Lieber Kasse statt Theke

Tölzer Land: Gewerkschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen im Gastro

Bedienung vor einem Tisch
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Servicekraft gesucht: Viele Hotels und Gaststätten finden aktuell kein Personal mehr.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis - Vergangenes Jahr haben im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen rund 400 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte das Gastgewerbe verlassen.

Wegen der Corona-Pandemie verzeichnen Hotels und Gaststätten eine dramatische Abwanderung von Fachkräften. Innerhalb des vergangenen Jahres haben im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen rund 400 Gastro-Angestellte seinen Job aufgegeben – das ist mehr als jeder achte Beschäftigte der Branche, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter Berufung auf jüngste Zahlen der Arbeitsagentur mitteilt.

Betrieben fehlt das Personal

Viele Menschen schätzen es, nach langen Entbehrungen endlich wieder essen zu gehen oder zu reisen. „Aber ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können“, so Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern. Für die Lage macht er insbesondere die Einkommenseinbußen durch die Kurzarbeit verantwortlich: „Gastro- und Hotel-Beschäftigte arbeiten sowieso meist zu geringen Löhnen. Wenn es dann nur noch das deutlich niedrigere Kurzarbeitergeld gibt, wissen viele nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.“

Wenn ausgebildete Fachkräfte in Anwalts- oder Arztpraxen die Büroorganisation übernehmen oder in Supermärkten zwei Euro mehr pro Stunde verdienen als in Hotels und Gaststätten, dürfe es niemanden überraschen, dass sich die Menschen neu orientierten. „Schon vor Corona stand das Gastgewerbe nicht gerade für rosige Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden und eine hohe Abbruchquote unter Azubis sind nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt“, kritisiert Schneider.

Tarifverträge unverzichtbar

Wirte und Hoteliers hätten nun die Chance, die Branche neu aufzustellen. Wer künftig überhaupt noch Fachleute gewinnen wolle, müsse jetzt umdenken und sich zu besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen bekennen. Dazu seien Tarifverträge unverzichtbar, unterstreicht Schneider.

Die Gewerkschaft NGG verweist zudem auf die umfassenden Finanzhilfen des Staates für angeschlagene Betriebe. So können sich Hotels und Gaststätten im Rahmen der Überbrückungshilfen in diesem Monat bis zu 60 Prozent der Personalkosten bezuschussen lassen, wenn sie Angestellte aus der Kurzarbeit zurückholen (Restart-Prämie). „Klar ist: Köchinnen, Kellner & Co. freuen sich darauf, endlich wieder Gäste empfangen zu können. Viele arbeiten mit großer Leidenschaft im Service. Auf diese Motivation können die Betriebe bauen – und sollten das Personal nicht erneut durch prekäre Löhne und schlechte Arbeitszeiten verprellen“, so Schneider.

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