„Die Lage ist absolut bedrohlich“

Tölzer-Land-Tourismus-Chef bilanziert: Hotel- und Gastrobranche gefährdet

Leere Stühle im Gastronomie-Außenbereich
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Die touristische Wirtschaftslage in der Region zeichnet ein düsteres Bild ab. (Symbolbild)
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Andreas Wüstefeld ist das Lachen dieser Tage vergangen. Der Leiter des Tölzer Land Tourismus (TLT) zog jüngst im Kreis-Umweltausschuss Bilanz.

Und in seinem Tätigkeitsbericht zur derzeitigen touristischen Wirtschaftslage in der Region zeichnet sich ein düsteres Bild ab.

Die regionalen Tourismus-Daten 2020 bilanzieren bei den Gästeankünften im Landkreis einen Rückgang von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Bei den Gästeübernachtungen ist ein Viertel weniger zu beklagen.“ Das Einzige erfreuliche sei, die verlängerte Aufenthaltsdauer: „Der Gast, der kommt, bleibt länger“, im Durchschnitt vier Tage (Vorjahr: 3,3 Tage): „Das ist der einzige Punkt, wo wir ein Grün signalisieren können“, betonte Wüstefeld .

„Lage bescheiden“

Getreu dem Motto, „die Lage ist bescheiden, aber nicht hoffnungslos“, ist die Region Tölzer Land im vergangenen Jahr noch „mit einem blauen Auge davongekommen“. Dort sanken die Übernachtungszahlen in gewerblichen Betrieben (mit zehn Betten und mehr) im überregionalen Vergleich zur Landeshauptstadt München (Minus 61 Prozent) um knapp 29 Prozent.

Doch im Jahr 2021 schaut die touristische Situation viel schlechter aus: „Was wir hier erleben, ist das Berufsverbot einer kompletten Branche. Die Situation für das Hotel- und Gastronomiegewerbe ist absolut bedrohlich, sprach Wüstefeld Klartext.

Einnahmen bleiben voraussichtlich bis Juni aus

Während 2019 noch die Hälfte der Bruttoumsätze im Tourismus des Tölzer Landes (335 Millionen Euro) durch die Tagesgäste eingenommen werden konnte, fallen diese heuer erst einmal aus. „Kein Skipass am Brauneck und eine Schnitzelsemmel beim Bäcker“, so Wüstefeld weiter. Einnahmen werde es aller Voraussicht auch nicht bis zum 30. Juni geben.

Mit der geltenden „Bundes-Notbremse“ greift das Infektionsschutzgesetz, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis drei Tage hintereinander über den Wert von 100 steigt. Eine Maßnahme davon: „Die Zurverfügungstellung von Übernachtungsangeboten zu touristischen Zwecken ist untersagt.“ Gastronomiebetriebe jeder Art sind per Infektionsgesetz grundsätzlich untersagt.

Vorbereitungen sind nicht zu unterschätzen

Zwar könnte die Gastronomie ihren Betrieb wieder hochfahren, wenn der Inzidenz-Wert unter die 100er-Marke an drei aufeinander folgenden Tagen sinkt, aber das sei aufgrund der Vorbereitung nicht zu unterschätzen: Wüstefeld zitierte dazu Guido Zöllick, den Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes: „Restaurants und Hotels sind keine Garagen, die man nach Belieben auf- und zusperren kann.“

Andreas Wüstefeld, Leiter Tölzer Land Tourismus

Der TLT-Chef sieht derzeit die Branche um „jegliche Perspektive“, wie der einer möglichen Außengastronomie, beraubt. „Wir befinden uns in einer dramatischen Situation, sagte der Touristiker: „Wenn wir von einer Inzidenz- nicht auf die Existenz -Sichtweise kommen, wird das ein böses Erwachen für uns im Landkreis werden.“ Mit Folgewirkungen im Tourismus, die noch nicht absehbar seien.

Branche braucht Zukunft

Sicher weiß Wüstefeld dagegen, die Urlaubsanfragen im Tölzer Land ist groß: „Es gibt derzeit ein riesiges Interesse an Inlandsurlaub, den wir aber nicht bedienen dürfen.“ Die meisten der bundesweiten Anfragen stammen geografisch Betrachtet aus den Regionen entlang der Rhein-Main-Linie. „Auch Märkte wie Sachsen und Thüringen, die in den vergangenen Jahren nicht mehr so stark präsent waren, kommen wieder.“

Wüstefeld betonte abschließend: täglich rufen ihn verzweifelte Betroffene an, die um ihre Existenz fürchten. „Wir können nur Schmerztabletten verteilen“, sagte er und appellierte an die Politik der Kreisausschuss-Mitglieder – „bitte sorgen sie dafür, dass unsere Branche im Landkreis eine Zukunft hat.“

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