Tölzerinnen nähen "Mundschutz" / Bürgermeister Janker holt Stoff ab

„Viereck mit drei Falten“

In der Tölzer Tourist Information wurde der ans Landratsamt gelieferte Stoff für die Stadt Bad Tölz zugeschnitten - sodann konnte die Produktion der Selfmade-Masken anlaufen.

In Deutschland wird eine allgemeine Maskenpflicht in Deutschland zwar noch kritisch betrachtet. Doch unumstritten ist, dass der Mund- und Nasenschutz zumindest eine gewisse Sicherheit bietet. Nun haben Tölzerinnen begonnen, das „Viereck mit drei Falten“ zu nähen.

Die allgemeine Maskenpflicht ist in Bayern noch nicht erlassen worden, allein schon, weil der Markt der Schutzmasken derzeit leer gefegt ist und selbst Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser kaum an Nachschub kommen. Ziel der Staatsregierung ist es, eine Notfallwirtschaft aufzubauen und selbst Produktionsstätten im Land zu etablieren. Zusätzlich rief Wirtschaftsminister Aiwanger zum Selbstnähen von Masken auf. Der dazu notwendige Stoff wurde nun ans Landratsamt geliefert und an die Kommunen verteilt. Der Tölzer Bürgermeister Josef Janker fuhr am Dienstag vor der Sitzung des Stadtrates selbst auf die Flinthöhe, um die 130 Meter Vliesstoff abzuholen und die Verteilung an die freiwilligen Näherinnen in Bad Tölz zu organisieren. Unterstützt wurde er dabei von den Mitarbeitern des städtischen Referats für Stadtmarketing, Tourismus- und Wirtschaftsförderung. 

In den Räumen der Tourist-Information am Max-Höfler-Platz schnitten die Damen den weißen Spezialstoff dem Schnittmuster entsprechend zu und sorgten ihrerseits für die Weitergabe der rund 440 Rohlinge an Andrea Raible. 150 weitere liegen schon parat. Die Tölzerin hat mit einer Arbeitskollegin und drei Nachbarinnen einen Kreis an Freiwilligen ins Leben gerufen, der nach den offiziellen Vorgaben die Masken näht: „Das ist recht einfach, ein Viereck mit drei Falten, vier Bändel dran, fertig“, lacht die Diplom-Kauffrau. „Wenn wir weiteren Stoff bekommen, haben wir über die Plattform Unser Tölz schon einen großen Pool an Personen, die ebenfalls noch ins Nähen einsteigen könnten“. Wer Interesse hat, die Aktion zu unterstützen, meldet sich bitte online bei https://unser-toelz.de 

Josef Janker ist die praktische Hilfe in der Zeit der Pandemie eine Herzensangelegenheit: „Viele von uns sitzen zu Hause und fühlen sich angesichts der dynamischen Entwicklung dieser Krise machtlos. Andererseits haben wir in Tölz so viele Menschen mit besonderen Talenten, die sie gerne zur Hilfe der Gesellschaft einsetzen möchten. Meine Aufgabe sehe ich darin, Projekte anzustoßen, die eine wirkliche Hilfe vor Ort bedeuten. Das ist mit den Masken so und war auch schon beim Einkaufsservice für Senioren so. Nur gemeinsam können wir die Krise überstehen.“ Corona Maßnahmen „Viereck mit drei Falten“ – Tölzer nähen Masken Die Stoffmasken sind gedacht für Mitarbeiter der Verwaltung, des Betriebshofes, der Stadt-werke, des Josefistifts und der Feuerwehr. Der „Mundschutz“, wie das Tuch landläufig genannt wird, hat zwar keine Filterfunktion und somit keine Schutzwirkung vor Viren, wie zertifizierte Filtermasken der Stufen FFP2 oder FFP3 (FFP steht für Filtering Face Piece). Trotz-dem sieht das Robert-Koch-Institut das Tragen von einfachen Mund-Nase-Schutz als sinnvoll an. Wer hustet und schnupft, halte somit Tröpfen und Sekret zurück und schütze die umstehenden Menschen. Gleichzeitig warnt die WHO davor, sich durch das Tragen eines einfachen Tuches vor dem Mund zu sicher zu fühlen; Viren könnten trotzdem übertragen werden, eine Ansteckung mit COVID 19 ist also immer noch möglich. Auch wer eine Stoffmaske trägt, sollte deshalb weiterhin ausreichend Abstand zu seinen Mitmenschen halten und häufig Hände waschen. tka

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