Eine Lange Tradition lebt

Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn feiert 70 jähriges Bestehen

1. Mai-Tanz: Einer der vielen Auftritte der Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn
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1. Mai-Tanz: Einer der vielen Auftritte der Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn.

Geretsried – Im November 1950 gegründet hat die Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn Geretsried mit etwa 180 Mitgliedern eine lange Geschichte. Heute blicken sie auf 70 Jahre Tradition zurück.

Gegen Kriegsende flohen etwa 300 Familien aus den deutschen Siedlungen in Ungarn, über München nach Beuerberg und später dann Geretsried. Dort gab es nämlich viel Arbeit. Und so begann die vertriebenen Deutschen mit dem Aufbau ihrer durch den Krieg zerstörten neuen Heimat.

Es war ein großer Vorteil, dass die geflüchteten und heimatvertriebenen Pusztavámer in Geretsried und den umliegenden Orten lebten. Die Menschen kannten sich, sie prägten ihre Umgebung durch ihre Aufbauarbeit in Nachbarschaftshilfe und schufen sich eine neue Heimat. Die Siedlung wurde später Dr.-Jakob-Bleyer-Siedlung, benannt nach dem Literaturwissenschaftler Jakob Bleyer, der von 1919 bis 1920 in Ungarn das Ministerium für nationale Minderheiten innehatte.

Aufbau des Vereins

Noch inmitten der Aufbau- und Aufräumungsarbeiten fand sich am 25. November 1950 Jung und Alt im früheren Gasthaus Tschannerl, später zum ersten Kathrein­tanz zusammen. Der Überschuss aus den finanziellen Einnahmen des Balls bildete das Fundament für den Verein, der am 2. Dezember 1950 bei der Gründungsversammlung im Gasthof Geiger aus der Taufe gehoben wurde. Franz Stammler wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Dass das „Pusztavámer Element“ im Vordergrund stand, liegt wohl im Sinn der Sache und so übernahm man auch die Tracht aus diesem Ort.

Der Spruch „Deiner Sprache deiner Sitte, deinem Volke bleibe treu“ wurde von Bleyer geprägt und ziert bis heute als Leitmotiv der Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn die Fahne. In der Anfangszeit stand die Eingliederung der Landsleute im Vordergrund, aber nach und nach ist das kulturelle Leben immer mehr in Vordergrund getreten. Neben der Tanzgruppe entstand auch eine Blaskapelle, eine Singgruppe und auch eine Männergesangsgruppe. Beherzte Mitglieder stellten anfänglich für Proben ihre Privaträume zur Verfügung. Von 1959 bis 2019 konnten alle Tanzproben und Vorstandssitzungen in der Heimatstube bei Familie Netzkar abgehalten werden, die auch die vielen Trachten aufbewahrten und pflegten.

Die Trachtengruppe hat immer mehr auf sich aufmerksam gemacht. Der Kathreintanz, so wie der Traubenball – einem ungarischen Erntedankfest – haben jährlich stattgefunden. Die Teilnahme am Schwabenball München und die Maibaumaufstellung gehörten zu dem jährlichen Feste des Vereins. Seit mehr als 32 Jahren ist auch das „Siedlungsfest“, Geretsrieder Stadtteilfest vom Geretsrieder Kulturleben nicht mehr wegzudenken.

Eine Vereinsfahne zum 10-jährigen Jubiläum

Zum 10-jährigen Gründungsfest wurde beschlossen eine Fahne anzuschaffen. Der beispiellosen Spendenbereitschaft der Landsleute war es zu verdanken, dass dies auch klappte. In einem Festakt im August 1960 wurde die Fahne geweiht. In Rahmen der 20-Jahrfeier und als Anerkennung für die geleistete Arbeit für die Deutschen aus Ungarn wurde zu Ehren von Dr. Jakob Bleyer ein Gedenkstein eingeweiht.

Verbindung zur alten Heimat in Ungarn

Ende der 1970er-Jahre wurden die Grenzen zu Ungarn immer mehr gelockert und die Kontakte zu alten Heimat intensiviert. Das hat die Trachtengruppe genutzt und 1982 zum ersten Mal eine Tanz und Singgruppe nach Geretsried eingeladen. Der Gegenbesuch nach Pusztavam erfolgte zwei Jahre danach.

Dank der engen Verbindung und mühevoller Hintergrundarbeit der Vorstandschaft mit Andreas Netzkar wurde 1990, zum 40-Jährigen Jubiläum, der Freundschaftsvertrag zwischen Geretsried, Nickelsdorf (Österreich) und Pusztavám unterschrieben. Für so viel Engagement im Ehrenamt wurde Andreas Netzkar 1995 das Bundesverdienstkreuz verliehen. fra

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