Ticktack: Leistungsgesellschaft

Kurzfilmteam aus Bad Tölz wird mit Deutschem Jugendfilmpreis ausgezeichnet

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Erinnern sich an viele stressige Stunden während ihrer Schulzeit: die beiden Studenten Josephine Greck und Fabian Sigler, die zusammen den Film „The Timekepper“ entwickelten.Screenshot: Deutscher Jugendfilmpreis

Bad Tölz/Wuppertal – Mit einem außergewöhnlichen Film-Event startete am Samstag das 33. „Bundes.Festival.Film.“ in Wuppertal. Dabei wurden die diesjährigen Preisträger aus dem Deutschen Jugendfilmpreis und des Deutschen Generationenfilmpreis bekanntgegeben – darunter der Kurzfilm „Horazio – The Timekeeper“ von Absolventen des Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums.

Eine Schülerin nimmt eine blaue Armbanduhr aus einer bunten Schultüte. Bindet sie um ihr Handgelenk. Die Farben verschwinden, ticken ist zu hören. Taktiert den bis auf ein paar Ausnahmen in schwarz-weiß gehaltenen Film wie der Dirigent eines Orchesters: So beginnt „Horazio – The Timekeeper“ (zu deutsch „der Zeitnehmer“) von Fabian Sigler, für den der junge Tölzer mit seinem Team nun vom Deutschen Jugendfilmpreis ausgezeichnet (Altersgruppe 16 bis 20 Jahre) wurde. Die Jury begründet: „Durch präzisen Schnitt und atmosphärischer Filmmusik entwickelt der Film einen spannenden Sog.”

„In unserem Film wollen wir das Schulsystem kritisch hinterfragen“, erklärt Sigler, der heute Physik an der LMU studiert. Inspiriert wurde der ehemalige Schüler am Tölzer Gymnasium aber von seiner eigenen zwölfjährigen Zeit an der Schule. Insbesondere die Phase während des Abiturs waren prägend gewesen, so Sigler weiter. In seinem Kurzfilm mit einer Länge von 7.33 Minuten geht es nämlich um „den Leistungsdruck in unserer Gesellschaft“. Druck der keinen Platz für Individuen zulasse. Das, was zähle, seien Auswendiglernen und gutes Abschneiden in Prüfungen für einen bestmöglichen Abschluss, ergänzt Psychologie-Studentin Josephine Greck, die zusammen mit Sigler das Drehbuch entworfen hatte. Die beiden wollen aber nicht das Schulsystem im Ganzen kritisieren. „Bildung ist wichtig und der Schlüssel zur Welt“, betont Sigler. Vielmehr solle der Film „Timekepper“ zum Nachdenken anregen und Raum für Interpretationen geben. Um die Dramaturgie umzusetzen, entschied sich Sigler für eine „experimentelle Erzählweise“. Meint: Aufgrund eines geringen Budgets setzt der Streifen auf symbolträchtige Kameraaufnahmen und -fahrten; weniger auf Dialoge oder Szenen mit vielen Statisten. Insgesamt wurde an drei Nachmittagen gedreht. Die meiste Arbeit entstand in der Postproduktion: Schnitt und Spezial-Effekte benötigten rund 400 Stunden. Weitere Infos sowie der Kurzfilm „Horazio – The Timekeeper“ gibt es online auf www.deutscher-jugendfilmpreis.de. dwe

Der Deutsche Jugendfilmpreis

Der Deutsche Jugendfilmpreis ist ein bundesweites Forum für die Filmproduktionen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der Wettbewerb wird seit 1988 ausgeschrieben und zählt mit jährlich über 600 Einreichungen zu den reichweitenstärksten Veranstaltungen seiner Art. Die Organisation liegt in den Händen des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums (KJF), das den Wettbewerb im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend jedes Jahr durchführt. „Das Bundes.Festival.Film.“ ist jährlicher Höhepunkt der Bundeswettbewerbe. Kooperationspartner vor Ort sind das Medienprojekt Wuppertal, die Bergische Universität Wuppertal, die Stadt sowie das Autokino Wuppertal.


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