Bike-Bergsteiger radelt auf Vulkan

Unbekannte Wege: Mountainbike-Profi Harald Philipp beeindruckt mit Vortrag „Pfad-Finder“

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Mit seiner wagemutigen Mutter Uta verbindet Harald Philipp die Leidenschaft zu den Bergen, zum Skitourengehen und Biken. Das Mutter-Sohn-Gespann inspiriert sich dabei gegenseitig.

Bad Tölz – Harald Philipp liebt sein Mountainbike und ist damit Profi: Gerne trägt er es in Herrgottsfrühe irgendwelche Berge in den Alpen hinauf, um dann auf noch nie befahrenen Pfaden herunter zu radeln. Zusammen mit gleichgesinnten Freunden oder seiner ebenso abenteuerlustigen Mutter begibt er sich auf immer neue Wege. Er nennt sich und seinen aktuellen Multivisionsvortrag zu Recht „Pfad-Finder“. Bilder und Filmszenen wurden jüngst knapp 400 Zuschauern im Rahmen des Wunderfalken-Festivals im Tölzer Kurhaus gezeigt.

Zur Einstimmung auf Philipps Vortrag zeigten die Locals und Bike-Kollegen von Flow Valley tolle Kurzfilme von rasanten Abfahrten über verschneite Trails sowie von Trips nach La Grave und Chamonix im vergangenen Sommer. Dem setzte Philipp dann noch eins drauf. Er startete seinen Vortrag mit wunderschönen Aufnahmen aus den Tiroler Alpen. Auf seiner Suche nach einer Abfahrt von der Rumer Spitze vor den Toren seiner Heimatstadt Innsbruck entdeckte er am Nachbarberg der Lattenspitz einen „geilen Trail“, sagte Philipp. „Das Finden liegt meist abseits der Wege, die man zuerst eingeschlagen hatte“, philosophierte er. „Ich bin ein neugieriger Typ; Ich suche immer neue Pfade – Wege, wo ich noch nicht war“, erklärte der bald 37-jährige Wahltiroler. Vor allem, wenn Andere behaupten, der Weg geht nicht mit dem Fahrrad, dann macht es die Sache erst richtig interessant für den Bike-Bergsteiger. Dabei bleibt er bei seiner Suche nach dem nächsten spektakulären Trail immer offen für Alternativen.

Unterwegs mit „Monster-Women“

Seinen Wagemut und seinen Optimismus hat der sympathische MTB-Freak von seiner Mutter Uta Philipp geerbt. Sie hat ihm nicht nur die Liebe zu den Bergen mitgegeben, sondern unternimmt seit Philipps Kindertagen mit ihm und seiner Schwester Bergexpeditionen, bei denen meist irgendetwas schieflief. In solchen Situationen ist dann ihr Leitspruch: „Später werden wir darüber lachen, also können wir es gleich jetzt tun.“ Das taten das Mutter-Sohn-Gespann auch bei ihrer gemeinsamen Skitour auf den Kljutschewskaja Sopka auf der Halbinsel Kamtschatka in Russland. Die Guides, die der Reiseveranstalter den beiden Abenteurern mit auf dem Weg gab, hatten vom Skitourengehen keine Ahnung und konnten außerdem konditionell nicht mithalten. Ihre Zähigkeit brachte der rund 60-jährigen Uta bei den russischen Männern den Spitznamen „Monster-Woman“ ein. Wie so oft lief auch diese Unternehmung nicht ganz rund. Ein paar schöne Abfahrtsschwünge waren dennoch drin. Vor allem aber war es ein weiteres unvergessliches Erlebnis für das gleichgesinnte Duo.

„Block-Flow“ in den Hohentauern

Zurück in Österreich war der nächste kurze Film-Stop: Murtal in der Steiermark. Tolle MTB-Szenen mit Philipps Kollegen Max Schumann, Martin Falkner und Tom Öhler zeigen die Cracks bei einer knackigen und rasanten Abfahrt von der Richter-Hütte in den Hohen Tauern, deren Hüttenwirt Falkner ist. Max Schumann begleitet Philipp auch beim nächsten unglaublichen Vorhaben: Mountainbiken in Nordkorea.

Die Idee für einen Bike-Trip nach Nordkorea brachte der englische Journalist und Radsportfreund Dan Milner. Zwei Wochen trugen die Radfahrer ihre Mountainbikes durch die Berge in Kim Jong-uns Reich, immer auf der Suche nach fahrbaren Stücken. Die gigantischen Trails fanden die Freunde nicht; gewannen dafür einen neuen und interessanten Einblick in ein kontroverses Land.

Mountainbiken im Himalaya

Zum Abschluss seines bildgewaltigen Vortrags nahm Philipp die Besucher mit auf eine sehr persönliche Reise. Schon lange träumt er vom Himalaya – jener Sehnsuchtsberge, die das ultimative Ziel viele Alpinisten darstellen – und leider auch für manche zum Grab wurden. Wie auch für Philipps Vater, der 1994 bei einer DAV Summit Tour am Pisang Peak im Annapurna-Gebiet durch ein Lawinenunglück ums Leben kam. Die Reise, Verarbeitung des Todes des Vaters und Herzlichkeit der Menschen dort, machten Philipp erst zum wahren „Pfad Finder“: mit mehr Gleichmut und Spontanität, weniger Suchen dafür eher Finden.

Das Fahrrad prägt seit jeher sein Leben. Daher unterstützt der Mountainbike-Profi den „World Bicycle Relief“. Eine internationale Hilfsorganisation, die Menschen in ländlichen Entwicklungsländern mit Fahrrädern versorgt, um Wege zu Schulen oder Gesundheitsversorgungen zu ermöglichen. Bis heute hat Bicycle Relief mehr als 475.000 Fahrräder nach Afrika, Südamerika und Südost-Asien ausgeliefert und viele Fahrradmechaniker ausgebildet und dadurch das Leben vieler Millionen verbessert. Marion Bürkner

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