Unverpackt angepackt  / Es werden noch Unterstützter gesucht

Tölzer Laden „Ois Ohne“ bietet Einkaufen ohne Plastikverpackungen an

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Es geht auch ohne: Der geplante Laden "Ois Ohne" verkauft nur plastikfreie Ware

Bad Tölz – Das Ziel ist gesetzt. Und die Hälfte fast erreicht: Damit der Unverpackt-Laden „Ois Ohne“ in Tölz wie geplant Ende Januar gut ausgestattet eröffnen kann, benötigen die Initiatoren mindestens 30.000 Euro. Über eine sogenannte Crowdfunding-Aktion wurden bereits 15.600 Euro eingenommen. Jetzt können zudem Genossenschaftsanteile erworben werden. Die Betreiber sind zuversichtlich, dass alles nach Plan läuft.

Eine Schildkröte treibt leblos im Blau, verheddert im Korsett eines Plastik-Sixpackhalters für Bierdosen: Es sind traurige und grausige Bilder, die hinlänglich bekannt sein dürften: Tote Fische, Säugetiere und Vögel – gestorben aufgrund von Plastikmüll, der sich im Ozean und an Küsten sammelt. Der WWF (World Wide Fund For Nature) spricht von rund 12 Millionen Tonnen Plastikmüll, der jährlich in den Weltmeeren strandet. Und die Umweltschutzorganisation schlägt schon lange Alarm – es gelte Plastik zu vermeiden.

Regional sind dies Mitglieder des Bund Naturschutz (BN) und des Vereins „Oberland plastikfrei“. Auch Diana Meßmer ist von Anfang an mit dabei. Sie ist eine der Initiatoren, die sich mit der Idee zusammenfanden um im Oberland einen Unverpackt-Laden zu eröffnen. „Hier können Lebensmittel ohne Plastikverpackung gekauft werden“, erklärt Meßmer. Die Produkte befinden sich in Glasschütten, die in mitgebrachte Behältnisse wie Dosen, Gläser oder Säckchen abgefüllt werden können. „Speck ja, Schnitzel nein“, sagt Meßmer und beschreibt damit das Warenangebot. Dies umfasst eben keine Fleisch sowie Käse- und Gemüseprodukte. Sondern: Getreide, Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Samen, Saaten, Müsli, Nüsse, Trockenfrüchte, Gewürze, Kaffeebohnen, Tee und Backzutaten. Zu dem kommen vereinzelnd Glaskonserven wie Kichererbsen oder passierte Tomaten.

Auch über den Lebensmittelbereich hinaus bietet der Laden „Ois Ohne“ plastikfreie Alternativen an. So werde die herkömmliche Zahnbürste durch eine aus Bambus und das Shampoo in der Plastikverpackung durch feste Seife ausgetauscht. „Wasch- und Putzmittel gibt es auch zum selber abfüllen“, berichtet Meßmer. Die Lieferanten sollen zudem möglichst regional sein und ebenfalls plastikfrei die Ware anliefern.

Ihr Leben hat Meßmer umweltbewusst umgestaltet: So berichtet sie, ihren Plastikputzeimer kürzlich durch einen Edelstahleimer ersetzt zu haben. Klar, Plastik sei in vielen Bereichen unentbehrlich, betont Meßmer. „Aber eben in vielen Bereichen auch entbehrlich.“ Daher appelliert die BN-Umweltbildungsreferentin an die Nachhaltigkeit: „Der Laden soll zudem ein Zeichen sein. Ein Signal.“ Damit auch die Politik und Wirtschaft weiter aktiv werde, um gegen die Plastikmüll zu handeln.

„Und je mehr Leute mitmachen, umso besser.“ Das EU-Verbot von Plastiktellern, Trinkhalmen und anderen Wegwerfprodukten aus Kunststoff ist seit Ende des Jahres bereits beschlossen. Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten einigten sich in Brüssel auf die Einzelheiten. In Kraft treten werden die Änderungen voraussichtlich in gut zwei Jahren.

„Ois Ohne“ ist laut Meßmer auch ein Infozentrum und werde verschiedene Workshops zu umweltbewussten Themen anbieten. Zum Beispiel Frischkäse oder Waschmittel selbst herzustellen. Zudem steigt der Laden in das sogenannte Recup-System ein. Dorthin kann man seinen eigenen Kaffeebecher mitbringen oder einen wiederverwertbaren Erwerben, der deutschlandweit in Einrichtungen, die ebenfalls mitmachen, wieder befüllt oder abgegeben werden. Also Mehrwegbecher anstatt Wegwerfbecher.

Läuft alles nach Plan wird der Laden Ende Januar auf rund 60 Quadratmetern Fläche an der Tölzer Hindenburg eröffnen. Meßmers Tochter Anna, wird dort als ehrenamtliche Vollzeitkraft hinter dem Verkaufstresen stehen. Die BWLerin hat zusammen mit Studienkollegin Kathi Kuhn den Geschäftsplan und das Konzept für den „Ois Ohne“-Laden entwickelt und vorangetrieben. Mittlerweile gibt es ein Gründerteam, das sich aus acht Engagierten im Alter zwischen 20 und 70 Jahren zusammensetzt. dwe

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Wer die Kampagne unterstützen will, kann dies per Crowdfunding oder Genossenschaftsanteile bis 27. Januar online auf startnext.com/ois-ohne. Am Dienstag, 22. Januar, um 19 Uhr findet im Tölzer Gschafft (Markstr. 59) zudem eine Infoveranstaltung zur Genossenschaft statt. Ein Vertreter vom Genossenschaftsverband Bayern wird Fragen rund um die Genossenschaft beantworten. Weitere Infos unter Tel: 0160/3680043.

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