Dr. Sybille Krafft führt Gäste durch Gedenkstätte

Unternehmer besuchen Badehaus

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Erklärt die Bedeutung verschiedener Exponate: Badehausvereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft (l.).

Waldram – Vor vier Monaten eröffnete der Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ am Kolpingplatz ein Museum, das seither viele Besucher anzieht (wir berichteten). Nun zeigte sich auch die Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW) beeindruckt von den Exponaten und Zeitzeugenberichten.

„Ich wollte dort schon viel früher hin“, gestand UWW-Vorsitzender Christian von Stülpnagel. Doch vor einem halben Jahr war das Badehaus noch nicht offiziell eröffnet. So mussten sich die rund 30 Unternehmer noch bis Februar gedulden, bis sie Dr. Sybille Krafft durch die verschiedenen Räume führte. Vorab erinnerte sie an den mühevollen Weg von der Gründung des Badehaus-Vereins vor knapp sieben Jahren bis zur Eröffnung im Oktober 2018.

So steckten einige der derzeit 430 Mitglieder mehr als 15.000 ehrenamtliche Stunden in die Restaurierung des Gebäudes und sammelten zudem unzählige Dokumente, Fotos, Filmausschnitte und Alltagsgegenstände. Krafft räumte ein, dass ihre etwa anderthalbstündige Führung bei weitem nicht ausreiche, um sich allen Exponaten und Filmausschnitten zu widmen. „Ich kann nur einen Überblick geben: Sie müssen unbedingt wiederkommen und sich das noch mal in aller Ruhe anschauen“, empfahl die BR-Fernsehredakteurin. Da immer mehr Zeitzeugen verstummen, seien Erinnerungsorte wie das Badehaus unentbehrlich. Rund 10.000 Überlebende des Holocaust fanden nach dem Zweiten Weltkrieg im damaligen Lager Föhrenwald für kurze oder längere Zeit eine neue Heimat. Dargestellt werden in den Ausstellungsräumen vier Zeitschichten: Beginnend von der Nutzung des Badehauses als nationalsozialistisches Arbeitslager für die nahegelegenen Munitionsfabriken im Wolfratshauser Forst in den Jahren 1939/1940 über den KZ-Todesmarsch 1945 und das Camp für jüdische Displaced Persons (DPs) bis hin zur Siedlung für katholische Heimatvertriebene in den 1950er und 1960er Jahren entsteht so ein umfassendes Bild zur Geschichte des heutigen Wolfratshauser Stadtteils Waldram. Nachgewiesen wird dabei auch die Existenz einer Mikwe – ein jüdisches Ritualbad, das sich im Keller des Gebäudes befand. UWW-Vorsitzender Christian Stülpnagel sprach nach der kurzweiligen Zeitreise aus, was viele Gäste dachten: „Ich bin tief beeindruckt!“.Peter Herrmann

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Das Begegnungs- und Dokumentationszentrum (Kolpingplatz 1) kann jeden Freitag von 9 Uhr bis 16 sowie am Samstag und Sonntag von 13 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt beträgt fünf Euro (ermäßigt drei Euro).

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