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Ein Stück, zwei Kulissen

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Die Suche nach dem Bräutigam für die„Bussi-Kathi“ erwies sich bei der Weite der Berglandschaft als besonders schwierig.
Die Suche nach dem Bräutigam für die„Bussi-Kathi“ erwies sich bei der Weite der Berglandschaft als besonders schwierig.

Endlich, ja endlich hatte Petrus Einsehen mit der Bad Tölzer Theatergruppe um Regisseur Wolfgang Ramadan gehabt und am vergangenen Wochenende gleich dreimal mit schönem Wetter die Aufführungen von „Bussi Kathi“, der bayerischen Version von William Shakespeares Drama (oder auch Luststück) „Der Widerspenstigen Zähmung“, auf den Höhen des Blombergs erlaubt.

Die Aufführungen im Kurhaus, wohin man bei Regen ausgewichen war, hatten zwar wegen ganz anderer Möglichkeiten der Inszenierung auch ihren Reiz, doch die Bergatmosphäre in 1.200 Meter Höhe mit dem Blick ins Isartal und der mächtigen Gebirgskette des Karwendelgebirges im Hintergrund war natürlich etwas ganz anderes. Allein dieses Ambiente war schon eine Bühne für sich, die mit den südländischen Kulissen im Vordergrund (das Stück spielt ja um 1620 in Padua) noch einen anderen Flair erhielt. Doch weil es ein bayerisches Stück war, spielten einige Szenen, vor allem die musikalischen Darbietungen, auch in Bad Tölz, wodurch der alpenländische Hintergrund wieder seine Richtigkeit fand. Bad Tölz und Padua waren für ein paar Stunden ganz nahe zusammengerückt. Als dann gegen 21 Uhr Mond und Sterne Teil der Beleuchtung übernahmen, da kamen Ramadan und viele Gäste der nicht ganz ausverkauften Aufführung ins Schwärmen. Ramadan befürchtete gar, die Kulisse könne die Zuschauerblicke von der eigentlichen Bühne ablenken. Dem war nicht so. Wie bei der Premiere (wir berichteten) überzeugte das Ensemble mit schauspielerischen Höchstleistungen und auch Ramadan hat sich für seine Regie wieder ein Sonderlob verdient. Selbst für die Gäste, die das Stück schon im vergangenen Jahr gesehen hatten, blieb die Stimmung den ganzen Abend über da, weil der Regisseur einige langatmige Szenen gestrichen und durch neue Dialoge ersetzt und auch mehr Musik untergebracht hatte, so dass teilweise selbstkritische, aber spaßig gemeinte Fragen zu hören waren, was wohl Shakespeare dazu gesagt hätte, dass aus seinem Drama ein Musical geworden sei. Auch ein paar ganz aktuelle politische Äußerungen aus der hohen und niederen Politik lockerten die Sache auf. Nach der Pause rutschte die Handlung teilweise in „banale“ bayerische Blödeleien ab, die nicht überall im Publikum gut ankamen, bei einigen Zuschauern aber trotzdem zu spontanem Applaus führten. So etwa, als der Bräutigam Petruchio statt gediegener Kleidung mit Fußballfan-Dress und Vuvuzela auftrat. Jetzt hofft die Tourist-Information für kommendes Wochenende auf gutes Wetter. Karten gibt es noch an der Abendkasse im Kurhaus (bei Regen) oder an der Talstation der Blombergbahn. Wer das Stück nicht direkt sehen kann, muss sich ein paar Wochen gedulden. Denn Filmemacher und Heimatführer Walter Steffen ist bei den Aufführungen mit der Kamera dabei und produziert einen Film, der im Herbst ins Tölzer Kino kommt und später als DVD erhältlich sein wird.

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