Tölzer Bahnhof beschäftigt Stadtrat / Bürgermeister stellt Chronologie klar

Keine kurzfristige Lösung

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Der Zustand des Bahnhofsgebäudes beschäftigte abermals den Tölzer Stadtrat.

Bad Tölz – Der für alle unbefriedigende bauliche Zustand des Tölzer Bahnhofs kam – wie erwartet – in der jüngsten Stadtratssitzung am Dienstag zur Sprache. Dabei wurden allerdings noch kein konkreter Beschluss gefasst, sondern die Verwaltung soll laut CSU-Fraktionssprecher Ingo Mehner erkunden, „welcher Werkzeugkasten uns zur Verfügung steht“.

Wie bereits in der vergangenen Wochenendausgabe berichtet, will der CSU-Ortsvorsitzende Ingo Mehner und 3. Bürgermeister Christof Botzenhart dem Eigentümer Erwin Fritz sogar mit Enteignung drohen, falls er nicht endlich etwas unternimmt, um das von ihm im Jahr 2002 gekaufte Bahnareal, auf dem sich der Bahnhof befindet, in einen besseren Zustand zu bringen. Das Fass war im sprichwörtlichen Sinne übergelaufen, als die BOB ihren im Gebäude untergebrachten Schalter in einen von der Stadt Bad Tölz auf der Südseite der Gleise errichteten Container verlegte (wir berichteten). Unter anderem war im Winter die Heizung ausgefallen. Auch sonst war der allgemein schlechte bauliche Zustand des 1924 errichteten denkmalgeschützten Gebäudes und die Verschmutzung des Geländes seit Jahren immer wieder von SPD-Stadtrat Willi Streicher ohne Erfolg moniert worden. Inzwischen funktioniert nicht einmal mehr die historische Bahnhofsuhr.

Unternehmer Erwin Fritz, der vor Jahren auf dem von ihm gekauften ehemaligen Bahn-Gelände unter andere das BayWa-Gebäude errichteten ließ, nahm inzwischen in einem Gespräch mit dem Tölzer Kurier zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung und meinte, alles sei gar nicht so schlimm. Er wolle das Gebäude sehr wohl zu einem attraktiven Wohn- und Geschäftshaus umgestalten, doch das dauere einfach. Zudem kritisierte er die mangelnde Gesprächsbereitschaft von Seiten der Kommune und erhob den Vorwurf, die Stadt hätte seinerzeit in einem öffentlichen Bieterverfahren selbst den Bahnhof erwerben können.

Dies nahm nun wiederum Bürgermeister Josef Janker (CSU) in der Sitzung am Dienstag zum Anlass, die geschichtliche Entwicklung aus seiner sowie aus der Sicht des damaligen Bürgermeisters und heutigen Landrats Josef Niedermaier (FW) zu schildern. Demnach wurden im Jahr 2002 von der Bahn regionale Makler beauftragt, die zum Verkauf stehenden Immobilien an den Mann zu bringen. Auch die Stadt habe damals, so Janker, ihr Interesse bekundet und sogar schon einen Notartermin mit dem Makler für Ende Oktober vereinbart. Allerdings wollte die Kommune, gewarnt durch das Altlastenproblem in der ehemaligen Flint-Kaserne, zwölf Bohrungen auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs vornehmen. Die Genehmigung dazu wollte Niedermaier am 2. Oktober vom Makler einholen, doch der habe ihm an diesem Tag mitgeteilt, dass der Verkauf soeben mit Erwin Fritz und dessen Firma Tektogrund vollzogen worden sei. Janker über den seinerzeitigen Makler: „Das war ein unseriöses und fragwürdiges Verhalten, die Stadt wurde von ihm über den Tisch gezogen. In jedem Berufsfeld gibt es schwarze Schafe - und deshalb haben wir jetzt die Misere.“

Ingo Mehner, der sich am Dienstag als einziger zu Wort meldete, zitierte Goethe, in dem er meinte, er höre die über die Zeitung geäußerte Botschaft von Erwin Fritz: „Allein mir fehlt der Glaube.“ Dennoch plädierte er dafür, nicht sofort etwas zu beschließen, sondern die Verwaltung die Möglichkeiten von Sanktionen prüfen zu lassen. Bauamtschef Christian Fürstberger meinte, die ins Auge gefasste Enteignung dürfte aufgrund des Grundgesetzes, das Privateigentum als hohes Gut betrachte, schwierig werden. Zudem zeige sich der Eigentümer in dem Interview als gut gesonnen. Mit einer kurzfristigen Lösung sei seiner Meinung nach jedenfalls nicht rechnen.bo

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