„Die Pandemie, ein Katalysator“

Tölz Stadtwerke-Geschäftsführer sieht in der Corona-Krise ein Chance

Walter Huber ist Geschäftsführer der Stadtwerke in Bad Tölz.
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Walter Huber ist Geschäftsführer der Stadtwerke in Bad Tölz.

Bad Tölz – Zu Beginn des neuen Jahres lassen wir Persönlichkeiten aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu Wort kommen. Im Gespräch berichtet Walter Huber, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Tölz GmbH.

Mit welchen drei Adjektiven würden Sie das Jahr 2020 beschreiben und in einem Satz erläutern warum?
„Hysterisch, ängstlich, nachdenklich. Die Reaktionen auf die Pandemie habe ich als große, massenmedial verstärkten Hype empfunden. Nicht jede Reaktion war dabei wohlüberlegt und richtig. Aber neben der Angst und der Unsicherheit hat der Umgang mit dieser allgegenwärtigen Krankheit auch Wichtiges für unsere Gesellschaft geleistet. Wir werden im Großen und Ganzen gestärkt und gescheiter daraus hervorgehen, als wir es zuvor waren.“
Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt: berichten Sie…
„In Bezug auf die Tätigkeit der Tölzer Stadtwerke war es im Wesentlichen ein Jahr wie jedes andere. Wir hatten und haben hier Normalbetrieb. Keine noch so wichtige Person oder Institution kann ohne eine sichere Energieversorgung leben, gerade in Zeiten strombetriebener Digitalisierung. Deswegen haben wir die Versorgungssicherheit auch in diesem Jahr rund um die Uhr aufrechterhalten. Ungewöhnlich war die Einschränkung von gewohnten Grundrechten durch staatliche Vorgaben. Für den Betrieb Stadtwerke mit Zwangsschließung von öffentlichen Sporteinrichtungen wie Eis- oder Schwimmhalle. Gut war, dass kein Mitarbeiter bei den Stadtwerken nennenswert erkrankte.“
Welche Nachteile hat ihnen die Corona-Pandemie eingebracht?
„Unsere Aufgabe, etwas dazu beizutragen, Tölz lebenswert zu machen wurde uns durch die staatlichen Verordnungen sehr erschwert. Sport als Ausgleich und gesunde Bewegung zusammen mit Familie und Freunden, das war uns leider wegen der Zwangsschließung der Freizeitanlagen verboten. Finanzielle Auswirkungen hatten wir bei fehlenden Eintrittsgeldern. Was uns an Energieabrechnungen für Lieferungen an die gebeutelten Unternehmen und Kunden alles ausfällt, können wir noch nicht abschätzen.“
Können Sie aus der Krise auch was positives für sich herausziehen?
„Privat war Zeit, nachzudenken und Lebensgewohnheiten zu hinterfragen. Wir bei den Stadtwerken haben die Zeit genutzt, um rekordverdächtig viel in den Ausbau und den Unterhalt unseres Versorgungsnetzes für die Zukunft zu investieren. Außerdem haben wir gelernt zusammenzuhalten.“
Gibt es ein spezielles Erlebnis dass sie persönlich geprägt hat?
„Das Kennenlernen der wahren Charaktere von Menschen in einer von diesen als bedrohlich empfundenen Situation. Die Pandemie als antreibenden Katalysator für den Weiterentwicklungsprozess der Menschheit. Die Selbstverstärkung von Meinungen und Informationen in einer Lichtgeschwindigkeit schnellen, nicht mehr mit dem Verstand verfolgbaren digitalen Medienwelt.“
Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?
„Nicht aus der Ruhe bringen lassen. Weiter nach vorne zu schauen, und langfristig denkend zu agieren. Sich unabhängig von Mainstream und Tageshysterie halten. Auf Krisen rechtzeitig vorbereitet zu sein, um sich nicht unter Zeitdruck davon getrieben finden zu müssen.“
Wie sehen Ihre konkreten Pläne für 2021 aus?
„Privat möchte ich meine Hochzeitsreise nachholen. Auch gesund bleiben, und aktiv das eigene Leben und die Geschicke der Firma mitgestalten. Konkret für die Stadtwerke: Energiebereitstellung- und Verwendung mit möglichst wenig CO2-Ausstoß, also aktiver Umweltschutz sowie die Baderweiterung. Und die zuverlässige Versorgung der ganzen Stadt mit Trinkwasser, Energie, Licht, Wärme und Lebensqualität.“

Die Fragen stellte Daniel Wegscheider

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