Interview mit Susann ENDERS, Freie Wähler, zum Pflegenotstand und zur wohnortnahen Versorgung mit medizinischen Einrichtungen

Susann ENDERS: „Der Pflegenotstand ist ein Skandal mit Ansage“

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Susann ENDERS: „Der Pflegenotstand ist ein Skandal mit Ansage“

Die Landtags-Kandidatin Susann ENDERS (Freie Wähler) fordert ein Sofortmaßnahmepaket zur Beiseitigung des Pflegenotstands. Susann ENDERS setzt sich zudem seit Jahren für die Rettung kommunaler Krankenhäuser und der Geburtsstationen „auf dem Land“ ein: „Der Pflegenotstand ist die Folge einer völlig verfehlten Politik, die nur noch auf den Geldbeutel schaut“, betont ENDERS, die seit 25 Jahren als OP-Schwester tätig ist. Susann ENDERS (Liste 3, Listenplatz 9) steht in ganz Oberbayern zur Wahl.

Frau ENDERS, Sie kandidieren als Freie Wählerin für den Bayerischen Landtag. Wie wollen Sie den Pflegenotstand beseitigen?

Susann ENDERS: Um für Abhilfe zu sorgen, halte ich unter anderem folgende Maßnahmen für überfällig:
1. Deutlich bessere Bezahlung der Pflegekräfte. Sie haben eine sehr verantwortungsvolle und zugleich fordernde Arbeit und sollten ähnlich gut verdienen wie ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern mit ähnlich hohem Lebensstandard, etwa in der Schweiz.
2. Höhere gesellschaftliche Wertschätzung ihrer Arbeit; flapsige Einlassungen irgendwelcher Berufspolitiker helfen da gar nicht.
3. In sehr beschränktem Umfang können ausländische Pflegekräfte, die auch unter Flüchtlingen zu finden sind, den momentanen Zustand etwas lindern. Sie können aber auf gar keinen Fall das Problem insgesamt beseitigen.
4. Umkehr der einseitigen Förderung der Ballungszentren, Stärkung des ländlichen Raums durch massive Förderung u. a. der Infrastruktur; dadurch bleibt Wohnraum auch in Ballungszentren bezahlbar.
5. Keine weitere Privatisierung und Schließung bestehender Krankenhäuser und ähnlicher Einrichtungen – die Gesundheitsversorgung ist aus Sicht der Freien Wähler in erster Linie eine kommunale Aufgabe.
6. Abbau bürokratischer Auflagen. Die Pflegekräfte sollen ihre Arbeitszeit weitestgehend den Patienten widmen können!

Die Krankenschwester Susann Enders kämpft seit Jahren gegen die aus ihrer Sicht völlig fehlgeleitete "Gesundheitsreform". Die VdK-Kreisvorsitzende hält eine Ausrichtung an rein monetären, kurzfristigen Interessen für fatal.

Wieso sehen Sie im Einsatz von Pflegekräften aus dem Ausland keine Lösung? 

Susann ENDERS: Wir haben auch eine Verantwortung für unsere europäischen Nachbarn – stellen Sie sich vor, es würden noch mehr polnische Pflegekräfte ihr Heimatland verlassen; in Polen würde seit Jahren das Gesundheitssystem zusammenbrechen, wenn sich nicht viele Mediziner und Pflegekräfte nicht auch noch im Pensionsalter engagieren würden. Verheerend finde ich die Abwerbepraxis in Entwicklungsländern, die immer mehr Institutionen notgedrungen durchführen. Aus Sicht der Freien Wähler dürfen wir Europäer z. B. in Afrika dringendst benötigte Fachkräfte nicht aus kurzsichtiger Bequemlichkeit in großem Umfang abwerben. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit und der politischen Weitsicht: Wenn wir nicht noch viel stärker als bisher die Fluchtursachen bekämpfen, werden noch mehr Menschen aus wirtschaftlicher Not flüchten – und wer sollte es ihnen verdenken?

Susann Enders, Landtagskandidatin der Freien Wähler aus Weilheim, setzt sich für einen grundlegend anderen Ansatz in der Gesundheitspolitik ein: Gesundheit ist eine staatliche Aufgabe, lautet ihr Credo. 

Was halten Sie von folgender Aussage des Bundesgesundheitsministers: „Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen“? 

Susann ENDERS: Gar nichts. Das ist so, als würde man die Toten auffordern, wegen des politisch verschuldeten Personalmangels auf dem Friedhof die Gräber selbst zu pflegen. Zu so einer Aussage kann nur ein typischer Berufspolitiker kommen. Der derzeitige Bundesgesundheitsminister ist 38 Jahre alt und sitzt seit 2002 als Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Vielleicht sollte er mal ein paar Wochen richtig „normal“ arbeiten, vielleicht in einem Altersheim als Pflegekraft? Diese Aussage ist so typisch und bestätigt mich in meiner Kandidatur. Den größten Fachkräftemangel haben wir derzeit in der Regierung!

Der Bundesgesundheitsminister mag etwas von der Wirtschaft verstehen, nicht jedoch von der Gesundheitspolitik. Diese wenig schmeichelhafte Einschätzung begründet die gelernte Krankenschwester und VdK-Oberland-Vorsitzende Susann Enders.

Susann ENDERS ist die Landtags-Direktkandidatin der Freien Wähler im Stimmkreis Weilheim-Schongau. Im übrigen Oberbayern steht die VdK-Kreisvorsitzende über die Zweitstimme zur Wahl:
Liste 3, Platz 9.

Susann ENDERS: Erst vor wenigen Tagen hat die CSU-Mehrheit einmal mehr gezeigt, dass sie die Zeichen der Zeit immer noch nicht sehen will. Sie hat den von mir angestoßenen Vorstoß der Freien Wähler-Landtagsfraktion zur Rettung der in ihrer Existenz bedrohten kleinen Krankenhäuser und Geburtsstationen im zuständigen Fachausschuss Gesundheit abgeschmettert. Es ist richtig, dass das „Krankenhausstrukturgesetz“ eine „Sterbehilfe für kleine Kliniken“ darstellt und dass es sich hierbei um ein Bundesgesetz handelt. Die fatale sogenannte „Gesundheitsreform“ hat der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer verbockt, die Folgen machen sich zunehmend deutlich bemerkbar: Es fehlen hinten und vorne Fachkräfte, in vielen Kliniken müssen selbst Notfallpatienten stundenlang warten. Allein in München wurden im vergangenen Jahr hunderte von Hochschwangeren abgewiesen, weil kein Platz für sie war. Und das wird immer schlimmer! 

Wir brauchen, ausgehend von Bayern, dringend stützende Maßnahmen für kleine Krankenhäuser und Geburtsstationen, da wir nur so eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung erreichen können. Diese Maßnahmen sind rechtlich und finanziell möglich und sie sind dringend geboten. Denn nur so ist eine Grundvoraussetzung für gleichwertige Lebensbedingungen in ländlichen Gebieten überhaupt möglich. Aus der Sicht der Freien Wähler müssen wir wieder wegkommen von einer rein kostenorientierten Herangehensweise in der Gesundheitspolitik: Diese ist eine Kernaufgabe des Staates und sie hat sich ausschließlich am Patientenwohl zu orientieren. 

Wer garantiert, dass Sie Ihre Grundsätze nicht gleich nach dem Eintritt in eine Regierung über Bord werfen?

Susann ENDERS: Wir Freie Wähler haben als einzige Gruppierung eine Obergrenze von 20.000 Euro für Spenden verbindlich eingeführt. Andere Parteien kassieren Millionen, teilweise aus dubiosen Quellen, die FDP z. B. hat allein 2017 über 1,5 Millionen an Großspenden (über 50.000 Euro) überwiesen bekommen. Die AfD verdankt ihren Aufstieg laut LobbyControl (Artikel vom 06. Juni 2018 auf lobbycontrol.de) wesentlich verdeckten Wahlspenden in mehrstelliger Millionenhöhe.

Susann Enders, Krankenschwester/OP-Schwester, Vorsitzende des VdK Oberland, engagiert sich seit Jahren für die Erhaltung auch der kleinen Krankenhäuser. Sie begründet in diesem Video, warum sie für die medizinische Nahversorgung eintritt. 

Daher haben Sie NUR bei uns Freien Wählern die Garantie, dass wir uns im Falle eines Wahlerfolgs bei den anstehenden Landtagswahlen wie bisher mit ganzer Kraft für die Beseitigung des skandalösen Pflegenotstands und für eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung im Sinne der Patienten und des medizinischen- und Pflegepersonals einsetzen werden. 

Jede Stimme für die Freien Wähler ist eine Stimme gegen den Pflegenotstand und für die Erhaltung der ortsnahen medizinischen Versorgung der Bevölkerung!

Susann Enders, gelernte Krankenschwester, Vorsitzende des VdK Oberland, engagiert sich seit Jahren für die Erhaltung auch der kleinen Krankenhäuser. 

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