Theaterprojekt „I Like You“ zeigt Südschülern die Auswirkungen von Cybermobbing

Digitale Aufklärung

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Schöne neue digitale Welt: Theaterstück „I Like You“ in der Südschule.

Bad Tölz - Das Theaterstück „I Like You“ zeigte den Schülern der Tölzer Südschule die Schattenseiten des „World Wide Web“ auf. Regisseur und Darsteller wollen Jugendliche mit ihrem einstündigem Stück über Gefahren der modernen Zeit und über Cybermobbing aufklären.

Aus einer Laune heraus, zerstörte sie sein Leben: Als Luke mit Samira Schluss macht, lädt sie ein demütigendes Nacktfoto von ihm ins Internet hoch. Dieses wird weitergeleitet und kommentiert und verbreitet sich rasend schnell – jeder aus Lukes Umfeld weiß nun Bescheid, er steht alleine da. Die Szene ist gespielt, spiegelt aber die Realität wieder.

Es fängt harmlos an. Und es zeigt die heutige Ära der Jugendlichen, die sich mehr als jeder andere im Internet bewegen. Neben Informationen und Unterhaltung birgt dieses, bei unachtsamer Nutzung, aber auch Gefahren. Regisseur und Darsteller Olaf Dröge (Luke) will mit seinem Theaterstück „I Like You“ Jugendliche sensibilisieren. Dazu tourt das Ensemble von Theater Eukitea aus Diedorf (Kreis: Augsburg) deutschlandweit durch die Aulen und Turnhallen der Förder-, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien. Zielgruppe sind Jugendliche bis 16 Jahren.

In der Tölzer Südschule sitzen heute rund 150 Schüler aus den Jahrgangsstufen der sechsten bis achten Klasse in der Turnhalle. Die Bühne der drei Darsteller schlicht: Der Hintergrund ein weißer Stoffvorhang, davor drei schwarze Bürostühle und ein Mikrofon in vorderster Reihe. Samira (Josephine Volk), Felix (Michael Gleich) und Olaf Dröge alias Luke setzen sich auf die Stühle und tippen auf imaginären Smartphones und Computertastaturen ihre Chatnamen wie Lukeskywalker ein. Sie berichten über ihren Beziehungsstatus und klären darüber auf, mit wem sie befreundet sind – normaler digitaler Alltag eines Jugendlichen im World Wide Web.

Aber freilich gibt es auch ein Leben außerhalb des digitalen Netzes: Dort lernt Luke dann auch Samira näher kennen und lieben. Doch die Romanze ist von kurzer Dauer. Luke macht Schluss, Samira zerbricht. Im wörtlichen Sinne dreht sie durch, dazu rennt die Darstellerin im Kreis, rauft sich die Harre, schreit. Wut und Enttäuschung treiben sie an. Kurzschlussreaktion: Samira postet ein sehr persönliches Bild von Luke. Es wird im Stück nicht darüber berichtet, was genau zu sehen ist. Der Zuschauer kann es sich erschließen, nachdem ein Mitschüler mit diesem Foto eine eigene Internetseite anlegt. Titel: „Little Luke“, also „kleiner Luke“. Für Luke beginnt jetzt ein Alptraum: Nach einer halben Stunde erntet er 40 Kommentare auf sein Bild im Adamskostüm. Nach drei Tagen, 450 Likes. „Die ganze Schule weiß Bescheid“, schreit Luke.

Szenischer Höhepunkt: Luke torkelt über die Bühne, nun ein virtueller Raum. Die beiden anderen Darsteller tragen Masken und haben sich ihre Kapuzen tief übers Gesicht gezogen. Sie klopfen vor Luke an eine unsichtbare Tür, wenn er sie öffnet, lachen sie ihn stumm aus – Spott und Hohn. Daumen nach oben gestikulieren die anonymen Gestalten. Bedeutet: „I Like“, wie es im Cyberzeitalter heißt. Für Luke gibt es keinen Ausweg mehr, er ist zur Lachnummer seiner ganzen Schule geworden.

Am Ende gibt es Hoffnung: Seine Freunde und sogar Samira sehen ihren Fehler ein. Sie löschen die selbst gebastelte Internetseite, löschen das pikante Foto von Luke ebenfalls. Und entschuldigen sich demütig bei dem Geschädigten. Doch die seelischen Verwundungen von Luke sind wohl nie mehr zu löschen. „Es kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden“, erklärt Regisseur Dröge.

Damit Schülern die Dramaturgie des Stückes deutlich vor Augen geführt wird, setzt das Dreimann-Ensemble auf Mittel des epischen Theaters nach Bertolt Brecht. Immer wieder wendet sich dabei ein Darsteller direkt ans Publikum, spricht es direkt über das Mikrofon an, erzählt und kommentiert das Gesehene. „Im Unterricht wird das Stück noch mit den Schülern besprochen, um sie wachzurütteln“, erklärt Kornelia Maier. Die ehemalige Elternbeirätin der Schule hat das Theater Eukitea – das sich mit Themen wie Gewalt, Umwelt und politische Bildung auseinandersetzt – an Schule geholt. Dafür sammelte sie Spenden vom Förderverein Südschule, InnerWheel sowie dem Rotary Club.

Am Ende bleibt auch die Erkenntnis, die von der Rolle Felix im Stück angesprochen wird: „Wie blöd kann man sein, so ein Foto zu machen.“ Und dieses dann digital aus der Hand zu geben. Denn früher oder später würde so etwas, sowieso im Internet landen. Und dieses vergisst laut Volksmund nichts mehr.Daniel Wegscheider

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