70.000 Übernachtungen weniger

Tourismus-Einbußen im ersten Halbjahr: Kurausschuss setzt auf Sommerurlaub

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Der Tourismus im Tölzer Land leidet unter der Corona-Krise: Ob heuer die traditionelle Leonhardifahrt und der Christkindlmarkt auf der Marktstraße stattfindet, bleibt mehr als fraglich.

Bad Tölz – Als „Verkünderin von Katastrophen“ verstand sich Kur- und Tourismusdirektorin Brita Hohenreiter jüngst im Kurausschuss des Tölzer Stadtrates, als sie die touristischen Zahlen von Januar bis April vorlegte – einen deutlichen Rückgang zeigt die Statistik auf. Nun soll die Kampagne „Aufatmen in Bad Tölz“ soll helfen.

„Bis Ende Mai sind allein in Bad Tölz 70.000 Übernachtungen weggefallen. Das aufzuholen, wird nicht gelingen. Trotzdem zielen alle Aktivitäten darauf ab, den Tourismus, der für den Gesamtwirtschaftskreislauf der Stadt enorme Bedeutung hat, wieder anzukurbeln“, sagte sie von den alten und neuen Stadträten. Vor allem für Letztere sei es gut, so Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) eingangs, „dass heute keine Beschlüsse gefasst werden müssen.“ Zunächst gehe es um einen Überblick und die Möglichkeit, sich in die Thematik einzuarbeiten.

Übernachtungszahlen nicht mehr aufzuholen

Hohenreiter weiter: „Wir hoffen auf eine gute Sommersaison und darauf, dass ein schöner Herbst eine zusätzliche Verlängerung der Saison mit sich bringt. Das Oberland und speziell Bad Tölz hat das große Plus gegenüber vielen anderen Destinationen, dass die Besucher die Lage der Stadt zu schätzen wissen.“ Telefonate mit den Gastgebern hätten gezeigt, dass die Buchungen langsam wieder anlaufen: „Diese Entwicklung gilt es zu stärken.“

Hohenreiter ließ aber keinen Zweifel daran, dass man die verlorenen Übernachtungen nicht mehr werde aufholen können. „Da fehlen uns ganz einfach die Betten-Kapazitäten.“ Allein im April ging die Übernachtungszahl um 94 Prozent zurück, der Rest (sechs Prozent) waren Geschäftsreisende und Monteure.

Tourismus-Kampagne soll Urlauber locken

Als Sonder-Aktion zur Verbesserung der Lage hat die Abteilung für Stadtmarketing die Kampagne „Aufatmen in Bad Tölz“ entwickelt. Das Ziel ist, den Ort von der erwartungsgemäß großen Inlandsnachfrage bei Urlaubsreisen profitieren zu lassen. Wie Gabi Peters unter Verwendung zahlreicher englischer Fachausdrücke erläuterte, bestehe der Marketing-Mix unter anderem aus einem Postkarten-Mailing an 10.500 Haushalte, einer spezielle Landingpage mit Pauschalangeboten auf der Homepage des Tourismus-Referates, attraktiven Stornobedingungen sowie einem Ratenzahlungsmodell, Google- und Social Media-Ad-Schaltungen, TV-Spots und online-Werbung. Die Kampagne ist ganz aktuell in der Woche vor Pfingsten angelaufen.

Stadträtin Filiz Cetin (SPD), als bekennende Schwäbin auf Sparsamkeit getrimmt, warnte vor dem Angebot, Pauschalreisen per Ratenzahlung anzubieten. Sie befürchtete Einnahmeausfälle. Brita Hohenreiter erklärte, man verstehe das vor allem als Marketing-Maßnahme, da man für die erwünschten Veröffentlichungen in der überörtlichen Presse immer wieder neues „Futter“ bieten müsse.

Da Veranstaltungen unter gewissen Bedingungen ab dem 15. Juni wieder erlaubt sind, erarbeite man ein Konzept für die Reihe „Die Stadt mit der besonderen Note“, so die Stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier. Angedacht ist ein Zusammenspiel an Freiluft- und den klassischen „Indoor-Veranstaltungen“, die in bewährter Zusammenarbeit mit der Musikschule Bad Tölz vorbereitet werden. Problematisch ist das Auftreten größerer Ensembles. So verwies Vize-Bürgermeister und Trompeter Michael Lindmair (FWG) darauf, dass die Stadtkapelle 56 Musiker zähle, Konzerte derzeit aber auf 50 Personen beschränkt seien. „Da können dann nicht einmal alle spielen, geschweige den Zuhörer kommen,“ meinte er.

Christkindlmarkt und Leonhardifahrt ungewiss

Auf den Herbst verschoben werden mussten sowohl die vegane Auszeit „Tölzer Veg“ als auch das Thomas-Mann-Festival. „Für beides stehen die Vorzeichen sehr gut, wir gehen davon aus, dass wir hier ein attraktives Programm bieten können“, stellt Frey-Allgaier in Aussicht. Dafür erhielt sie und ihre Kollegin Peters Lob vom Dritten Bürgermeister Christof Botzenhart, der sich bekanntlich schon seit längerem für Thomas Mann Festival im besonderen einsetzt. Nachdem Großveranstaltungen bis 31. August verboten sind, werde man mit besonderem Augenmerk auf die den folgenden Regelungen achten müssen. Frey-Allgaier: „Über die Durchführung der Leonhardifahrt und des Tölzer Christkindlmarktes kann zum derzeitigen Zeitpunkt noch nichts entschieden werden." bo

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