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Tölzer Landkreis: 313 Ukraine-Flüchtlinge – Weiterhin Wohnraum gesucht

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Von: Daniel Wegscheider

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die Turnhalle der Mittelschule in Geretsried
Unter anderem werden die Ukraine-Flüchtlinge in der Turnhalle an der Adalbert-Stifter-Straße in Geretsried untergebracht. © Gray

Landkreis – 313 Flüchtlinge aus der Ukraine sind inzwischen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen angekommen und registriert.


Der tobende Angriffskrieg Russlands in der Ukraine zwingt dort immer mehr Menschen zu Flucht in die Nachbarländer und nach Deutschland.

„Frieden und Freiheit sind leider so gefährdet wie lange nicht mehr“, sagte Ministerpräsident Markus Söder Mitte der Woche im Bayerischen Landtag zur aktuellen Lage in der Ukraine. „Bayern hilft, zeigt Haltung und gibt Hoffnung.

Wir werden das meistern: Wenn wir durchhalten, standhalten und zusammenhalten.” Gemeinsam mit den Kommunen organisiert die Regierung die Aufnahme, Unterbringung und Integration. Dafür stellt der Freistaat laut Söder eine Milliarde Euro als Vorleistung bereit. „Sonst kommen viele Länder an ihre Grenzen.“

Aufgrund der derzeitigen Vorhersagen sei es durchaus möglich, „dass über 1.000 Menschen im Landkreis eine Bleibe suchen“, berichtet Landratsamt-Sprecherin Marlis Peischer. Der Großteil der 313 Geflüchteten kam bislang privat in der Region unter; 86 wurden Anfang der Woche in der dezentralen Erstanlaufstelle in der Geretsrieder Turnhalle untergebracht – darunter acht Kinder und Jugendliche ohne ihre Eltern in Begleitung von Verwandten.

Bislang bezogen laut Landratsamt hauptsächlich ukrainische Familien Plätze in der Turnhalle. Dort werden sie auch mit Hygieneartikeln und Lebensmitteln versorgt.

Unter den Ankömmlingen sind neben den Menschen ukrainischer Nationalität auch Menschen aus Nigeria, Marokko und China. „Alle besitzen einen dauerhaften Aufenthaltstitel in der Ukraine und gelten als Kriegsflüchtlinge“, erklärt Peischer.

Wie berichtet, werden die Ankommenden auch auf Corona getestet. Nach derzeitigen Stand wurden bisher zwei Personen vor dem Bezug in der Turnhalle positiv auf das Virus getestet. Sie und ihre Familien wurden daraufhin in separaten Unterkünften für die Zeit der Isolation untergebracht.

Auch Turnhalle des Gabriel-von-Seidel-Gymnasiums

Während in Geretsried aktuell rund zwei Drittel der vorhandenen Plätze belegt sind, steht die Vorbereitung in der Turnhalle des Gabriel-von-Seidel-Gymnasiums in Bad Tölz kurz vorm Abschluss. Hier werden wie in Geretsried 150 Menschen Platz finden können.

Als weitere Notunterkunft wird die Mehrzweckhalle an der Akeleistraße in Wolfratshausen für weitere 100 Plätze vorbereitet. Zudem mietet das Landratsamt Zimmer in Hotels und Gaststätten an.

Um den Menschen ein Obdach zu gewähren, wird weiterhin Wohnraum benötigt. Online auf www.lra-toelz.de/ukrainehilfe können Bürger aus dem Landkreis ihre Unterstützung anbieten. Bisher sind dort über 200 Angebote für Wohnraum eingegangen. Zudem sucht das Landratsamt ehrenamtliche Übersetzer. Wer helfen kann und möchte, meldet sich per E-Mail an ukrainehilfe@lra-toelz.de.

Auch Stadt Bad Tölz bereitet sich auf Flüchtlinge vor

„Die Ereignisse in der Ukraine machen uns betroffen und fassungslos. Einen solchen Angriffskrieg in Europa hätte niemand für möglich gehalten“, betont Bad Tölz Bürgermeister Ingo Mehner. „Da ist es selbstverständlich, dass wir uns als Stadt nach Kräften bemühen, die Flüchtenden aufzufangen und mit dem Notwendigen zu versorgen.“

Und die Städte koordinieren die Hilfsangebote vor Ort. Bad Tölz hat in der kommunalen Sozialplanung eine Koordinationsstelle unter Tel: 08041/1297 eingerichtet. Dort werden Institutionen, engagierte Bürger und Flüchtende vernetzt. Die Stadt sucht noch nach Ukraine-Dolmetscher, die sich unter der Telefonnummer melden können.

Zunächst ist die Unterbringung der Ankommenden sicherzustellen. Die Kreisstadt hat eine Wohnung sowie Teile der städtischen Familiennotunterkunft vorbereitet.

Auch in der Tölzer Sportjugendherberge sind Plätze reserviert und ab nächster Woche kann die Turnhalle am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium Flüchtlinge aufnehmen. „Darüber hinaus sind wir jedem dankbar, der zusätzlich freie Kapazitäten dem Landratsamt meldet“, sagt Mehner.

Tölzer Hilfsangebote

Die AWO berät bei Fragen zum Aufenthaltsstatus sowie zu Deutsch- und Integrationskursen (Tel: 08041/793 1798); ebenso die Hilfe von Mensch zu Mensch (Tel: 0157/73 60 28 95). Das BRK-Mehrgenerationenhaus kümmert sich um die Begleitung von Familien und bietet Lernhilfen an (Tel: 08041/793 35 88). Das Caritas-Zentrum unterstützt psychologisch bei Kriegstraumata (Tel: 0180/655 30 00). Kontakt: ökumenische Familienberatung (Tel: 08041/7 93 16-101) und Kulturdolmetscher (Tel: 0151/22 85 85 29). Seelsorge bietet Dekan Heinrich Soffel unter Tel: 08041/761 27 333 an.dwe

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