Gefahren der Lockdowns

Tölzer Land: Arbeitskreis Sucht bilanziert über Corona-Auswirkungen auf die Jugend

Eröffnete die Vollversammlung des Arbeitskreises Sucht im Tölzer Landratsamt: Vorsitzender Oliver-Arnold Gießler-Fichtner.
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Eröffnete die Vollversammlung des Arbeitskreises Sucht im Tölzer Landratsamt: Vorsitzender Oliver-Arnold Gießler-Fichtner.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Die Folgen der Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen ist Thema bei der Vollversammlung des Arbeitskreises Sucht im Landkreis gewesen. Zudem standen die Neuwahlen des Vorstandes auf der Tagesordnung.

Endlich wieder eine Vollversammlung in Präsenz. Darüber zeigte sich der Vorsitzende des Arbeitskreises (AK) Sucht, Oliver-Arnold Gießler-Fichtner, erfreut, als er jüngst die einzelnen Untergruppenleiter der Kreis-Beratungsstellen im Tölzer Landratsamt begrüßte. „Es gab viele Digitalveranstaltungen während der vergangenen zwei Jahre“, berichtete er. Umso mehr galt es nun für den AK „einen Blick zurück, aber auch nach vorne zu richten“.

Ganz oben auf der Agenda: Die Entlastung der Vorstandschaft. Da es innerhalb der Riege keine Neuaufstellung gab, handelte es sich hierbei um eine Wiederwahl.

Einstimmig wurden die einzelnen Vorsitzenden auch im Amt bestätigt. Neben Gießler-Fichtner sind dies: Helmut Meixner, Sylvia Marschall, Michael Hanfstengl und Thomas Winter. „Danke für Euer Vertrauen. Wir werden in bewährter Manier weitermachen“, bedankte sich Gießler-Fichtner bei den Anwesenden.

Homeschooling und Distanzunterricht

Im Anschluss referierten die Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie Martin Rieger und Cora Neuhaus vom Heckscher Klinikum in Wolfratshausen. Ihr Thema: „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf psychiatrische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen“. Keine Frage, Homeschooling und Distanzunterricht veränderten plötzlich den Alltag der Schüler.

Schon ab Ende des ersten Lockdowns in 2020 habe es bayernweit eine Zunahme an Behandlungsgesuchen gegeben, berichtete Neuhaus. „Insbesondere bei jungen Mädchen entwickelten sich vermehrt Ängste und Depressionen.“

Im selben Jahr sei laut Studie dagegen der Missbrauch von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen wie Cannabis bei Minderjährigen rückläufig gewesen, während diese bei Erwachsen deutlich angestiegen war.

Jüngere verbrachten wiederum mehr Zeit im Internet. Wie Neuhaus berichtete, betrug die Onlinezeit von Jugendlichen 79 Minuten an Wochentagen – im ersten Lockdown stieg sie dann auf 139 Minuten. Die Gefahr einer möglichen Internetsucht sei allerdings nicht nur die dort verbrachte Zeit, „sondern auch der Rückzug aus dem sozialen Umfeld“.

Zunahme von Essstörungen

Wie die Berichte der Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie bei der Vollversammlung des Arbeitskreises Sucht zeigten, löste die Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns und den damit einher gehenden Kontaktbeschränkungen bei jungen Leuten vermehrt soziale Phobien sowie Depressionen aus. Ebenso belegen Studien einen Anstieg bei Schlaf- und Essstörungen sowie dem allgemeinen Verlust von Hygiene.

„Die Risikofaktoren dafür sind alte Bekannte“, berichtete Fachärztin Cora Neuhaus von der Institutsambulanz des Heckscher Klinikums in Wolfratshausen. So seien besonders Kinder- und Jugendliche in Extremsituationen anfällig für eine mögliche psychische Störung, „die von nur einem Elternteil erzogen werden, auf begrenzten Wohnraum leben oder Familien mit Migrationshintergrund“.

Die gute Nachricht: Aktuell zeigt sich laut neusten Studien, dass Symptome psychischer Störungen rückläufig sind. „Voraussetzung dafür sind ein gutes Familienklima mit gutem Bildungsgrad“, erklärte Neuhaus weiter. Auch habe die Impfung gegen das Corona-Virus und der Schulbesuch vor Ort vielen Kindern und Jugendlichen wieder ihre Ängste genommen.

Neuhaus wollte am Ende ihres Berichts noch mit einem „Unkenruf“ aufräumen: „Die Zahl von Schulabbrechern ist nicht höher als zu Vor-Corona-Zeiten.“ Angestiegen ist dagegen die Zahl junger Patienten, die an einer Essstörung leiden. Darüber berichtete Oberarzt Martin Rieger vom Heckscher-Klinikum, er bestätigte den Zuwachs an Einweisungen von Anorexie (Magersucht) in seiner Praxis: Sie stieg bei den Jugendlichen bis 14 Jahren von 2019 bis 2021 um 40 Prozent; bei den 15- bis 19-Jährigen um 32 Prozent.

Rieger begründete den Anstieg gerade bei Kindern damit, dass sie eine höhere Verletzbarkeit aufweisen, „wenn soziale und schulische Kontinuität unterbrochen werden“.

Trotz der geschilderten Fälle konnten beide Fachärzte auch von Kindern aus ihren Praxen am Institut berichten, „die die Situation der Corona-Pandemie gut bewältigt haben“.

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