„Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist faul“

Stefan Kramer informiert über ein Insekt, das momentan im Nachbarlandkreis wütet

+
Der Asiatische Laubholzbockkäfer im Ahornstamm.

Landkreis/Miesbach – „Der Asiatische Laubholzbockkäfer (kurz: ALB) ist ein Baumschädling, der wie der Name schon sagt, aus Asien stammt. 2001 ist er erstmals in Mitteleuropa (Österreich) aufgetreten. Der erste Fall in Bayern war 2004 in Simbach am Inn (Kreis: Rottal-Inn). Und nun wurde der ALB in der Kreisstadt Miesbach aufgefunden. Zur Zeit ist dort die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft federführend und schaut welche Bäume befallen sind, um dann eine Allgemeinverfügung zu erlassen: In der weitere Maßnahmen für befallene Bäume festgelegt werden. Stefan Kramer (55) ist Abteilungsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), der im Interview über den ALB berichtet.

Herr Kramer, in Miesbach sind bereits 30 Bäume vom ALB betroffen: Müssen wir uns als Nachbarlandkreis sorgen machen?

„So schnell geht es nicht: Der große Vorteil beim ALB ist nämlich: Er verbreitet sich nicht sehr schnell, weil er faul ist (lacht). Nachdem der ALB einen Baum befallen hat, bohrt er sich dort hinein. Dann frisst er und legt Eier. Erst die nächste Generation fliegt dann aus zum Nachbarbaum. Aber ganz wichtig: über kilometerlange Strecken schwärmt der ALB nicht.“

„Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist faul“

Am Beispiel eines befallenen Ahorns in der Kreisstadt Miesbach zeigen Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft den Asiatischen Laubholzbockkäfer und dessen Larven. © Sandra Hefft
Am Beispiel eines befallenen Ahorns in der Kreisstadt Miesbach zeigen Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft den Asiatischen Laubholzbockkäfer und dessen Larven. © Hefft
Am Beispiel eines befallenen Ahorns in der Kreisstadt Miesbach zeigen Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft den Asiatischen Laubholzbockkäfer und dessen Larven. © Hefft
Am Beispiel eines befallenen Ahorns in der Kreisstadt Miesbach zeigen Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft den Asiatischen Laubholzbockkäfer und dessen Larven. © Hefft
Am Beispiel eines befallenen Ahorns in der Kreisstadt Miesbach zeigen Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft den Asiatischen Laubholzbockkäfer und dessen Larven. © Hefft
Am Beispiel eines befallenen Ahorns in der Kreisstadt Miesbach zeigen Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft den Asiatischen Laubholzbockkäfer und dessen Larven. © Hefft
Am Beispiel eines befallenen Ahorns in der Kreisstadt Miesbach zeigen Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft den Asiatischen Laubholzbockkäfer und dessen Larven. © Hefft
Stefan Kramer, Abteilungsleiter Forsten am AELF Holzkirchen. © Privat

Wie kommt der ALB eigentlich zu uns ins Oberland?

„Der ALB kommt über Verpackungshölzer aus China zu uns: Insbesondere durch Lieferungen von Granit, das in Deutschland dann verbaut wird. Diese Gesteinsart wird fast immer auf Paletten aus Weichlaubholz wie Weide, Ulme oder Pappel transportiert und dort können die Larven drinnen sein. Laut Vorschrift müssen die Chinesen die Hölzer chemisch oder mit Hitze behandeln, damit die Larven absterben. Aber ab und an sind die Hölzer dann doch nicht g`scheid behandelt worden oder durch die Stichproben der Kontrollbehörden geschlüpft. Und so kommt der ALP halt immer wieder mal zu uns.“

Warum ist der ALB so gefährlich?

„Es handelt sich dabei um eine sehr große Käferart, der sehr große und viele Gänge in befallene Bäume hineinfrisst: Das Gefährliche dabei ist, dass diese Bäume deshalb dann irgendwann zusammenbrechen. Und darum ist es auch ein Verkehrssicherheitsrisiko für die Bevölkerung. Deshalb müssen Maßnahmen zur Eindämmung getroffen werden, und dass wird nicht ganz einfach.“

Warum ist das nicht einfach?

„Um Fundorte wird ein Hundert-Meter-Radius gezogen und alle Laubbaumarten, die vom ALB befallen werden können, müssen wirklich gerodet werden. Da heißt es Tabula rasa für fast alle Laubbaumarten, wie Rosskastanie oder Ahorn – das kann ein Stadtbild schon verändern. Ausnahmen können sogenannte landschaftsprägende oder historisch wertvolle Bäume sein. Allerdings müssen diese dann sehr sehr oft kontrolliert werden.“

Wie erkennt man einen befallen Baum?

„Bei Laubbäume an denen die Krone abstirbt und die Äste dürr werden, da lohnt sich ein näherer Blick. Ob der ALB daran Schuld trägt, erkennt man an zwei Dingen: Erstens nagt der ALB ein bis zwei Zentimeter große und kreisrunde Löcher in den Stamm wenn er ausfliegt. Und zum Anderen liegen um die Löcher oder am Boden dann die Nagespäne herum – das kann von der Menge her schon ein Fingerhut voll sein.“

Was sollen Bürger tun, die einen Befall erkennen?

„Der Bürger informiert am besten das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen. Dieses ist für die Landkreise Bad Tölz und Miesbach zuständig. Dann schicken wir unsere Förster raus, damit sie sich den betroffenen Baum anschauen.“

Wie wird der ALP eigentlich bekämpft?

„In der Regel wird der Käfer schon bei den Kontrollen der Verpackungshölzer aus dem Verkehr gezogen. Und jetzt im Fall von Miesbach: müssen alle befallenen Bäume gefunden werden und gefällt werden. Dann heißt es Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle, damit nichts übersehen wird. Deshalb müssen wir auch vier Jahre in einem zwei Kilometerradius regelmäßig kontrollieren.“

Das Gespräch führte Daniel Wegscheider

Auch interessant

Meistgelesen

Impressionen zur 164. Leonhardifahrt in Bad Tölz
Impressionen zur 164. Leonhardifahrt in Bad Tölz
Kurzzeitpflege – daheim!
Kurzzeitpflege – daheim!
Seniorenbeirat fordert mehr Mobilität für Ältere
Seniorenbeirat fordert mehr Mobilität für Ältere
Illegale Müllablagerung: Bürgerin entdeckt ausrangiertes Sofa mitten in der Stadt
Illegale Müllablagerung: Bürgerin entdeckt ausrangiertes Sofa mitten in der Stadt

Kommentare