„Der Abfall kommt uns zu den Ohren raus“

Tölzer Landkreis: Entsorgung von Bauschutt bereitet Sorgen

WGV-Hof in Quarzbichl
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Mehr Bauschutt und Mineralwolle kam vergangenes Jahr bei der WGV in Greiling (Foto) und Quarzbichl zusammen.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Das landkreiseigene Abfallwirtschaftsunternehmen (AWU) ist in seinen Arbeitsabläufen im Corona-Jahr 2020 genauso betroffen gewesen, wie andere Unternehmen auch.

„Es machte alles ein bisschen zäher als wie gewohnt“, bilanzierte AWU-Leiter Reiner Späth in der letzten Kreistagssitzung vor der Sommerpause. Corona hatte aber nicht nur Auswirkungen auf die betrieblichen Abläufe, sondern auch generell auf das Müllaufkommen in der Region.

„Der Abfall kommt uns aus den Ohrwascheln raus“, erklärte Späth schmunzelnd. Ein Grund für das mehr an Unrat, liegt laut dem AWU-Chef am Lockdown und Homeoffice. „Dadurch haben mehr Menschen als sonst, mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht.“

Der Abfall kommt uns aus den Ohrwascheln raus

 AWU-Leiter Reiner Späth

So ist der Restabfall im Vergleich zum Vorjahr um 12,5 Prozent gestiegen. Darunter fällt jeglicher Müll den die AWO zur endgültigen Entsorgung noch behandeln muss: entweder thermisch per Müllverbrennung oder mechanisch-biologisch in der Partneranlage in Weilheim-Schongau. „Der Sprung ist für einen kleinen Landkreis wie unseren enorm“, betonte Späth.

Anstieg in allen Bereichen

Insgesamt zeigt die Müll-Bilanz einen Anstieg in allen Bereichen: So sind ausrangierte Elektronikgeräte und Grobschrott um jeweils elf und Altholz um 17 Prozent angestiegen. Eine Zunahme bemerkte Späth auch beim klassischen Sperrmüll (29 Prozent), also alles vom Teppich bis zum Polstermöbel.

Dabei habe Corona nachweisbar dazu beigetragen, erklärte er. Die Statistik erfasst die Spitze nämlich in den Monaten März, April und Mai – also während des Lockdowns. „Als die Leute plötzlich zuhause waren und nicht mehr wussten, was sie mit zu viel Freizeit anfangen sollen“, erklärte Späth. Also Zeit hatten, Speicher und Keller in Ruhe zu entrümpeln und zum Wertstoffhof zu fahren.

Einen noch „gewaltigeren Sprung“ gab es bei den thermisch-behandelbaren Abfällen aus den Bereichen Gewerbe und Bauwirtschaft, der direkt an die AWO geliefert wird. Dieser ist um 74 Prozent gestiegen. „Das ist eine erstaunliche Entwicklung.“

Kapazitäten am Markt knapp

Ebenso inerte Abfälle, also Produkte die von der AWO ohne Behandlung direkt abgelagert werden. Dazu gehören etwa Asbest (65), künstliche Mineralfaser (21) oder eben der Bauschutt (36). „Das Bauschuttthema mehrt sich, weil die Kapazitäten am Markt einfach knapp sind“, erklärte Späth.

Er sieht die Aufgabe, neue Lagerflächen zu finden bei der Bauwirtschaft und nicht bei der kommunalen Abfallwirtschaft, die dafür nicht ausgerüstet sei: „Uns fehlen dafür Flächen, Anlagentechnik und das Know-how.“

Späth befürchtet, dass sich diese Entwicklung jedoch fortsetzen werde. Ab August 2023 trete nämlich eine bundeseinheitliche Verordnung für Altlasten und Bodenschutz in Kraft. Und diese verschärfe die Grenzwerte für Bauschutt weiter, sodass die Verfüllung aus Brüchen auf den ausgebauten Deponien landen werde.

Unsachgemäße Lagerung von Bauschutt künftig eine Straftat

Späth „graust“ es davor, „im Landkreis wieder auf Deponie-Standortsuche gehen zu müssen.“ Laut Bauleitplanung kommen dafür nur Industriegebiete infrage.

„Das heikle Thema der Lagerung“, betonte auch Landrat Josef Niedermaier im Hinblick auf die neue Gesetzgebung. „Die Kosten, werden unsere Bauherren zu spüren bekommen.“

Denn eine unsachgemäße Lagerung von Bauschutt („illegale Deponie“) ist keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern wird künftig als Straftat geahndet. „Das wird gnadenlos verfolgt“, berichtete der Landrat, der die ersten solcher Fälle schon auf seinem Schreibtisch liegen hat.

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