Tetrafunk

Ein Sendemast am Blomberg reicht

Bad Tölz – Nun herrscht Gewissheit. Dank neuer Software reicht für den Digitalfunk ein Sendemast auf dem Blomberg. Der Mast in Gaißach ist sonach endgültig aus dem Rennen.

Um gegen die Gesundheitsgefährdung durch Funkwellen vorzugehen, wollte ein Gaißacher Landwirt sogar Bürgermeister werden und die Stadt Bad Tölz erließ erst vor einigen Tagen noch eine Veränderungssperre, um auf ihrem Territorium einen 40-Meter-Sendemast zu verhindern. Doch diese Aufregung wäre gar nicht nötig gewesen, denn offenbar wird der umstrittene Gaißacher Funkmast für den Behördenfunk nicht benötigt. Möglich macht das eine neue Software, mit der nun vom Blomberg aus die Bereiche im Isarwinkel erreichbar werden, die vorher von Gaißach aus „bestrichen“ werden sollten. Und eine weitere Neuigkeit gab es beim Pressegespräch zum Thema Behördenfunk im Tölzer Rathaus: Im ganzen Isarwinkel sind nun nur noch acht Masten notwendig, damit ab Ende 2015 Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste digital funken können. Bekanntlich wurde bereits vor einigen Jahren in Bayern damit begonnen, Maststandorte für den „Tetra-Funk“ zu finden. Er soll den bisherigen analogen Funk ablösen, der unter anderem störungsanfällig und nicht abhörsicher ist. Schon zur Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen wollte man digital funken. Doch daraus wurde nichts. Nach neuesten Erkenntnissen dauert es nun bis Ende 2015, bis auch das letzte Gebiet, das Alpenvorland, „digital“ erschlossen ist. Im Zuge der Standortsuche durch die vom Freistaat beauftragte Firma „telent“ kam es im Isarwinkel zum Widerstand der Bevölkerung im Bereich Bad Tölz-Süd und Gaißach, nachdem der dort stehende Sendemast als Standort ins Auge gefasst worden war. 300 Bürger aus Gaißach und 600 aus Bad Tölz gaben ihre Unterschrift aus Angst vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Von den Fachleuten war dabei betont worden, der von allen als ideal eingestufte Standort Blomberg allein reiche nicht aus, den gesamten Isarwinkel bis Lenggries zu versorgen. Kürzlich waren sogar Ängste laut geworden, man werde im Bereich Bad Tölz einen neuen Mast errichten, sogar der Kalvarienberg spukte in den Köpfen herum. Der CSU-Stimmkreisabgeordnete Martin Bachhuber arrangierte nun ein Pressegespräch unter Beteiligung der Isarwinkel-Bürgermeister, bei dem nun zwei erfreuliche Mitteilungen gemacht wurden: zum einen ist der Standort Gaißach nicht mehr notwendig, zum anderen benötigt man im Isarwinkel statt zwölf nur noch acht Standorte. Für den gesamten Landkreis sind 13 Stationen erforderlich, drei davon sind bereits im Bau. Wie „telent“-Projektleiter Wolfgang Krüger sagte, sind die neuen Standorte der seit Jahren nicht mehr genutzte Funkmast der Bundeswehr am Blomberg (Nähe Blomberghaus), am Brauneckgipfel, am Sylvenstein (zwei Standorte, einer davon an der Dürrach), in Hinterriß-Eng, am Kotzen und in Jachenau (Acharer). Die Isarwinkler Bürgermeister können alle mit den neuen Standorten leben, auch wenn sie verschiedene Forderungen an den künftigen Betreiber haben. So gilt es am Blomberg, Verträge zwischen der Stadt Bad Tölz, der Gemeinde Wackersberg und der Bundeswehr als ehemaligem Nutzer des Mastes abzuschließen. In der Jachenau soll der Masten auch für den privaten Mobilfunk genutzt werden. In Lenggries gibt es noch starke Bedenken gegen den Standort Kotzen, der im Winter wohl nur per Hubschrauber erreichbar ist. Voll zufrieden konnte der neue Gaißacher Bürgermeister Stefan Fadinger sein, denn sein „Sorgenkind“ wird zwar weiter von Bayerischem Rundfunk und Mobilfunkbetreibern genutzt, ist beim Behördenfunk aber endgültig aus dem Rennen. So waren letztlich alle zufrieden, bis auf Kreisbrandinspektor Hermann John von der Tölzer Feuerwehr. Der Digitalfunk kommt nämlich erst Ende 2015. Heuer konnte man aber schon mal üben, und zwar an Leonhardi vor einer Woche. Dabei bemerkte man auch die Nachteile der digitalen Sprachübertragung, die alle Hintergrundgeräusche eliminiert. John bedauernd: „Keine Spur von Stimmung, denn auch Pferdeschellen und Kirchenglocken werden herausgefiltert.“ Mit dem dürfte man aber leben können, denn bis der Digitalfunk endgültig „steht“, dauert es noch einige Zeit. bo

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