende Landrat Josef Niedermaier und Herausforderer Anton Demmel aus Königsdorf in einer Stichwahl gegeneinander an, die Niedermaier später eindeutig für sich entscheiden kann. Das erste Ergebnis viel mit 42,83 Prozent der Stimmen für Niedermaier aus, Demmel kam im ersten Wahlgang auf 30,23 Prozent.

Corona-Zahlen nehmen zu

Derweil steigen im Landkreis die Zahlen an Corona-Infizierten: Am 21. März sind 20 Personen gemeldet, davon eine Person aus der Asylbewerberunterkunft in Geretsried. Vorsorglich müssen alle 165 Personen in Quarantäne. Die Ausnahmesituation im Landkreis spitzt sich weiter zu: Läden schließen und Schüler bleiben erstmals Zuhause. Auf der Flinthöhe am Tölzer Eisstadion wird eine Drive-in-Station für Abstriche eröffnet. Auch der Rundschauverlag bleibt von den Corona-Auswirkungen nicht verschont – beim GelbenBlatt wird erstmals die Produktion der Mittwochsausgaben bis auf Weiteres eingestellt. Außerdem errichtet das Technische Hilfswerk ein Zugangskontrollzelt an der Kreisklinik Wolfratshausen, um Patienten und Personal vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

Im April wird den Flößerfamilien in Wolfratshausen später Ruhm zu teil. Die Passagierfloßfahrten sind vom Staatsministerium zum Immateriellen Kulturerbe anerkannt worden. Im Herbst dann ein zweiter Ritterschlag: die traditionellen Flößer sind seit Oktober per Ehrenplakette auf dem „Wolfratshauser Walk of Fame“ verewigt.

Trotz des Erfolgs trifft es die Flößerbetriebe heuer wirtschaftlich hart. Ende Juni müssen die drei Flößermeister Josef Seitner, Michael Angermeier und Franz Seitner eine schwere Entscheidung treffen – sie sagen sämtliche Fahrten auf der Isar und Loisach nach München aufgrund der Corona-Auflagen ab. „Niemand möchte ein Ischgl auf der Isar“, so der gemeinsame Tenor.

Mehrere Großeinsätze im Landkreis

Viel Wasser benötigen dagegen 100 Feuerleute am Palmsonntag beim Großeinsatz in Eurasburg: Dort brennt aufgrund eines technischen Defekts das Dach und die obere Etage eines zweistöckiges Wohnhaus am Höhenweg. Die Bilanz: fünf Stunden Einsatz und ein Sachschaden von rund 300.00 Euro. Die Bewohner bleiben unverletzt und können bei Angehörigen untergebracht werden.

Personenschaden vermeiden konnte auch ein Großaufgebot an Rettungskräften am Dienstag, 21. April, in Geretsried: Grund ist eine 75-Kilo-Fliegerbombe, die morgens bei Bauarbeiten am Dompfaffenweg freigelegt wird. Aufgrund der akuten Corona-Situation können die rund 1.000 Anwohner nicht in eine Sammelunterkunft evakuiert werden. Deshalb wird die Bombe zur Entschärfung in ein nahes Waldgebiet abtransportiert. Im ehemaligen Bachbett des Schwaigwaller Bachs entschärft das Sprengkommando dann den Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Transport dorthin wird von der Polizei eskortiert, die sich nach dem Einsatz erschrocken zeigt: Manche Verkehrsteilnehmer hatten für die nötigen Straßensperrungen nämlich kein Verständnis – so hatte die Polizei einige Mühe, die teils erbosten Autofahrer zum Umdrehen oder Warten zu bewegen.

Mehrere Feuer sorgen im Mai für Schlagzeilen: Innerhalb von zwei Tagen brechen in vier Landkreisgemeinden mehrere Brände unterschiedlichen Ausmaßes aus. Zur Klärung gründet die Kriminalpolizei Weilheim die Ermittlungsgruppe „Isar“. Am schlimmsten wütet ein Großbrand auf dem Gelände des Biomasse-Kraftwerks in Reichersbeuern, bei dem dieses und zwei Lagerhallen völlig zerstört werden. Bilanz: 150 Feuerwehrleute kämpfen sechs Stunden lang gegen die Flammen, am Ende bleibt ein Sachschaden in Millionenhöhe.

In Reichersbeuern zündelt ein Feuerteufel und zerstört dadurch zwei Lagerhallen.

Wie sich später herausstellt, handelt es sich dabei um das Werk eines Feuerteufels. Ein 47-Jähriger aus dem Landkreis München, der mehrfach wegen anderer Delikte polizeilich in Erscheinung getretener war, wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft dem Ermittlungsrichter vorgeführt und in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Chaos beherrscht weiterhin den Wonnemonat: Nachdem die Ausgangsbeschränkungen von der Regierung gelockert werden, brechen Tagesausflügler über den Landkreis herein. Besonders betroffen sind Kochel und der Walchensee. „So was habe ich noch nie erlebt“, berichtet Bürgermeister und Dritter Landrat Thomas Holz und schreibt einen Brief an Innenminister Joachim Herrmann. Der reagiert prompt und verspricht, künftig die örtliche Polizei von der Bereitschaftspolizei unterstützen zu lassen, zumindest „an besonders neuralgischen Tagen“:

Die wirtschaftlich negativen Auswirkungen der Corona-Krise machen sich zur Jahresmitte im Juni bemerkbar. So verzeichnet die Isarkurstadt Bad Tölz seit Beginn der Pandemie einen touristischen Einbruch – 70.000 Übernachtungen im ersten Halbjahr weniger als sonst. Nicht nur der Tourismus hat zu kämpfen, auch städtische Einrichtungen wie die Volkshochschulen, Stadtbüchereien und Hallenbäder schreiben landkreisweit rote Zahlen.

Anfang Juli tobt über den Landkreis ein heftiges Gewitter: In Königsdorf scheppern Hagelkörner nieder und führen zu überfluteten Gebäuden, Kellern und Straßen. Bad Tölz trifft es schlimmer.

Am 1. Juli ereignet sich in einem Wohnblock am Lettenholz ein wahres Inferno. Augenzeugen berichten, wie Sekunden nachdem ein Blitz in das Dach eingeschlagen hat, die Hälfte des Dachstuhls sofort in Flammen stand. Für die 75 Bewohner wurde eine Notunterkunft im Bergwachtzentrum eingerichtet. Der Schaden wird auf eine halbe Millionen Euro geschätzt.

Im Juli löst ein Blitzeinschlag ein Feuer im Dachstuhl eines Wohnblocks in Tölz aus.

Einen Schock, erleidet ein Familienvater im August: Der 39-jährige Tölzer schippert mit seinen beiden jugendlichen Töchtern auf eine Schlauchboot die Isar hinunter. Bei der Isarburg in Lenggries kentert das Schlauchboot und die drei stürzten in den hoch-wasserführenden Wildfluss. Während sich die beiden Mädchen ans Ufer retten können, klammert sich der Vater an einen Fels und wird von einem nachfolgenden Boot aufgenommen. Die Wasser-Experten sind entsetzt von dem Vorfall und warnen – bei erhöhten Pegelstand am Ufer zu bleiben.

Ebenso erschrickt sich Mitte August ein 72-jähriger Spaziergänger am Isarspitz in Wolfratshausen. Der wachsame Passant entdeckt auf einer Kiesinsel eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg. Das anrückende Sprengkommando identifiziert das rostige Relikt dann als „deutsche Raketenpanzer-büchsengranate“. Die Granate wird per Fernzündung zur Detonation gebracht – dabei schleudert sie eine 20 Meter hohe Wasserfontäne in die Luft.

Eine Explosionsgefahr besteht auch am 24. August in Bad Tölz: An der Wachterstraße kommt es zu einem Großeinsatz, nachdem ein Bagger eine sich unter dem Asphalt befindende Gashauptleitung beschädigt. Die Tölzer Feuerwehr rückt mit 60 Kräften aus, unterstützt von Polizei und Rettungsdienst – Anwohner werden aufgerufen, ihre Wohnungen sofort zu verlassen. Während sich die Stadtwerke und zwei Tiefbaufirmen um das Gasleck kümmern, sperrt die Feuerwehr Straßen und sichert mit Strahlrohren die Schadensstelle, da der Wassernebel das Gas niederschlägt. In den späten Abendstunden kann der Gasaus-tritt durch das Abtrennen des beschädigten Leitungsabschnittes gestoppt und später wieder versiegelt werden.

Anfang September nimmt die Corona-Teststation auf der Tölzer Flinthöhe ihren Betrieb auf. Dort können sich Bürger nun von Ärzten in einem Drive-in-Zelt per Wattestäbchen einen Abstrich nehmen lassen. Am Eröffnungstag ließen sich 63 Landkreisbürger auf Covid-19 testen.

Im Nordlandkreis steigt eine alte Bekannte aus den Fluten empor. Gemeint ist die umstrittene Marienstatue, die auf der Isarbrücke in Wolfratshausen ein spätes Comeback feiert. 1990 kam es zum Brückensturz, nachdem Unbekannte die Bronzefigur des Künstlers Anton Ferstl vom Geländer in den Wildfluss stürzten – nicht wenige störten sich damals an der freizügigen Darstellung. 30 Jahre später erstrahlt die „Madonna mit Kind“ auf dem Schoß nun wieder in neuem Ganz. Initiator Rolf Merten: „Hoffen wir, dass die Toleranz in Oberbayern so stabil geworden ist, dass sich die Vorkommnisse nicht wiederholen werden.“

Mitte September wird die Tölzer Leonhardifahrt erstmals in der Geschichte seiner 76 jährigen Tradition abgesagt. Anton Mayer, Vorsitzender des Leonhardi-Komitees ist sich sicher: „Es ist die richtige Lösung. Leere Truhenwagen passen nicht zum traditionellen Wallfahrtsgedanken.“

Im Oktober gibt Geretsried grünes Licht für ein Großprojekt: an der Banater Straße sollen 770 (bezahlbare) Wohnungen entstehen. Im selben Monat überschreiten im Landkreis die Neuinfektionen den ersten Schwellenwert der eingeführten „Corona-Ampel“ mit einem Inzidenzwert von 35, damit verschärfen sich die Infektionsschutzmaßnahmen. Neuer Rekord auch in Deutschland, dort wird am 22. Oktober die 10.000er-Grenze an neuen Covid-19-Patienten pro Tag überschritten.

Plötzlich zum Tatort wird der idyllische Badweiher in Wolfratshausen Anfang November. Dort wird ein 16-jähriger Jugendlicher aus dem Kreis Starnberg von einem 17-Jährigen aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen niedergestochen. Das Motiv ist nicht geklärt, ein vorangegangener Streit wird vermutet. Der Tatverdächtige ist in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert worden.

Der letzte Monat des Jahres beginnt wieder mit einem Brand: Am Obermarkt in Wolfratshausen, mitten in der Altstadt, brennt am 2. Dezember ein Gebäude. Zwei Verletze müssen ins Krankenhaus.

Erfreulicher dagegen die Meldung, dass sich Tölz für die „Special Olympics“ Winterspiele für 2023 bewirbt. Ob die obligatorische Feuerschale in der Isarkurstadt angezündet wird, steht in den Sternen und wird die Zukunft zeigen.

Daniel Wegscheider

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