Standort: General-Patton-Straße

Tölzer Stadträte bestimmen mit 14 zu neun Stimmen den Platz fürs neue Pflegeheim

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Der Moment der Abstimmung: 14 Stadträte einschließlich Bürgermeister (nicht alle im Bild) stimmten für den neuen Pflegeheim-Standort General-Patton-Straße, neun wollten es lieber an der Arzbacher Straße haben.

Bad Tölz – Der Senior des Gremiums, CSU-Stadtrat Toni Heufelder, versuchte es mit Sarkasmus. Doch auch der half nichts: die Mehrheit (14) der bei der Sitzung am Dienstag anwesenden Stadträte plädierte für den Standort General-Patton-Straße, an dem das neue Pflegeheim der Stadt gebaut werden soll.

Zuvor hatte der Mitsechziger Toni Heufelder noch mit Blick auf sein Alter gemeint: „Ich hatte mich schon so auf das Josefistift gefreut, dann halt die Arzbacher Straße.“ Das wäre der Alternativstandort gewesen, doch für den votierten „nur“ neun Stadträte quer durch die Fraktionen. Freuen konnte sich über die nach knapp einer Stunde Beratungszeit getroffene Entscheidung einer der zahlreichen Zuhörer im Rathaus-Sitzungssaal. Hobby-Golfer Heinz Krug meinte: „Ich wäre für die Flinthöhe gewesen, denn das ist näher am Golfplatz.“

Diese beiden Zitate zeigen schon, dass es bei der Standortentscheidung weniger um Argumente ging als um Gefühle, wobei Wissenschaftler längst erforscht haben, dass bei vermeintlich objektiven menschlichen Entscheidungen immer auch das Gefühl mitschwingt – ob nun im Bauch oder im Gehirn.

Seit über einem Jahr hatte sich der Stadtrat mit der Frage zu befassen, wie die Zukunft des an der Bahnhofstraße situierten Alten- und Pflegeheims Josefistifts aussieht. Die Aufsichtsbehörde fordert nämlich einen Umbau der bisherigen Zimmer mit Etagentoiletten, außerdem zeigte sich bei Besichtigungen, dass es sich längst nicht mehr um ein Alten-, sondern in erster Linie um ein Pflegeheim handelt, deren Bewohner kaum mehr Spaziergänge in der Umgebung machen können. Deshalb schien auch ein Standort in Innenstadtnähe nicht mehr so wichtig, letztlich schälten sich sieben Möglichkeiten heraus, vom Stadtwald am Friedhof bis zur Karwendelsiedlung. Nachdem man einen Umbau während des laufenden Betriebs am bisherigen Standort verworfen hatte, stand seit einem Monat fest, dass man zwischen den beiden städtischen Grundstücken an der Arzbacher Straße und an der General-Patton-Straße (Nähe Hauptkreuzung) zu entscheiden hatte. Beide schienen mehr oder weniger gleich gut geeignet, mit leichten Vorteilen für die Flinthöhe, nachdem man sich im Badeteil die Chance auf eine Hotelansiedlung im Sinn des Wortes verbauen würde. Daran erinnerte denn auch Bürgermeister Josef Janker (CSU) in seinem abschließenden Plädoyer vor der Abstimmung, als er an die vor einem Jahr vorgestellte Treugast-Studie erwähnte und meinte: „Habt ihr das schon wieder vergessen?“

Zuvor hatten die Sprecher aller Fraktionen und die meisten Stadträte dargestellt, warum sie wie abstimmen, wobei - anders als bei den Grünen – bei der ebenfalls dreiköpfigen SPD keine Übereinstimmung herrschte. Alle brachten mehr oder minder überzeugende Argumente für den einen der anderen Standort vor, wobei Michael Lindmair für die Freien Wähler das künftige Heim auf der Flinthöhe auch noch durch ein Café, einen Blumenladen und einen Kiosk ergänzt sehen möchte. Bürgermeisterkandidat Ingo Mehner (CSU) sprach dagegen von einem Fremdkörper am Standort General-Patton-Straße und meinte, man vergebe sich dort die Möglichkeit für eine weitere Wohnbebauung. Sein Grünes Pendant Franz Mayer hielt dagegen, man habe am Standort Arzbacher Straße kein Erweiterungspotenzial, falls das in der Zukunft nötig werden sollte, während Margot Kirste (FWG), die sich seit Jahren für das soziale Leben im Lettenholz einsetzt, von einem positiven Signale für den östlichen Stadtteil sprach. 3. Bürgermeister Christof Botzenhart stellte die Objektivität der Personalentscheidung für die Flinthöhe in Frage, in dem er sagte: „Das wurde schöngeredet.“ Das wollte der Bürgermeister so nicht stehen lassen und meinte, man könne die Bedeutung des Pflegepersonals nicht nur „in Sonntagsreden loben“ und dann anders abstimmen. Anschließend ließ er namentlich abstimmen, wobei Josef und Ludwig Janker, Ludwig und Karsten Bauer, Josef Steigenberger (alle CSU), Michael Lindmair, Margot Kirste, Martin Harrer, Peter von der Wippel, Ulrike Bomhard (alle FWG), Franz Mayer, Peter Priller, Andrea Grundhuber (alle Grüne) und Jürgen Renner (SPD) für die General-Pattton-Straße stimmten. Für den Standort Arzbacher Straße votierten (vergeblich): Andreas Wiedemann, Florian Rein (FWG), Christof Botzenhart, Ingo Mehner, René Mühlberger, Anton Mayer, Toni Heufelder (alle CSU), Willi Streicher und Camilla Plöckl (beide SPD). Die beiden Stadträte Richard Hoch (Grüne) und Peter Wiedemann (FWG) fehlten entschuldigt bei der Sitzung. bo

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