Genussvolle Biodiversität

Umweltpreis des Landkreises geht an die Obstpresser

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Die Vertreter der Gartenbauvereine mit Saftpressen wurden mit dem Umweltpreis des Landkreises ausgezeichnet.

Bad Tölz/Landkreis – Apfelbäume bieten im Frühjahr den Bienen eine reiche Nahrungsquelle. Auch die reifen und herabgefallen Früchte stehen auf dem Speiseplan vieler Insekten. Und durch ihren unermüdlichen Einsatz, so sieht es der Kreistag, tragen die Gartenbauvereine mit ihren Obstpressen jedes Jahr aufs Neue zum Erhalt alter Obstbäume in der Region bei und dadurch auch zur Biodiversität. Aus diesem Grund ging der Umweltpreis 2019 des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen an die Gartenbauvereine mit Saftpressen.

Konkret wurden am vergangenen Mittwoch bei der Preisverleihung im Landratsamt ausgezeichnet der Garten- und Verschönerungsverein Beuerberg-Herrnhausen, der Obst- und Gartenbauverein Königsdorf, der Garten- und Verschönerungsverein Benediktbeuern, der Gartenbauverein Egling sowie der Verein für Gartenbau und Obstpflege Eurasburg. Aktuell laufen die Obstpressen im Landkreis noch. Doch dieses Jahr haben die meist ehrenamtlichen Helfer der Gartenbauvereine im Landkreis, die eine Obstpresse betreiben, weniger zu tun, als im ertragreichen vergangenen Jahr. Der Jahrhundertsommer 2018 bescherte eine überwältigende Apfelernte. Im Landkreis betrieben fünf der zwanzig Gartenbauvereine Obstpressen. Die ehrenamtlichen Mitglieder und Helfer legten im vergangenen Jahr Sonderschichten ein, um all das Obst zu pressen, das zu ihnen gebracht wurde. Ein Apfelbaum der Früchte trägt aus denen nicht nur leckere Kuchen, Strudel, Kompott oder Gelee gemacht werden, sondern der in Form von direkt gepresstem Saft (ohne Zuckerzusatz und Konservierungsstoffe) lange Zeit Freude und Genuss bereitet, wird geschätzt und gepflegt und dadurch erhalten. Es entsteht ein regionales Produkt, ohne große Transportwege. Es fördert den Bezug zum Kreislauf der Natur. So erklärte sich die Vergabe des Umweltpreises an die Gartenbauvereine in diesem Jahr. 

Gartenbauvereine ein gesellschaftliches Vorbild

Landrat Josef Niedermaier begrüßte die rund 100 Gäste, darunter die Bürgermeister der ausgezeichneten Gemeinden und weitere Honoratioren. „Alles, was in Sachen Umwelt bei uns Rang und Namen hat, ist heute hier vertreten“, freute er sich und Niedermaier und zeigte sich stolz darüber, dass der Umweltpreis des Landkreises bereits seit 1993 im zweijährigen Turnus vergeben wird. Mit dem Preis würden vorbildliche Initiativen auf dem Gebiet des Umwelt- und Naturschutzes sowie der Erhaltung unseres Lebensraumes gewürdigt.

Den Festvortrag hielt Eva Bichler-Öttl, Landschaftsarchitektin und Projektverantwortliche für das Biodiversitätsprojekt „Alte Obstsorten in den oberbayerischen Voralpenlandkreisen“ an dem sich auch der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beteiligt. Seit 2015 werden in den sechs Landkreisen entlang der Alpenkette im Auftrag der Regierung von Oberbayern seltene Apfel- und Birnensorten gesucht und bestimmt, um sie zu erhalten und wieder zu vermehren. Nur noch 647 Apfel- und 286 Birnensorten seien von den ehemals rund 2.300 Apfel- und 1.700 Birnensorten heute noch bekannt, davon 130 Apfel- und 33 Birnensorten hier im Oberland. Durch ihre Arbeit konnte Eva Bichler-Öttl und ihr Team bisher bereits 250 Bäume entdecken, deren Früchte selbst namhafte Sortenkundler nicht eindeutig bestimmen konnten. Diese gilt es zu bewahren, ihre Verwertungsmöglichkeiten und ihre spezifischen Besonderheiten herauszufinden und die genetische Vielfalt unserer Äpfel und Birnen zu erhalten. Bichler-Öttl baut bei diesem Projekt auf das Wissen und die Erfahrung der regionalen Gartenbauvereine. Sie seien wichtige Partner und Multiplikatoren für das Gelingen des Projektes.

Die Laudatio hielt Wolfram Vaitl, der Präsident des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landschaftspflege. Auch er lobte das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder an den Obstpressen. Er freute sich, dass im Jahr des Bürgerbegehrens „Rettet die Bienen“ diejenigen mit dem Umweltpreis ausgezeichnet wurden, die sich seit Jahren um den Erhalt und die Förderung der Umwelt verdient machen. „Die Obstpressen ermöglichen die langfristige Lagerung der Obsternte, auch jener Sorten, die sich schlecht lagern lassen“, erklärt Vaitl. Zudem seien die Gartenbauvereine auch ein gesellschaftliches Vorbild sowie Ort der Begegnung, des Austauschs und der Hilfe, ganz nach dem Motto „Gartenbauvereine helfen Menschen und Natur“. Marion Bürkner

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