Tölzerin Claudia Herrmann veröffentlicht humoristischen Roman für alle Eltern pubertierender Kinder

Mama, chill mal!

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Die Tölzerin Claudia Herrmann veröffentlichte ihren ersten Roman „Voll ungechillt!“ Ein humoristsiches Buch über den Alltag mit zwei vollpubertierenden Teenagern, die alle in den Wahnsinn treiben.

Bad Tölz – Vielleicht war es ja therapeutisches Schreiben als Claudia Herrmann begann die Erlebnisse mit ihren zwei "Pubertieren" niederzuschreiben. Gut beraten war sie aber, dass sie das Manuskript an den Rowohlt-Verlag schickte, denn der legte es kurzerhand als Buch auf.

Das eigensinnige und sprunghafte Verhalten ihrer zwei derzeit voll pubertierenden Kinder, die sie regelmäßig jeden Tag in den Wahnsinn treiben, veranlasste die 35-jährige Tölzerin Claudia Herrmann sich abends nach dem gemeinsamen Abendessen immer an ihren Laptop zu setzen und sich die kuriosen Ereignisse des Tages von der Seele zu schreiben. Ermutigt von ihrem Mann, schickte sie das Manuskript, dass innerhalb von nur drei Monaten entstand, an den Rohwolt-Verlag. Und dieser war von dem humorvoll niedergeschriebenen Alltagswahnsinn der zwei pubertierenden Teenager so begeistert, dass es Herrmanns Erstlingswerk „Voll ungechillt!“ nun seit gestern zu kaufen gibt.

Ab der ersten Seite findet sich der Leser im vollpubertierenden Alltagswahnsinn von Frau Denk alias „Das Mutterschiff“ wieder, die ihre eigenen Kinder, die 16-jährige Hanna alias „Das Muhz“ und den 14-jährigen Maxi alias „Das Maxi-Tier“ nicht mehr wiedererkennt. Denn dank der Hormone scheinen sich „ihre Gehirne rasant zurückzuentwickeln“ und teilweise zum Aussetzen verdammt zu sein. Aber noch schlimmer: „Das Mutterschiff“ muss erkennen, dass jegliche Aktivitäten mit ihr zusammen für ihre Jungtiere Höchststrafe sind, denn „Das Muhz“ und „Das Maxi-Tier“ stufen sie „als extrem ungechillt ein“ – fast schon als irgendwie peinlich. Derweil will „Das Mutterschiff“ nur das Beste für ihre beiden Jungtiere, deren Zimmer sie auf einmal nicht mehr betreten darf, um klammheimlich aufzuräumen. Und nicht nur das: Kommuniziert wird überwiegend über Emails. Diese erreichen „Das Mutterschiff“ teilweise im Minutentakt an ihrem Arbeitsplatz. Und in denen finden sich meist wahnwitzige Wünsche ihrer Jungtiere wie eine PS 3, Schneeschuhe oder ein Glätteeisen. Diese Mails sind stets mit einem passenden Link versehen, damit „Das Mutterschiff“ die Sachen so schnell wie möglich bestellen kann – am besten noch am selben Tag, zumindest wenn es nach dem „Muhz“ und dem „Maxi-Tier“ geht. Aber auch typische Teeanger-Spleens wie etwa die Erlaubnis für „ein winziges kleines Tattoo auf dem Fußrücken, wo es eh keiner sieht“ oder „einem Piercing durch die Nasenscheidewand“ gehen beim „Mutterschiff“ per Mail ein. So liefert ihr ihre Tochter auch gleich zwei unschlagbare Argumente, warum ein Tattoo auf jeden Fall als sinnvoll zu erachten sei: „Zum einen bin ich schon 16 und halte mich durchaus für erwachsen genug, zum anderen ist es auch wirklich ein hamma Spruch, liebstes Mutterschiff auf der Welt!“ Doch die „hamma Wahnsinnsweisheit“ – „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“ – führt zunächst zu einem Wutanfall des „Mutterschiffes“, der am Ende aber doch in einem Lachanfall endet – angesichts der „Tütenweisheit“, die sich „Das Muhz“ als ihre persönliche absolute Erkenntnis „aus tiefster Überzeugung“ stechen lassen möchte. Einen wichtigen Ruhepunkt in diesem Email-Wahnsinn bildet hier für „Das Mutterschiff“ ihr Mann. Dieser kann zwar oft nur noch den Kopf über das Verhalten seiner beiden „Pubertiere“ schütteln, schafft es aber stets seine Frau zu erden und ihr seine Bewunderung gegenüber ihrem pädagogischen Durchhaltevermögen auszusprechen. Eine Ruheoase, die „Das Mutterschiff“ definitiv zum Auftanken ihrer Erziehungs- und Verständnisakkus braucht.

Die Email-Begehren der Jungtiere, die sich in dem Roman finden, sind tatsächlich alltägliche Realität für Claudia Herrmann, wie die Tölzer Autorin lachend gestehen muss. Und genau diese Emails haben ihr auch den Anlass dazu gegeben, den Familienwahnsinn – ausgelöst durch ihre zwei pubertierenden Teenager – einmal schriftlich festzuhalten. Entstanden ist dabei „ein kleiner humoristischer Roman über Kinder in der Pubertät, die ihre Eltern durchaus immer wieder an den Rand der Verzweiflung bringen“, betont Herrmann. Mit viel Wortwitz erzählt die Erstlingsautorin aus der Sicht des „Mutterschiffes“ so etwa über den Haarkult ihres Sohnes, die spontane Bekehrung ihrer Tochter zur Vegetarierin, die Gefahr, die Versetzung in die nächste Jahrgangsstufe nicht zu schaffen oder die erste große Teenie-Liebe. Stets inspiriert durch ihre eigenen beiden Kinder und deren akut pubertierende Gehirnwindungen. Dennoch sei es kein autobiographisches Werk, so Herrmann. Viele Teenie-Extreme, die sie in ihrem Roman auf das höchste zuspitzt, seien künstlerisch aus ihr herausgebrochen. Anlehnungen an das pubertäre Verhalten bestünden aber durchaus, schon allein daran erkennbar, dass ihr Sohn absolut keinen Bock habe, dass Buch der „uncoolen“ Mama zu lesen: „Zu viel Aufwand.“ Und auch irgendwie voll ungechillt.

Dennoch verliert „Frau Denk“ nie die Hoffnung, dass es bei ihren kleinen pubertierenden Monstern doch noch irgendwann „Klick macht“ und sie wieder zu den lieben Kindern werden, die sie mal vor der Pubertät waren. „Die, die sich einst gefreut haben, wenn ich etwas mit ihnen unternommen habe und mich dafür toll fanden.“ So schöpft sie beispielsweise Hoffnung, als „Das Maxi-Tier“ ihr tatsächlich hilft, die Einkäufe reinzutragen: „Doch während ich alle Einkäufe verstaue, schaue ich nach rechts und sehe folgende Situation: Maxi stellt alle eingekauften Eistees (die er sehr mag) vor sich auf und holt einen Edding-Stift. Dann schraubt er überall die Deckel ab, leckt einmal um den Verschluss herum und schraubt sie anschließend wieder zu. Daraufhin schreibt er auf alle Eistee-Tetrapaks fett mit Edding: ,Abgeleckt!‘ Ich frage ihn verständnislos: ,Warum tust du das?‘ Er schüttelt lächelnd den Kopf und sagt gutmütig zu mir: ,Na, damit Hannah die nicht trinkt.‘“ Damit war der kurze Hoffnungsschimmer für die Mutter schnell erloschen – die Pubertät hat erneut gesiegt. Und der Hormon-Wahnsinn nimmt erneut an Fahrt auf.

Claudia Herrmanns Roman bildet entgegen des Titels ein „voll gechilltes“ Buch für Eltern und alle, die einmal in der dunklen Vorzeit auch in der Pubertät waren. Denn oft erwischt man sich doch bei dem Gedanken: „Oh Gott, ja genau, das haben wir im pickeligen Hormonalter auch verbrochen.“ Eine Erkenntnis, die ab den ersten Zeilen garantiert zu zahlreichen Lachanfällen führt. Und wenn der eigene Sohn das Erstlingswerk der Mutter nicht lesen will, weil das eben „voll ungechillt“ ist, darf man gespannt darauf sein, ab wann es den Roman dann auch als Hörbuch gibt, dann ganz „chillig“ als Podcast zum Downloaden.   Julia Nadler

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