Drei Kilometer literarische Spurensuche

Thomas Mann-Weg in Festakt feierlich eröffnet

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Acht buchartige Stelen im Tölzer Stadtgebiet erinnern seit Donnerstag an den Aufenthalt Thomas Manns in Bad Tölz, wo er zwischen 1908 und 1917 ein Sommerhaus besessen hat. Die Tölzer Stadtarchivarin Manuela Strunz erläuterte Konzept und Inhalt des Tölzer Thomas Mann Weges, Schauspieler Markus Eberhard las aus Mann-Texten.

Bad Tölz – Bisher gab es ihn nur in Lübeck, jetzt hat auch Bad Tölz einen Thomas Mann Weg, der daran erinnern soll, dass der spätere Literaturnobelpreisträger von 1908 bis 1917 die Sommer in seinem „Herrensitzchen“ in der Heißstrasse 31 verbrachte. Auf acht buchartigen Stelen können Interessenten ab sofort wichtige Stationen des am 6. Juni 1875 in Lübeck geborenen Literaten abgehen.

Drei Kilometer lang ist der Rundkurs, der von der Stadtbücherei in der Hindenburgstraße (mit eigenem Thomas-Mann-Zimmer) über den Alten Bahnhof und den Klammerweiher zum vollständig erhaltenen (aber nicht öffentlich zugänglichen) Landhaus und weiter über das heute von der Lebenshilfe genutzte Prinzregent-Luitpold-Heim und das Café am Wald zum „Schlittenberg“ an der Galgenleite führt. Weitere Stationen, die eine Begegnung mit dem 1955 am Zürichsee in der Schweiz verstorbenen sechsfachen Familienvater in Bad Tölz ermöglichen, sind das von Rupert Wiedenhofer gestiftete Bronzerelief Manns an der Sparkasse in der Marktstraße sowie das inzwischen private Café Kogel und der Oberhof.

Bereits 2017 hatte sich die Stadt Bad Tölz daran erinnert, dass Mann vor genau 100 Jahren zum letzten Mal im Sommer in Tölz weilte. Das „Jubiläumsjahr“ sollte kein Einzelfall bleiben, wie 3. Bürgermeister Christof Botzenhart am Donnerstagabend im Park der Thomas Mann Villa sagte, seither konnte in der Bücherei das Mann-Zimmer mit einem Original Leuchter eingerichtet werden, die Thomas-Mann-Gesellschaft kam zu einer Tagung in die Kreisstadt und private Nachforschungen durch Martin Hake sowie Unterlagen im Stadtarchiv brachten neue Erkenntnisse über die „bekanntest Persönlichkeit, die je in Tölz gelebt hat“ zutage, so Botzenhart. Er nutzte die wegen des einsetzenden Regens in ein Zelt verlegte offizielle Eröffnung des neuen Wegs am Tage des 144. Geburtstages zu einer umfangreichen Danksagung an alle Beteiligten, nicht zuletzt an den Stadtrat, der 70.000 Euro bewilligt hatte, um den Weg mit acht buchartigen Stelen auszustatten. Eine 9. soll, so Stadtarchivarin Manuela Strunz, in ihrer Rede vor rund 150 Gästen, am Kogel noch dazu kommen, im Mai 2020 ist außerdem, wie Botzenhart sagte, ein Mann-Festival in Bad Tölz geplant.

Auch wenn die eigentliche Eröffnung des an der Mann-Villa vorbeiführenden Weges mit musikalischer Umrahmung durch das Ensemble Nebenluft und einer Filmvorführung wegen des einsetzenden Regens nur im Saale stattfinden konnte, so gingen die Ausführungen des Vizepräsidenten der Deutschen Mann-Gesellschaft, Prof. Dr. Friedhelm Marx, und die Lesung Mann‘scher Texte durch den Tölzer Schauspieler Markus Eberhard weit über die historisch bedeutende Örtlichkeit hinaus. Doch Mann arbeitete in den Sommermonaten in Tölz nicht nur an den bekannten Erzählungen wie „Der Tod in Venedig“, Zauberberg, Dr. Faustus oder „Herr und Hund“, es gab auch ganz profane Briefe an einen Sommergast, aus dem Strunz zitierte. Mann hatte den Aufenthalt des Besuchers im Jahr 1911 genau durchgetaktet: Um 1.29 Uhr Ankunft (am heutigen Alten Bahnhof), Essen, Ruhezeit, Fünf-Uhr-Tee, Spaziergang und um 7 Uhr Abfahrt. Damals fuhr die Bahn nach Tölz offenbar noch pünktlich und verlässlich.Karl Bock

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