Urban kritisiert Höfesterben

Supermarktgipfel: „Die Regierung hätte längst handeln müssen“

+
Kleine und mittlere Landwirtschaften haben es oftmals schwer, die Bedingungen der Agrarpolitik und Lebensmittelkonzerne zu erfüllen.

Landkreis – Kritisch, aber hoffnungsvoll äußert sich Grünen-Landtagsabgeordneter Hans Urban zum Supermarkt-Gipfel in Berlin am Montag: Da traf Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt auf Vertreter der Handel- und Ernährungsindustrie – mit dem Ziel, faire Preise für Landwirte zu erzielen.

Urban sieht das treffen durchaus kritisch. Denn Bundesregierung und Bundeskartellamt hätten gegenüber den Lebensmittekonzernen über die vergangenen Jahre „komplette Handlungsunfähigkeit“ bewiesen. „Jahrelang gab es nichts als fruchtlose Appelle an die marktbeherrschenden Supermarktketten, während die Regierung dem Höfesterben in ganz Deutschland tatenlos zugeschaut hat.“ Dass mit dem Supermarktgipfel am Montag im Kanzleramt nun endlich auch Taten folgen könnten, begrüßt Urban.

Wie in ganz Bayern habe die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im gesamten Oberland über die vergangenen Jahre konstant abgenommen. Urban verweist dazu auf den Agrarbericht 2018 der bayerischen Staatsregierung. Und auch an den aktuellen Kommunalstatistiken für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lasse lässt sich der Abwärtstrend ablesen. Ergebnis: „Allein von 2015 auf 2017 ist die Zahl der Betriebe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen um 0,8 Prozent gesunken.“

Vor allem kleine und mittlere Betriebe gäben auf, die Zahl der großen Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Fläche von 50 oder mehr Hektar steige. „Zwar geht das Höfesterben im Alpenvorland langsamer vonstatten als anderswo in Bayern. Der Trend ist dennoch klar. Die Entwicklung zeigt deutlich, dass die kleinen Betriebe den Bedingungen unseres heutigen Agrarsystems und dem Preisdruck durch die Lebensmittelkonzerne nicht standhalten können“, so Urban.

„Mir ist unerklärlich, warum die Bundesregierung seit Jahren nichts weiter tut als an die Supermarktketten zu appellieren. Sie hätte längst intervenieren können, damit die Lebensmittelkonzerne die Konditionen nicht länger einseitig zulasten der Erzeuger und Produzenten festsetzen können“, sagt Urban. Eine Handhabe hätte das Bundeskartellamt, da es gesetzlich verboten ist, Lebensmittel unter Gestehungspreis zu verkaufen. „Das aber geschieht mit Lebensmitteln täglich, ohne dass das Amt eingreift.“ Die vier großen Konzerne Edeka, Aldi, Lidl und Rewe hätten angesichts ihrer Marktmacht von 85 Prozent längst die Schwelle des Hinnehmbaren überschritten, so Urban. tka

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare