Spendierhosen im Stadtrat

Erhöhung des Zuschusses für Tölzer Musikschule liegt bei 140.000 Euro

Die Tölzer Sing und Musikschule
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Die Tölzer Sing und Musikschule: hier eine Szene vom Orff`schen Krippenspiel im Jahr 2018 - erhält künftig deutlich mehr Geld.
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
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Bad Tölz – Wenn es sonst um Zuschüsse geht, wird meist um hundert oder tausend Euro gefeilscht, als jetzt im Stadtrat ein Antrag der Tölzer Sing- und Musikschule zu beraten war, hatten die Stadträte eher die Spendierhosen an.

Das hatte jedoch einen guten Grund, wie Kämmerer Hermann Forster eingangs der Beratung im Gremium erläuterte.

In Bayern gibt es eine Anzahl von kommunalen Musikschulen als Bildungseinrichtung der Kommune. In Tölz ist das anders, hier ist die Sing- und Musikschule als eingetragener Verein organisiert und damit rechtlich, organisatorisch und finanziell eigenständig. „Unsere Musikschule übernimmt für uns eine große Aufgabe und handelt ohne Zutun der Stadt, dafür sind wir sehr denkbar.“

Weil aber die kommunalen Musikschulen Gehälter nach Tarif zahlen (müssen), in Tölz aber bis zu 40 Prozent weniger zu verdienen ist, besteht immer die Gefahr, dass die Lehrer Abwanderungstendenzen haben. Deshalb hatte die Leitung nun einen Antrag gestellt, die Städtische Zuwendung von 220.000 Euro im Jahr um 140.000 Euro auf 360.000 Euro zu erhöhen, zumal die hiesigen freiberuflichen Lehrkräfte wegen der Corona-Pandemie kaum noch Verdienstmöglichkeiten haben. Die Erhöhung des Zuschusses um diesen hohen Betrag hätte auch, so Forster, den Vorteil, dass der Staatliche Zuschuss entsprechend steigen würde. Damit wird zwar bei den Personalkosten (künftig 875.000 Euro statt bisher 700.000 Euro) der öffentliche Tarifvertrag (1.030 Millionen Euro) immer noch nicht erreicht, aber die Abwanderungstendenzen würden gestoppt. Nichtsdestotrotz müssen auch die Eltern einen hohen Obolus für die Musikerziehung ihrer Kinder bezahlen.

Wie Forster ausführte, gebe es angesichts der Tatsache, dass die Tölzer Musikschul-Gehälter auch nach der Erhöhung immer noch am unteren Ende der umliegenden Musikschulen liegen, wenig Argumente, dem Antrag nicht zu entsprechen. Die Zuwendungen sollen zudem die nächsten fünf Jahre „dynamisiert“ werden, schließlich steigen auch die Gehälter im öffentlichen Dienst in jedem Jahr.

Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) merkte an, dass in dem Fall „zwei Herzen in seiner Brust“ schlagen würden, angesichts der Coronakrise sei mit deutlich weniger lokalen Steuereinnahmen zu rechnen, aber die Musikschule sei natürlich förderwürdig und ein Aushängeschild der Stadt. Ohne weitere Wortmeldungen wurde dem Zuschussantrag einstimmig entsprochen. Karl Bock

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