„Frühdiagnostik ist wichtig“

Unter dem Motto „Demenz – genau hinsehen“ informieren Experten über die Krankheit

Prof. Dr. Rüdiger Ilg (l.) und Dieter Käufer (Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Isar-Loisachtal) im Tölzer Landratsamt.
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Im Dialog über die Erkrankung Demenz: Prof. Dr. Rüdiger Ilg (l.) und Dieter Käufer (Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Isar-Loisachtal) im Tölzer Landratsamt.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Demenz: Ein wichtiges gesellschaftliches Thema, auf das anlässlich des Welt-Alzheimer Tags aufmerksam gemacht wurde.

Beim Pressegespräch im Landratsamt berichtete ein Facharzt der Asklepios Stadtklinik über die Möglichkeiten der Diagnose, Ursachen der Erkrankung und wie der aktuelle Stand der Medizin bei der Erforschung eines Heilmittels ist.

„Das waren damals schon die ersten Anzeichen, das habe ich aber erst viel später verstanden.“ Häufige Aussagen von Angehörigen, die rückblickend über den Beginn einer Demenz bei einer ihnen nahestehenden Person gesprochen haben.

„Die Frühdiagnostik und frühzeitige Behandlung ist wichtig“, betonte auch Dieter Käufer von der Alzheimer Gesellschaft Isar-Loisachtal eingangs bei der jüngst stattgefundenen Gesprächsrunde, die unter dem Motto „Demenz – genau hinsehen“ stand.

1,8 Millionen Menschen demenziell erkrankt

Der Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft nannte auch Zahlen: 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer demenziellen Erkrankung. Allein im Landkreis dürften das um die 2.700 Bürger sein. „Aber die Dunkelziffer ist höher“, erklärte Käufer weiter. „Da viele nicht zum Arzt gehen und daher gar nicht erfasst werden“.

Käufer leitete das Dialoggespräch über Demenz mit Prof. Dr. Rüdiger Ilg, Facharzt für Neurologie an der Asklepios Stadtklinik in Bad Tölz. Er bestätigte insgesamt steigende Fallzahlen, aufgrund einer „über-alternden Bevölkerung“.

Damit einher gehe eben auch die Wahrscheinlichkeit einer demenziellen Erkrankung. Jedoch sei das Risiko heutzutage weniger hoch, als noch in den 1970er-Jahren. Grund: die Prophylaxe und auch „die gesunde Lebensführung“ ist besser als noch vor 50 Jahren.

Ilg stellte auch klar: „Nicht jede Demenz ist gleich Alzheimer.“ Auch wenn dies die häufigste Form sei. Was die verschiedenen Demenz-Formen eint, sei eine auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführende Funktionsstörung des Gehirns. Als typische Anzeichen gelten Orientierungs- und Konzentrationsschwierigkeiten.

Sprachstörungen und Verhaltensstörungen

Dabei ist der Grad dieser Symptome ausschlaggebend. So müsse jemand, der seinen Schlüssel mal verlegt und nicht gleich findet, keine Demenz befürchten. Ilg sprach dabei eher von relevanten Terminen innerhalb der Familie, die etwa morgens noch besprochen wurden, und abends bereits vergessen waren.

Auch Sprachstörungen und das vergessen von Namen seien Indizien. Ebenso Verhaltensstörungen, die den Charakter eines Menschen ändern. Wenn etwa ein früher eher frommer Mensch, plötzlich impulsive Ausbrüche habe. „All das könnte in Richtung einer Demenz deuten“, so Ilg.

Handelt es sich um eine Demenz so gilt in der Medizin, diese möglichst früh zu diagnostizieren, „um den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen“, sagte Käufer. Ideal sei dabei, wenn Angehörige oder ein aufmerksamer Hausarzt gravierende Veränderungen feststellen und die betroffene Person zum Facharzt schicken.

„Bluthochdruck, ein hoher Cholesterinspiegel und zu viel Alkohol“

Dieser könne per Differenzialdiagnostik abklären, ob die Symptome etwa durch eine andere Erkrankung hervorgerufen wurde, die möglicherweise therapierbar sei.

Das Risiko an einer Demenz zu erkranken, könne durch eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung gesenkt werden, erklärte Ilg. „Klassische“ Risikofaktoren seien ähnlich, wie die, die einen Schlaganfall auslösen können: „Bluthochdruck, ein hoher Cholesterinspiegel und zu viel Alkohol“, ergänzte Käufer.

„Schlecht sind auch Schädel-Hirn-Traumata“ wie sie häufig bei Sportverletzungen beim Boxen, Eishockey oder dem American Football auftreten können. Daher werde bereits in einigen Nachbarländern im Sportunterricht in der Schule auch kein Kopfball-Training-Einheiten mehr geübt, berichtete Käufer.

Stand der Forschung

Ein Medikament, das Alzheimer heilt, gebe es derzeit nicht. Sie zögern den Verlauf der Krankheit lediglich hinaus. Ein Hoffnungsstreifen am Horizont sei derzeit ein neues Medikament, das in den USA zugelassen ist und dort erforscht werde, berichtete Käufer.

Die moderne Forschung sei sehr weit gekommen „und hat große Fortschritte gemacht“, ergänzte Ilg. „Wir lernen ständig dazu“. Allerdings sei es ein stetiger Prozess. So ist Ilg heute „hoffnungsvoller“ als noch vor ein paar Jahren.

„Je besser man die Krankheit versteht, desto besser die Therapie.“ Bis dahin gilt: „Die Demenz möglichst früh zu erkennen und mit einer Therapie zu beginnen.“ Dadurch können auch die Angehörigen besser planen, Vorsorge treffen und spätere medizinische Entscheidungen abklären.

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