Stationshilfen aus der Tölzer Stadtklinik müssen gehen

Asklepiosklinik entlässt Service-Kräfte - Krankenhaus beruft sich auf eine geänderte Gesetzeslage

Pflegerin überreicht Patienten das Essen im Krankenhaus
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Die Stationshilfen waren unter anderem für die Essensausgabe oder das Betten beziehen verantwortlich.
  • Viktoria Gray
    vonViktoria Gray
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Bad Tölz – Vergangene Woche staunten neun Stationshilfen der Tölzer Asklepiosklinik nicht schlecht: Das Unternehmen kündigte vier davon während der Probezeit und den anderen fünf wurden die befristeten Verträge nicht verlängert.

Sehr überraschend wurden die Asklepios-Mitarbeiter zu einem gemeinsamen Gespräch gerufen, mit dabei die Leitung der Asklepios Service Reinigung GmbH und Klinikgeschäftsführung. Wie Asklepios-Pressesprecher Christopher Horn berichtet, erklärten sie, „die aus ihrer Sicht unbefriedigende und von der Politik durch eine fehlerhafte Gesetzgebung verursachte Situation“.

„Wir nötigen niemanden zu kündigen. Im Gegenteil, wir sind jederzeit bereit weitere examinierte Pflegekräfte einzustellen“, erklärt Horn weiter. Die Betroffenen wurden demnach vor die Wahl gestellt: entweder sich für eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer anzumelden oder als Reinigungskraft weiterzuarbeiten.

Jetzt würde sich die Asklepios mit den Betroffenen weiterhin in Gesprächen befinden, um im Rahmen des Möglichen individuelle Lösungen zu finden. Auf Nachfrage der Rundschau bestätigte Horn zudem, dass in der Asklepios, nach der Kündigung der neun Personen, keine Stationshilfen im Unternehmen verbleiben.

Hintergrund der Kündigungen ist das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, das nach einer Übergangszeit im Dezember 2020 in Kraft getreten ist. Seitdem werden Pflegekräfte über ein Pflegebudget vollständig von den Krankenkassen finanziert, nicht jedoch das Personal ohne einer entsprechende Ausbildung.

Im Pflegebudget seien allerdings nicht alle Berufsgruppen erfasst – was bedeutet: künftig werden nur noch gelernte Pflegekräfte von den Kostenträgern gegenfinanziert. „Dies schließt ungelernte Kräfte leider aus“, erklärt Horn. Die Aufgaben der Stationshilfen müssten also, dem Gesetz folgend, von den Pflegehilfskräften übernommen werden, die eine mindestens einjährige pflegerische Berufsausbildung absolviert haben.

Die Asklepios sieht den Fehler hier vor allem bei der Politik. Hinzu komme „der denkbar ungünstigste Zeitpunkt“ in einer langen, kräftezehrenden Pandemie, sagt Horn. Wie viele andere Kliniken würde auch die Asklepios seit vielen Jahren auf einen „Qualifikation-Mix“ setzen. Dieser sollte in erster Linie Pflegekräfte im Alltag auf der Station entlasten.

Es ist schon ein starkes Stück, als Klinik mitten in der Pandemie Personal zu entlassen

ver.di-Gewerkschaftssekretär Win Windisch

Die Tatsache, dass nicht alle am „Qualifikation-Mix“ beteiligten Mitarbeiter im Pflegepersonal-Stärkungsgesetz berücksichtigt sind, sowohl direkt als auch über die Krankenhausgesellschaften, hätte die Asklepios Klinik bereits zum Zeitpunkt des Gesetzentwurfs schon kritisiert und dies öffentlich kundgetan. In den vergangenen 18 Monaten stellte die Asklepios schließlich mehr als 40 zusätzliche examinierte Pflegekräfte ein.

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft kritisiert Entscheidung der Asklepios

Der ver.di-Gewerkschaftssekretär Win Windisch kritisiert in seiner Pressemitteilung vor allem die fehlenden Perspektiven für die Betroffenen, die eigentlich durch die Asklepios gegeben sein sollten. „Es ist schon ein starkes Stück, als Klinik mitten in der Pandemie Personal zu entlassen.“ Laut Windisch müsse die Stadtklinik im Falle einer Weiterbildung, so wie an anderen Asklepios-Standorten auch, eine Lohnfortzahlung garantieren. Windisch zählt folgende Standorte auf, an denen es bei einer Pflegehilfe-Weiterbildung Lohnfortzahlung gibt: Asklepios Kliniken in Hamburg, die Schwalm-Eder-Kliniken in der Nähe von Marburg sowie Bad Berka in Thüringen.

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