Besorgungen nicht aufschieben

Tölzer Landkreis: Deshalb sind Weihnachtswünsche in Gefahr

Ein Kind spielt mit einer Spielzeug-Rennbahn.
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Ob die Rennbahn noch rechtzeitig kommt? Auch Spielwaren sind von Lieferengpässen betroffen. (Symboldbild)
  • Franca Winkler
    VonFranca Winkler
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Landkreis – Lieferengpässe wirken sich auch auf das Weihnachtsgeschäft im Tölzer Landkreis aus.

Wer üblicherweise bis kurz vor Weihnachten wartet, um Geschenke zu kaufen, könnte in diesem Jahr Probleme bei der Erfüllung von Wünschen bekommen. Wir haben nach der Situation im Einzelhandel gefragt.

Lieferengpässe sind bereits bei Elektronikartikeln aller Art massiv zu spüren. Nun könnte das auch zu leeren Regalen im Spielwarenbereich führen. Welche Produkte betroffen sind, erklärt Hans Frey von Spielwaren Tausend in Wolfratshausen: „Alles, wo Elektronik drin ist. Also auch kleine Feuerwehrautos, die blinken.“

Neben dem bekannten Halbleitermangel, sei die Logistik problembehaftet. Die Pandemie hat streckenweise diverse Produktionen verzögert. Da so viel aus dem Ausland komme, „ist ein regelrechter Bieterkampf um Container entstanden“, so Frey weiter.

Längere Lieferzeiten im Dezember

Das habe auch die Reihenfolge der Container-Lieferungen durcheinander gebracht. Auf die Rennbahnen, die im Februar vom Spielwarenhändler Frey bestellt wurden, warte man noch immer.

Die Preise für einen Container haben sich verzehnfacht. „Das wird im kommenden Jahr beim Einkaufen zu spüren sein. Aktuell stemmen die Hersteller die Kosten“, vermutet Frey.

Engpässe treten aber nicht nur beim Verschiffen der Ware aus dem Ausland auf, auch direkt vor Ort komme es zu Verzögerungen, weil zum Beispiel Fahrer fehlen würden, die die Ware zum Händler bringen.

Die Lieferzeit dauere normalerweise ein bis zwei Tage, im Dezember rechnet Frey mit einer Frist von einer Woche. „Zum Glück haben wir keine leeren Regale“, freut sich Frey. Gibt es allerdings einen konkreten Wunsch, rät er seinen Kunden, nicht zu lang zu warten.

Spielverhalten hat sich verändert

Laut Frey habe die Corona-Pandemie zudem das Spielverhalten verändert: „Bei Puzzles und Brettspielen gab es eine Explosion der Bestellungen weltweit.“ Die Hersteller seien mit der Produktion nicht nachgekommen.

Nicht mehr hinterher kommen die Hersteller auch bei der Produktion von Elektro-Fahrrädern. „Katastrophal“, beschreibt David Weichel, Geschäftsführer von KW-Bikes in Geretsried, die Situation.

Massiv betroffen: E-Bikes sind zum Teil erst im Herbst 2022 wieder lieferbar. (Symbolbild)

Nachbestellungen sind problematisch

Reguläre Lieferzeiten sind aktuell kaum zu halten. Die Gründe dafür sind vielschichtig, lassen sich aber bildhaft wie folgt beschreiben: Die in sich greifenden Kettenglieder von Produktion, Logistik und Versand, wurden durch die Corona-Pandemie durchbrochen und konnten bislang noch nicht wieder ordnungsgemäß aneinander gereiht werden.

Besonders betroffen ist auch der Markt mit Elektronik jeglicher Art. David Weichel von KW Bikes in Geretsried berichtet von den aktuellen Lieferzeiten: „Die Bestellungen aus März/April sind auf September 2022 verschoben.“ Normalerweise betrage die Lieferzeit sechs bis acht Monate, setzt Weichel die Problematik ins Verhältnis.

Motoren und Displays seien zum Beispiel aktuell nicht lieferbar. „Sämtliche Anbieter werden abgeklappert“, um an Ersatzteile zu kommen.

Durch die Veränderung im Markt sei auch die Gewinnspanne für den Händler geringer geworden. Alles sei teurer geworden, einige Hersteller haben bereits die Preise angezogen, so Weichel.

Er rät den Kunden, flexibel zu sein. Vielleicht tut es auch „eine andere Farbe oder eine etwas andere Ausstattung.“ Bei KW Bikes ist die Ladenfläche aktuell gut gefüllt. „Auf unseren 700 Quadratmetern Fläche haben wir viele Räder da, aber dennoch nicht die große Auswahl, die ich haben wollte“, bedauert Weichel. Seiner Vermutung nach, werde der Handel die Corona-Auswirkungen auch noch in zwei Jahren spüren.

Große Nachfrage bei Wintersport-Ausrüstung

Probleme bei Nachbestellungen sind auch bei Sport Reiser in Wolfratshausen zu spüren. Jörg Pietschmann berichtet von Liefer-Verspätungen von drei bis vier Wochen. Spontan Sonderwünsche erfüllen, die erst bestellt werden müssen, sei nicht möglich.

Auch hier setzt man auf eine flexibel eingestellte Kundschaft: „Wir haben viele Alternativen, da wir uns gut aufgestellt haben mit der Winterware“, so Pietschmann. Bereits im Januar seien Winter-Artikel bestellt worden. Zugenommen habe die Nachfrage nach Kinder Alpin Ski.

Nachdem man nicht an die Öffnung von Bergbahnen gebunden sei, ist „die Nachfrage nach Tourenski Anfang des Jahres brutal gestiegen“ und auch jetzt sei das die Wintersport-Ausrüstung der Wahl.

Sind Produkte ausverkauft, könnte es kritisch werden, ob die Geschenke noch unter dem Christbaum landen können. Wer frühzeitig bei den Händlern vor Ort vorbeischaut, kann aktuell noch eine gut sortiere Auswahl vorfinden.

„Hat das Kind einen konkreten Wunsch, sollte man nicht zu lang warten“, rät Hans Frey vom Spielwarengeschäft Tausend in Wolfratshausen. „Wer frühzeitig kommt, kann entspannt einkaufen.“

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