Mehr Tagesreisen als Übernachtungen

Institut stellt „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ dem Tölzer Stadtrat vor – Umsatzeinbruch von neun Millionen

+
Viel los ist derzeit in der Tölzer Innenstadt. Vom Tourismusboom profitiert jeder, so der Fachmann Dr. Barnhard Harrer von der dwif-Consulting GmbH.

Bad Tölz – Wer derzeit durch die Marktstraße schlendert, hat Mühe, im Gedränge der Menschen einen Einheimischen auszumachen. Ferienzeit bedeutet viele Touristen in der Stadt. Das freut die Geschäftsinhaber und weniger diejenigen, die mit dem Auto unterwegs sind, denn Staus gehören derzeit – auch wegen der Baustellen im Stadtgebiet – zur Tagesordnung.

Dass von den Tagesgästen und natürlich auch denjenigen, die eine Nacht oder länger bleiben, so ziemlich jeder profitiert, dass machte jetzt im Tölzer Stadtrat Dr. Bernhard Harrer von der dwif-Consulting GmbH deutlich, als er nach 2006, 2009 und 2014 die Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Bad Tölz“ vorstellte.

Dabei entpuppte sich der Vortrag von Harrer, der im Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr der Universität München (dwif) eine leitende Funktion bekleidet, als Mischung aus Information uns Motivationsseminar. Grundlage seiner Ausführungen waren die Ergebnisse von Hundertausenden von Interviews mit Gästen in den letzten Jahren. Konkret berichtete er von 360.000 Übernachtungen pro Jahr in Tölz, von denen ein Drittel auf Kliniken, ein Viertel auf Hotels und immerhin 172.000 Nächtigungen auf Privathaushalte entfallen. Bemerkenswert, dass es sechs Mal mehr Tagesreisen als Übernachtungen gibt, insgesamt wurden 2,5 Millionen Aufenthaltstage in Bad Tölz gezählt.

Pro Tagesgast werden dabei, laut Bernhard Harrer, knapp 22 Euro am Tag ausgegeben, die Gäste mit dem Wohnmobil lassen rund 50 Euro pro Tag in der Kreisstadt, im Privatquartier rechnet man mit Ausgaben von 84 Euro am Tag und pro Nacht und die gewerblichen Betriebe nehmen 126 Euro ein, wobei Fahrtkosten hier nicht mitgerechnet sind.

Insgesamt kommen Harrer und sein Institut auf einen Gesamtumsatz von 91 Millionen Euro pro Jahr, was einen Anstieg seit 2009 um zehn Prozent bedeutet. Heuer ist natürlich alles anders. „Wir rechnen mit einem coronabedingen Umsatzrückgang von neun Millionen“, so Harrer. Mit weiteren Zahlen, die Harrer den Stadträten, dem Bürgermeister und der Verwaltung vorlegte, zeigte er auf, dass aufgrund von 8,5 Millionen Euro Steuereinnahmen und dem Umsatz in Handel, Handwerk und Gewerbe so gut wie jeder vom Tourismus profitiere, wobei auch der oft so ungeliebte Tagesgast dazu beiträgt, dass Geld in der Stadt bleibt.

Dies freute in der anschließenden kurzen Diskussion Geschäftsfrau und FWG-Stadträtin Andrea Niedermaier und Kurdirektorin Brita Hohenreiter. Harrer hatte abschließend an die Verantwortlichen in der Stadt appelliert, Zielgruppen orientiert zu arbeiten, „kreative neue Angebote“ zu erstellen und eine Qualitätsoffensive zu starten, „auch bei den Mitarbeitern.“Karl Bock

Auch interessant

Meistgelesen

Vereine und Rettungsorganisationen müssen künftig zahlen
Vereine und Rettungsorganisationen müssen künftig zahlen
Vier positiv Getestete befinden sich in Quarantäne
Vier positiv Getestete befinden sich in Quarantäne
Grünen-Ortsverband von abgelehnten Anträgen nicht entmutigt – Kaum Besucher
Grünen-Ortsverband von abgelehnten Anträgen nicht entmutigt – Kaum Besucher
Bundestagsabgeordneter Andreas Wagner fordert mehr Infektionsschutz
Bundestagsabgeordneter Andreas Wagner fordert mehr Infektionsschutz

Kommentare