Talk-Runde mit Konstantin Wecker am Geretsrieder Gymnasium

Durch und durch ein Humanist

+
Hat viel zu sagen – und begeistert mit seinen Erzählungen: Der Liedermacher und Autor Konstantin Wecker stattete dem Oberstufenkurs Musik der Q 11 am Geretsrieder Gymnasium einen Besuch ab und berichtete dort über sein bewegtes Leben als Künstler.

Geretsried – „Lesen, lesen, lesen. Das bringt Dir was.“ Es klingt wie ein Plädoyer, das der Liedermacher Konstantin Wecker an die Schüler des Oberstufenkurses Musik der Q 11 richtet. Und er unterstreicht dies mit Nachdruck.

In unruhigen Zeiten, wo Informationen den politischen Alltag dominieren. Dass Weckers Gesprächsrunde am Geretsrieder Gymnasium am Ende auch ein Stück politischer „Talk“ wird, steht eigentlich schon im Vorfeld fest: Wecker ist ein Künstler, der eben eine Meinung vertritt – und das nicht nur, wenn er an einem Flügel auf einer Bühne sitzt. Wecker ist ein offener Mensch und hat die Einladung an die Schule ganz offensichtlich sehr ernst genommen. Er hat viel Zeit mitgebracht. Der „Plausch“ mit den Schülern von Lehrer Benedikt Jilek läuft von Anfang an mit viel Ruhe ab und ist geprägt von großem (gegenseitigem) Interesse. Die Schüler geizen jedenfalls nicht mit Fragen – und Wecker hält nicht hinterm Berg. Er hat viel zu erzählen und tut dies auch, ohne dabei aufdringlich und belehrend zu wirken. So erfahren die Jugendlichen etwa, dass der heute 68-Jährige schon recht früh begriffen hat, was Freiheit bedeutet: Als er als 18-Jähriger im Knast eine Haftstrafe absitzen musste etwa. Oder dass er sehr wohl einmal die totale Technikpanne auf der Bühne erleben musste: „Das war vor 20 Jahren, und nicht nur ich war voll auf Drogen, sondern auch mein Tontechniker.“ Wecker geht ohnehin völlig offen mit diesem Kapitel seiner Biographie um. Er selbst will die Erfahrungen aus dieser Zeit nicht missen. Den Jugendlichen rät der Vater zweier 16- und 18-jähriger Buben indes dringend vom Drogenkonsum ab, gerade wenn es um synthetische Drogen geht: „Denn ihr wisst ja nicht, welcher Dreck drin steckt.“ Wecker greift aber prompt auch das Thema der Drogenpolitik auf, bezeichnet diese als „völlig gescheitert“, leitet über zu den US-Amerikanern, die allzu oft Waffen gegen Drogen getauscht und damit Krisenherde befeuert hätten. Da ist er wieder, der politische Wecker, der natürlich noch ein großes Thema nicht ausspart: Die Flüchtlingspolitik. Wecker, der von der Poetisierung der Welt träumt, wie es einst Novalis tat, ist da in ganzer Linie Humanist. Dass da in Deutschland Schutzsuchende in einem Bus angepöbelt werden, setzt ihm zu. „Wie konnte hier so viel Mitgefühl verloren gehen?“, fragt er in die Runde. Die Jugendlichen können darauf freilich keine Antwort geben, erhalten aber einen Ratschlag: „Ihr seid mit verantwortlich, dass ihr nicht hinter irgendeinem totalitärem System hinterher lauft“, mahnt Wecker. In dem Moment ist er dann doch schon fast Politiker, auch wenn er solch einer – wie ebenfalls zu erfahren war – nie hätte werden wollen. Und er gibt den Jugendlichen noch etwas mit auf den Weg: „Kultur bereichert immer das Andere.“ Hier ist er nun wieder der Künstler. Und als solcher gibt er dann auch noch Auskunft über sein Leben als Liedermacher („Ich hatte unheimliches Glück: mit dem, was ich am liebsten mach‘, darf ich überleben“), über die TV-Casting Show Deutschland sucht den Superstar („Ich würde nie in der Jury von DSDS mitmachen, dann würde mich mein Publikum verlassen“) und über das Komponieren („Ich habe nie nur wegen finanzieller Not komponiert“). Weckers Weisheiten kommen an, begeistern die Jugendlichen, was auch daran liegt, dass er sie ganz unmittelbar selbst erlebt und erfahren hat. Die Jugendlichen nehmen ihm ab, dass „Erfolge eben eher satt machen, Niederlagen aber im Nachhinein mehr bringen“. Da würde man gerne mehr Inhalte hören – und die Jugendlichen der Q 11 können das auch. Denn für sein Konzert im Rahmen des Kulturherbstes hat Wecker spontan ein Kartenkontingent zugesichert. Dann können sie auch live erleben, was Wecker immer wieder zu neuen Songs antreibt. Es ist diese ungeheuerliche Lust am Schreiben, „ein atemberaubendes Gefühl“.   tka

Meistgelesene Artikel

Nepomukmarkt in Wolfratshausen am 29. Mai
Bad Tölz - Wolfratshausen
Nepomukmarkt in Wolfratshausen am 29. Mai
Nepomukmarkt in Wolfratshausen am 29. Mai
Bad Tölz: Kradfahrer schlängelte sich durch Stau und  kollidierte mit Pkw
Bad Tölz - Wolfratshausen
Bad Tölz: Kradfahrer schlängelte sich durch Stau und kollidierte mit Pkw
Bad Tölz: Kradfahrer schlängelte sich durch Stau und kollidierte mit Pkw
Spätzündung: Josef Gerg stirbt
Bad Tölz - Wolfratshausen
Spätzündung: Josef Gerg stirbt
Spätzündung: Josef Gerg stirbt
55 Einsätze für die Feuerwehr Lenggries / Unnötige Alarmierungen erhöhen Einsatzzahlen
Bad Tölz - Wolfratshausen
55 Einsätze für die Feuerwehr Lenggries / Unnötige Alarmierungen erhöhen Einsatzzahlen
55 Einsätze für die Feuerwehr Lenggries / Unnötige Alarmierungen erhöhen Einsatzzahlen

Kommentare