Tölzer Stadtklinik-Chef Ramming findet keinen weiteren Belegarzt

Geburtshilfe vor dem Aus?

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Geht es nach der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz, soll es die Geburtshilfe auch weiterhin geben – doch findet sich kein zusätzlichen Belegarzt.

Bad Tölz – „I bin a Tölza Kindl“ – mit Spruch wurden Neugeborene aus der Asklepios Stadtklinik entlassen. Das könnte nächsten Jahres anders aussehen.  Die beiden verbliebenen Belegärzte können alleine das Pensum nicht mehr schaffen, die Geburtshilfe in Bad Tölz steht vor dem Aus.

Am Mittwochmorgen informierte Ramming den Beirat der Klinik, darin sitzen auch der Tölzer Bürgermeister Josef Janker und Landrat Josef Niedermaier. Danach folgten Gespräche mit den zwei angestellten Ärzten der Abteilung, drei von neun Hebammen sowie den zehn Pflegekräften. Am Nachmittag schilderte Ramming dann gegenüber der Presse die Situation der Geburtshilfe an der Tölzer Stadtklinik. Bis Mitte 2017 werde man den Betrieb in voller Qualität garantieren. Bis dahin werde man weiter alles tun, um doch noch einen Belegarzt zu finden. Gleichzeitig beschrieb Ramming den Aufwand, der bei der Suche nach einem Nachfolger für den überraschend verstorbenen Beleg-Gynäkologen Dr. Bernhard Schwaiger im Jahr 2015 betrieben wurde. Bundesweit wurde die Stelle ausgeschrieben, sogar die Zulassung für eine ebenfalls anvisierte vierte Belegarzt-Stelle über eine „Sonderbedarfsbeschreibung“ auf den Weg gebracht. Doch selbst die Offerte für interessierte Ärzte, dass Asklepios die hohen Haftpflichtversicherungsbeträge übernehmen würde – pro Belegarzt werden da rund 50.000 Euro jährlich fällig – brachte keinen Erfolg. Ein einziger Arzt hat Interesse bekundet. „Er war aus Hamburg und Mitte 60, wollte hier seine letzten Berufsjahre verbringen“, so Ramming, und weiter: „Das war keine nachhaltige Lösung.“

„Wir haben uns mit unseren beiden Belegärzten einvernehmlich darauf verständigt, den Betrieb der Geburtshilfe-Abteilung noch bis Mitte des nächsten Jahres fortzuführen“, sagte Klinik- Chef Joachim Ramming im Pressegespräch. Den Belegärzten werde damit die Möglichkeit gegeben, die von ihnen betreuten Schwangeren noch wie geplant bis zur Geburt begleiten zu können. Wie es danach weitergeht, weiß Ranning noch nicht. Sicher ist: „Wir wollen weiterhin nichts unversucht lassen, um die Geburtenhilfe in der Stadtklinik zu erhalten“, betonte Ramming weiter. Und er konkretisierte: „Gynakologische OPs finden selbstverständlich weiter statt, haben mit der Zukunft der Geburtshilfe nichts zu tun.“ Der Klinik-Chef beschrieb weiter die Rahmenbedingungen zur aktuellen Situation: „Mit 500 Geburten pro Jahr sind wir nicht an der Untergrenze, aber zwei Belegärzte können den Dienst bei allem persönlichen Einsatz nicht alleine stemmen und dauerhaft leisten.“ Denn die Belegärzte würden die 24-Stunden-Bereitschaft bislang über ihr Engagement in ihren eigenen Praxen hinaus schultern. Bei der Suche nach Belegärzten habe Asklepios sogar zwei sogenannte Headhunter angesetzt, doch auch hier ohne Erfolg. Ramming hat zudem Kooperationen mit anderen Kliniken erwogen, auch mit der Kreisklinik Wolfratshausen. Doch ist die Situation dort mit ebenfalls nur zwei Belegärzten nicht entspannter. Und: „Die Ärzte würden es nicht – wie vorgeschrieben – innerhalb von zehn Minuten nach Bad Tölz schaffen“, erklärte der Klinik-Geschäftsführer. Er macht Gesetzesänderung im Gesundheitswesen für die drastische Situation mit verantwortlich. „In Deutschland sind 80 Chefarztpositionen im Bereich der Geburtshilfe nicht besetzt, hier herrscht ein hoher Nachwuchsmangel.“ Die Haftversicherungsprämien von 50.000 Euro im Jahr pro Belegarzt seien eine zu große wirtschaftliche Belastung, mutmaßt er. Schon deshalb würde Asklepios einem interessierten Arzt diese Prämie abnehmen, „wir wollen die Flinte dennoch nicht ins Korn werfen“.

tka/dwe

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