Aus Ruine könnte Neubau werden

Tölzer Bauausschuss diskutiert über Umgestaltungen und Wohnhäuser in der Badstraße

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Nach 20 Jahren Leerstand eine Ruine, jetzt soll das Häuschen an der Tölzer Badstraße einem Neubau weichen.

Bad Tölz – Auch kleine Häuschen können wichtig sein. Das zeigte sich in der jüngsten Bauausschusssitzung des Tölzer Stadtrates, als längere Zeit über einen Vorbescheidsantrag diskutiert wurde und nahezu jeder Stadtrat seine gestalterische Meinung dazu abgab.

Wie Stadtbaumeister Florian Ernst erläuterte, soll das seit 20 Jahren leerstehende und dem Verfall preisgegebene Häuschen neben der Eisdiele jetzt endlich durch einen Neubau ersetzt werden. Das Gebäude steht seit längerem zum Verkauf, nach Auskunft des Maklers hat sich jetzt ein Interessent gefunden, der durch den Vorbescheid die Baumöglichkeiten erkunden will. Der Architekt zeichnete dazu ein Schaufenster im Erdgeschoss ein, weiter soll in Split-Level-Bauweise (also mit versetzten Ebenen) Platz für zwei Familien geschaffen werden. Die Crux dahinter ist allerdings, dass nach der Städtischen Stellplatzsatzung vier Parkplätze angelegt werden müssten. Zwei glaubt der Bauwerber vor dem Häuschen unterzubringen, die Fläche sei jedoch nicht ausreichend, wie Bauamtsleiter Christian Fürstberger festgestellt hatte. So muss der Bauwerber vier Stellplätze „ablösen“, was finanziell nicht unerheblich ist. Laut aktueller Satzung der Stadt müssten dafür 40.000 Euro bezahlt werden.

Sowohl Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) wie auch sein Stellvertreter Michael Lindmair (FWG) freuten sich über das Vorhaben, das ihrer Meinung nach eine erhebliche Aufwertung des Areals bringe. Allerdings ließ der Stadtbaumeister keinen Zweifel daran, dass man in einem noch nachzureichenden Bauantrag auch Fahrradstellplätze und Platz für die Mülltonnen berücksichtigen müsse. Das Schaufenster im Erdgeschoss gefiel ihm, da auch in der Umgebung jeweils im Parterre Gewerbe angesiedelt sei. Das hinderte jedoch einige Stadträte nicht daran, ihre dezidierte Meinung zur Dach- und Fenstergestaltung zum Besten zu geben, bis Fürstberger darauf verwies, das man bei einem Vorbescheid noch nicht über Details reden könne. Das Vorhaben wurde jedenfalls einstimmig befürwortet.

Ebenso einstimmig wurde der Neubau eines Wohnhauses ebenfalls in der Badstraße abgelehnt, da einerseits für die acht Wohneinheiten einerseits zwei Zufahrten vorgesehen sind, was nicht zulässig ist, anderseits der Spielplatz nicht die erforderliche Größe aufweist. „Einiges passt da rechtlich nicht“, meinte denn auch Bürgermeister Mehner (CSU), „es knirscht halt immer, wenn das Grünstück maximal ausgenutzt wird.“

Zurückgestellt wurde die beantragte Nutzungsänderung für das ehemalige Kurheim Grimm „Villa am Park“, da sich das Gebäude im Untersuchungsgebiet Badeteil befindet, wo die Stadt ein Sanierungsgebiet ausweisen möchte. Mit dem Ergebnis der Voruntersuchung soll sich der Stadtrat, so Bürgermeister Mehner, nach der Sommerpause befassen. Der Antrag wurde deshalb für zwölf Monate zurückgestellt.

Etwas schneller war ein bekannter Tölzer Bauherr, der am Bergweg zwei Häuser errichtet hat und sich nun nachträglich eine Gaube genehmigen liess. Der Ausschuss stimmte mit einigen kritischen Anmerkungen zu. Ausgebaut werden darf auch ein Dachgeschoss im Rückgebäude eines Marktstraßenanwesens. Dort herrscht kein Denkmalschutz, ausserdem sei die Baumaßnahme von der Straßenseite nicht zu sehen.

Ohne große Diskussion ging auch die beantragte Sanierung und der Teilausbau von Stall und Tenne eines Anwesens in Kirchbichl-Feichten über die Bühne. Nur Filiz Cetin (SPD) wollte wissen, ob es sich hier um eine landwirtschaftliche Privilegierung handle. Laut Stadtbaumeister Ernst werde dort aber keine Landwirtschaft betrieben.

Die Frage Landwirtschaft oder nicht stellte sich auch beim beantragten Umbau und der Sanierung des Ferienwohnheimes „Bichlerhof“. Dort sollen 13 Ferienappartements auf zwei Geschoßen entstehen. Bürgermeister Mehner meinte, dort laufe zwar einiges an Getier umher, ob das Landwirtschaft sei oder nicht, habe aber das Landratsamt als zuständige Baubehörde zu klären.

Franz Mayer-Schwendner, der bekanntlich mit den Tölzer Grünen das Hörmann-Vorhaben am Bichlerhof mit einem erfolgreichen Bürgerentscheid gestoppt hatte, freute sich über die dort angestrebte „touristische Nutzung“. Leider sei es kein Hotel, aber auch „Ferien auf dem Bauernhof“ seien zu unterstützen. Achten müsse man nur darauf, dass dort keine Zweitwohnungen entstehen würden.

Karl Bock

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