Todesmarsch zum 75. Mal

Dr. Lucie Wohlgenannt spielt Klaviersonate im Erinnerungsort Badehaus

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Filmten eine Klaviersonate von Karl Amadeus Hartmann (v. l.): Faranak Djalali-Lorenz, Dr. Lucie Wohlgenannt, Dr. Sybille Krafft und Rüdiger Lorenz.

Waldram – Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwangen Nationalsozialisten Tausende KZ-Häftlinge aus Dachau und seinen Außenlagern auf verschiedenen Routen zu einem Evakuierungsmarsch in Richtung Süden. 75 Jahre später erinnern der Historische Verein Wolfratshausen und die Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald mit einem musikalischen Kurzfilm an die schrecklichen Ereignisse.

Eine Gruppe von Gefangenen marschierte damals nachts am Haus des in Kempfenhausen am Starnberger See lebenden Musikers Karl Amadeus Hartmann vorbei. Ein Ereignis, das ihn zur Komposition der aufwühlenden Klaviersonate „27. April 1942“ inspirierte.

„Das ist Musik, die einem an die Nieren geht“, räumt Dr. Lucie Wohlgenannt ein. Die Waldramer Musikpädagogin setzte sich im Erinnerungsort Badehaus ans Klavier, um einige Passagen des Stücks anzuspielen und zu kommentieren. Die Szenerie verfilmte Regisseurin Dr. Sybille Krafft gemeinsam mit dem Ickinger Kameramann Rüdiger Lorenz und dessen Frau Faranak für einen Kurzfilm, der ab 27. April auf den Websites des Historischen Vereins und der Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald zu sehen sein wird. „Diese Erinnerung soll in der gebotenen räumlich distanzierten Form erfolgen, um die Gesundheit aller Beteiligten nicht zu gefährden“, erklärte Krafft bei einem Pressegespräch. Denn die Corona-Krise machte den ursprünglichen Plan der Vorsitzenden des Badehausvereins und des Historischen Vereins Wolfratshausen zunichte. Vorgesehen war, am 2. Mai mit einem Gedenkzug und einem mehrstündigen Festakt im Badehaus an den Todesmarsch zu erinnern. Dafür sollte sogar der Zeitzeuge Jack Adler aus den USA eingeflogen werden.

„Unendlich war der Strom, unendlich war das Elend, unendlich war das Leid“

Stattdessen zog sich die Filmcrew nun Atemmasken mit dem Badehaus-Logo über und achtete penibel auf Sicherheitsabstände. Um besser verstanden zu werden, verzichtete die Pianistin auf den Mundschutz und zitierte die Eindrücke des Komponisten Hartmann. „Unendlich war der Strom, unendlich war das Elend, unendlich war das Leid“, sagte Wohlgenannt nach einer Passage. Später, beim Pressegespräch auf dem Kolpingplatz verrät die 44-Jährige, dass sie erst vor drei Jahren nach Waldram gezogen ist und mit Dr. Sybille Krafft zufällig in München ins Gespräch gekommen ist. Sofort wurde ihr ein Besuch des Erinnerungsortes Badehaus nahegelegt.

Wohlgenannt ließ sich nicht lange bitten und zeigte sich auch nach der Filmaufnahme beeindruckt vom besonderen Ambiente. „Man spürt, dass von diesem Ort Geschichte und Atmosphäre ausgeht“, stellte sie fest. Um nicht nur im Internet an den Todesmarsch zu erinnern, stellt der Badehaus-Verein am 27. April ein Modell der von Professor Hubertus von Pilgrim entworfenen Mahnmal-Skulpturenreihe ins Schaufenster des Badehauses. Daneben werden erklärende Texte zu lesen sein. Peter Herrmann

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