Das reale Leben, mehr als Unterricht

Tölzer „Kinderstadt“-Projekt begeistert Schüler und deren Eltern an der Süd-Schule

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Schüler, Lehrer und Eltern der selbst gestalteten Stadt „Süd-Schule“ genossen dort Arbeit und Freizeit.

Bad Tölz – Jüngst gab es an der Tölzer Südschule eine Premiere: Was bei „Mini-München“ schon seit Jahrzehnten stattfindet – nämlich Kinder verwalten selbst ihre eigene Stadt: leben, arbeiten, konsumieren und verbringen zudem ihre Freizeit dort – wurde nun in Bad Tölz im Kleinen ausprobiert. Das „Stadtprojekt“ begeisterte rund 50 Teilnehmer aus allen drei Tölzer Grund- und Mittelschulen sowie deren Eltern.

„Die Kinderstadt hätte mindestens eine Woche dauern sollen, nicht nur drei Tage“, waren sich die Schüler über das Projekt „Kinderstadt“ einig. Die Idee zu einer Kinderstadt in Bad Tölz entstand bei einem Treffen der Jugendsozialarbeiterinnen Kerstin Laugk und Birgit Armbruster des Diakonischen Werks Rosenheims.

Als Termin wurde die erste Ferienwoche auserkoren und die Tölzer Südschule aus Ort für die fiktive Stadt bestimmt. Sie tauften ihre selbsterfundene Stadt auf den Namen „Süd-Tal“.Das Prinzip der Kinderstadt funktioniert so: Schüler organisieren das Leben in ihrer Stadt größtenteils selbst. So gibt es etwa ein Rathaus. Und dort müssen sich die jungen Stadtbewohner freilich erst einmal anmelden und sich ihren Bürgerausweis abholen. Danach führt der Weg ins Arbeitsamt und dort wird nach freien Stellen Ausschau gehalten.

In der Tölzer Kinderstadt „Süd-Tal“ konnten die Schüler verschiedenen Einrichtungen als Arbeitgeber wählen: Arbeitsamt, Bank, Café, Kreativwerkstatt, Buchladen, Zeitung, Radio, Radwerkstatt, Theater, Fitnessstudio, Holzwerkstatt, Näherei oder Restaurant. Und junge Studenten konnten sogar die Universität besuchen und dort Vorlesungen zu verschiedenen Themen lauschen. So referierte etwa „Dozent“ Georg Schneider vom WGV Quarzbichl zum Thema Müll.

Das Angebot der Berufe war groß. Damit jeder Schüler einmal in seinen etwaigen Traumberuf hineinschnuppern konnte, wechselten die Schüler durch. Beim Arbeitsstellenwechsel wurde dann der Lohn (abzüglich Steuern) in Form von „Dollys“ ausbezahlt. Damit konnten die Teilnehmer dann etwa im Café, Buchladen oder der Kreativwerkstatt einkaufen.

Aber auch die Zubereitung des Mittagsessen bereitete viel Arbeit, wie Mitorganisatorin Kerstin Laugk erzählt: „Bei 70 Portionen in zwei Schichten á 35 Personen eine echte Herausforderung.“ Die vor kurzem erst neu ausgestattete Schulküche bot das ideale Ambiente für die Mittagspause. Wie auch insgesamt die Räumlichkeiten der Südschule einen adäquaten Rahmen bildeten: Der Ganztagsbereich beherbergte die Kreativwerkstatt, das Rathaus mit Café, den Buchladen, die Bank mit Arbeitsamt sowie das Zeitungsbüro. Die Fahrradwerkstatt konnte trotz gelegentlicher Regenschauer durchgängig im Freien vor dem Haupteingang arbeiten, die Theatergruppe fand im Konferenzraum eine Heimat. Die Vorlesungen der Universität fanden im früheren Physiksaal der Südschule statt. „Wir sind froh, von der Stadt Bad Tölz in den Fachräumen so gut ausgestattet worden zu sein“ sagt Schulleiter Christian Müller. „Die Kinderstadt hat unsere Möglichkeiten aber auch optimal ausgenutzt.“

Am Ende jedes Arbeitstages im Süd-Tal gab es dann noch eine Bürgerversammlung, in der Verbesserungen für die Kinderstadt und Wünsche ihrer Bürger angesprochen wurden. Auch der Wahlkampf und die Wahl des Bürgermeisters fanden in diesem Rahmen statt. „Mit den Schülern drei Tage an der Südschule zu verbringen, mit ihnen eine gute Zeit zu haben, ist halt doch etwas ganz anderes als Unterricht“ sagte Religionslehrer Stefan Müller-Laugk. „Ich habe im Schulalltag nur sehr selten in so viele glückliche Kindergesichter geschaut und derart viel Begeisterung, Elan und Motivation erlebt.“

Laut Lehrer und Veranstalter wurde in der Stadt „Süd-Tal mit Spaß viel gearbeitet, aber auch gelernt worden – und viele Kinder werden wohl die Erlebnisse mit in die Ferien nehmen. „Ohne die Unterstützung der Ehrenamtlichen und finanziellen Zuwendung aus dem Projekttopf des Amts für Jugend und Familie, wäre das alles aber gar nicht möglich gewesen“ bilanziert Armbruster. dwe

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