Technik im Untergrund

Abschluss der Stahlwasserbau-Sanierung am Sylvenstein

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Hoher Besuch am Sylvensteinsee (v.l.): Amtschef Roland Kriegsch, Umweltminister Thorsten Glauber, Martin Bachhuber (CSU-Landtagsabgeordneter, Tobias Lang (Sylvenstein-Spezialist), Kraftwerks-Betriebsleiter Andreas Riesch und Steffen Lehmann (Projektleiter).

Lenggries/Fall – Zuerst kam Ministerpräsident Markus Söder, von 2008 bis 2014 Umweltminister, und ließ sich am schäumenden Auslass am Sylvensteinspeicher im Boot fotografieren. Dann folgte Umweltminister-Nachfolger (2011-2014) Marcel Huber mit Ehefrau Adelgunde, um dem Stollen im Damm einen Namen zu geben. Am Donnerstag machte sich nun der amtierende Minister für Umwelt und Gesundheit, Thorsten Glauber (Freie Wähler), auf den Weg zur dortigen Dammkrone, um den Abschluss einer weiteren zwölf Millionen teuren Baumaßnahme zu verkünden.

Vor gut 60 Jahren wurde der Sylvensteinspeicher im südlichen Teil der Gemeinde Lenggries nach mehrjährigen Arbeiten fertig gestellt. Seitdem wurden, so schätzt der aktuell für das Bauwerk zuständige Fachmann beim Wasserwirtschaftsamt Weilheim, Tobias Lang, dort eine Viertelmilliarde (250 Millionen Euro) verbaut. War es am Anfang „nur“ ein Erdwall zwischen den beiden Felsen an der Engstelle der Isar und eine Kraftwerksturbine, so wurde inzwischen eine Betonwand eingezogen, die Dammkrone mit der darüber führenden Bundesstraße erhöht und natürlich jede Menge Technik im Damm und den angrenzenden Felsen „versenkt“. Davon bekommt der normale Besucher nicht viel zu sehen, auch die Dammerhöhung ist inzwischen Geschichte. Auto- und Motorradfahrer, Wohnmobilisten oder Radler, bestaunen eher den Blick ins Gebirge und den grün schimmernden See über der versunkenen Ortschaft Fall, ohne sich Gedanken über den gewaltigen technischen Aufwand im Untergrund zu machen.

Badewanne Sylvenstein: Baumaßnahmen für 12 Millionen Euro abgeschlossen

Die Schautafel zeigt, was zuletzt am Sylvensteinspeicher gebaut wurde. Zu sehen ist davon oberirdisch so gut wie nichts.

Da der See verschiedene Zuflüsse wie Isar, Dürrach und Rißbach hat, muss das Wasser natürlich auch wieder abfließen, das erfolgt über zwei auf Höhe des Seegrundes liegende Tiefauslässe. Damit wird die Abflussmenge kontrolliert gesteuert, und zwar mit mächtigen Hydraulikantrieben. Die Fachleute betonen gerne, dass der Staudamm 1999, 2005 und zuletzt 2013 die Isaranlieger vor unkontrollierten Hochwasser geschützt habe, allerdings erinnert sich noch mancher Tölzer, dass das panikartige Öffnen der Schleusen im Jahr 2005 beinahe zu einer Katastrophe geführt hätte. Seither wurde viel in den Hochwasserschutz entlang der Isar bis hinunter nach München investiert. Dass dieser Schutz vor zu viel Wasser nur ein Aspekt ist, machte der 49-jährige Politiker Glauber und sein Gefolge am Donnerstag deutlich. „In Zeiten der Trockenheit hat er die gegenteilige Funktion: Dank der Wasserzugabe aus dem Speicher führt die Isar aus an Hitzetagen jederzeit genügend Wasser,“ so Glauber, der zusammen mit dem hiesigen CSU-Abgeordneten Martin Bachhuber und Roland Kriegsch, Leiter des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes, sowie diversen Fachleuten zum Ortstermin gekommen war. Die zwölf Millionen Euro teuren sogenannten Stahlwasser-Bauarbeiten in den letzten Jahren fanden weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt in 40 Metern Tiefe statt und wurden von Glauber so zusammengefasst: „Es wurden zwei Siphons eingebaut, die die ‚Badewanne‘ Sylvenstein richtig ablaufen lassen können.“ Deshalb könne man jetzt entlang der Isar bis nach München und weiter, so der Minister, wieder ein „Stück beruhigter schlafen.“ bo

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