Angst vor mehr Ansturm

Sylvenstein-, Walchen- und Kochelsee: Protest gegen neue Parkplätze

verstopfte Straßen in Kochel
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Bekannte Bilder: Wenn an Schönwettertagen die Ausflugswellen am Wochenende an die Landkreisseen drängen, zeugen unter anderem verstopfte Straßen davon.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Region – Der Bund Naturschutz (BN) protestiert gegen den Aus- und Neubau von Parkplätzen an Sylvenstein-, Walchen- und dem Kochelsee.

Die Organisation sieht darin eine Gefährdung für Flora und Fauna, aber auch die Einheimischen würden unter dem sogenannten Übertourismus leiden.

Konkret geht es um folgende Stellplätze, die der BN aufzählt: Im Lenggrieser Ortsteil Fall solle die Kapazität eines Parkplatzes in Seenähe auf das Dreifache erhöht werden. In der Jachenau am Walchensee seien bis zu 400 weitere Stellplätze geplant. Und: die Gemeinde Kochel plane am Kochelsee einen Wohnmobilstellplatz für knapp 120 Fahrzeuge. Aus Sicht des BN sind die drei Projekte allerdings „unvereinbar mit Qualitätstourismus und dem Landschaftsschutz, da diese Gebiete ihre Naturschönheiten bewahren sollten“.

Natur und Einheimische leiden

Auch überfüllte Mülleimer wie hier am Walchensee sind oft das Überbleibsel des überbordenden Ausflugsverkehrs.

Insbesondere mahnt und warnt die Landesgeschäftsstelle des BN in ihrer Pressemitteilung an, dass das Habitat für eine Vielzahl von Wasservögeln durch den großen Zustrom an Besuchermassen gestört werde: „Tagesausflügler, Erholungssuchende und Outdoorsportler drängten sich in nie dagewesener Zahl an diese Orte. Darunter leiden vor allem die Natur und die Einheimischen.“

Im Ringen um Lösungen für eine Entlastung „verfallen die Verantwortlichen in den Kommunen und im Landkreis scheinbar wieder in veraltete und denkbar ungeeignete Denkmuster“, kritisiert der BN-Kreisvorsitzende Friedl Krönauer. Den Vorwand, der Verkehrsflut und unkontrollierten Parken an den Seen im Landkreis Herr zu werden, bezeichnet er als „Vorwand“. Und: „Der Verheißung aller Maßnahmen liegt wohl das Kalkül zusätzlicher Einnahmen durch Park- und Stellplatzgebühren zugrunde.“

Vollkommen ungeeignete Maßnahmen

Die geplanten und bereits begonnenen Maßnahmen sind nach Auffassung des BN „vollkommen ungeeignet“, betont auch Annemarie Räder, BN-Regionalreferentin für Oberbayern. „Denn ein erweitertes Angebot an Stellplätzen generiert ein noch höheres Verkehrsaufkommen und verläuft konträr zu allen vollmundig bekundeten Bemühungen, den Verkehrsfluss zu lenken und zu reduzieren“, sagt sie. „Leidtragende ist die Natur und Landschaft.“

Der BN fordert in seiner Mitteilung daher die Gemeinden auf, in langfristig angelegte Konzepte eines Qualitätstourismus, „durch Ausbau dringend notwendiger Infrastruktur wie Toiletten und Müllentsorgung zu investieren und die Verkehrsströme durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren.“ Um im Sinne der hier lebenden Menschen sowie dem Erhalt von Natur und Landschaft zu handeln.

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