„Aus Sicht des Patienten denken“

Tölzer Land: Entscheidung für Einstieg ins staatliche Förderprogramm „Gesundheitsregion plus“ im Herbst

Der Kreistag für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
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Tritt der Landkreis der „Gesundheitsregion plus“ bei? Der Kreistag wird in seiner nächsten Sitzung darüber entscheiden.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Mit dem Konzept „Gesundheitsregionen plus“ will das Bayerische Staatsministerium die regionale Gesundheitsversorgungen im Freistaat weiter ausbauen.

Vor einem Jahr befasste sich der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erstmals damit. Den Sommer über sollen sich nun die Fraktionen darüber beraten – ein Beschluss zum Beitritt soll im Herbst fallen.

Momentan gibt es in Bayern 72 Landkreise und kreisfreie Städte, die den Titel „Gesundheitsregionen plus“ inne haben. „Die oberste Zielsetzung der Gesundheitsregionen plus ist es, den Gesundheitszustand der Bevölkerung, gerade auch im Hinblick auf die gesundheitliche Chancengleichheit, zu verbessern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität zu erhöhen“, erklärte Bereichsleiter Gunnar Geuter vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Bei dem Projekt gehe es darum „ein fachlich kompetentes Netzwerk aufzubauen mit regionalen aktiven Akteuren. Insbesondere in den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention, Gesundheitsversorgung sowie in der Pflege, „um ressortübergreifend besser zusammenzuarbeiten“. Konkret sollen dabei „passgenaue Lösungen für die Region“ entwickelt werden.

Übergabewelle von Praxen

Um dem Kreistag konkret aufzuzeigen, was eine „Gesundheitsregion plus“ leisten kann, erläuterte Geuter Praxisbeispiele aus anderen Landkreisen. So hat sich etwa das Arberland (Kreis Regen) per Imagekampagne des Themas „Nachwuchsförderung für soziale Berufe“ angenommen.

Geuter wählte dieses Beispiel aus, um zu zeigen, wie breit das Tätigkeitsspektrum gefächert sein könne. Oder etwa das oberfränkische Coburg, das via Kampagne Ärzte „mit Erfolg“ angeworben hatte.

Ärztliche Versorgung ist für Geuter ein wichtiges Thema in der Zukunft. Im Hinblick auf das Alter vieler niedergelassenen Ärzte, zeige sich in etlichen Landkreisen, „dass hier eine Übergabewelle von Praxen bevorsteht“.

Deshalb sei es wichtig, früh genug Strukturen und eine Plattform für den Nachwuchs zu generieren, „da diese häufig anders arbeiten möchte als die jetzige Ärztegeneration“. Geuter zählte hierbei Arbeitszeiten oder Gemeinschafts- anstatt Einzelpraxen auf.

Das Bayerische Staatsministerium fördert die Einrichtung und den Betrieb einer Geschäftsstelle mit jährlich maximal 50.000 Euro bis zu fünf Jahren. Einige der jetzigen Gesundheitsregionen befinden sich laut Geuter bereits in der zweiten Zuwendungsphase. Aktuell hat das Gesundheitsministerium nämlich die Förder-Perspektive auf insgesamt zehn Jahre festgesetzt.

Von Super-Programm überzeugt

An die Historie der „Gesundheitsregion plus“ für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erinnerte SPD/Linke-Fraktionssprecherin Filiz Cetin. So habe vor einem Jahr ihre Ausschussgemeinschaft sowie die der Parteien ÖDP/FDPFUW/BP beantragt, sich dem Projekt anzuschließen.

„Da wir von dem Super-Programm überzeugt sind“, sagte sie: „Für eine maximale Vernetzung und Nachhaltigkeit, die wir im Gesundheitswesen brauchen.“

Landrat Josef Niedermaier (FW) hofft darauf, dass alle Beteiligten auch „wirklich eine Chance darin sehen und sich vernetzen.“ Denn trotz hoher Ärztedichte in der Region, sei doch „jeder irgendwie in seiner eigenen Blase verhaftet“.

Das Wichtigste: „Alle müssen aus Sicht des Patienten denken, sonst wird es nicht gehen.“ Im Herbst möchte der Landkreis, sofern alle Fraktionen mitziehen, seinen Antrag zur „Gesundheitsregion plus“ einreichen.

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