„Unfassbar, diese Vorgehensweise“

Wie geht Wolfratshausen mit Bäumen um? Diese Frage stellte sich die Christsozialen beim jüngsten Stammtisch.

„Wie geht man mit den Bäumen in unserer Stadt um?“, fragte Wolfratshausens CSU-Fraktionsvorsitzender Manfred Fleischer am vergangenen Sonntag auf dem jüngsten Stammtisch der Partei im Gasthof Löwenbräu. Hintergrund sind die Bäumfällarbeiten am Bergwald und an der Farcheter Anemonenstraße.

Wie der diplomierte Forstwirt zum radikalen Abholzen auf dem Grund der Familie Eichele informierte, habe Bayern seit 1970 ein vorbildliches Waldgesetz. Es gebe eine klare Regelung zur Waldbewirtschaftung: „In Schutzwäldern ist Kahlschlagverbot.“ Er fragte sich, warum die Forstbehörde bei diesem „ökonomischen Bauchplatscher“ nicht eingeschritten ist. Eine große Empörung gab es zur Fällung mehrerer Föhren in Farchet an der Anemonenstraße durch die Oberbayerische Heimstätte Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft, eine Tochter des Bezirks Oberbayern. Wie Fleischer berichtete, habe die Gesellschaft bereits 2007 versucht, diese Bäume zu fällen, was verhindert werden konnte. Auch deren Ringelungs-Aktion, in der die Rinden mit einer Kettensäge eingeritzt werden, damit die Bäume kein Wasser mehr bekommen, konnte dank der Anwohner gestoppt werden. Bezirksrat Dominik Stoiber habe dazu verschiedene Anfragen gestellt. Ferner würden die Mieter drangsaliert, ihnen die Speicher und Keller versperrt. Den Kahlschlag gab es „um eine neue Bebauung möglich zu machen“. Fleischer berichtete, dass das Heimstättenwerk eine Bauanfrage jetzt im Bauausschuss gestellt habe, allerdings habe sie dabei mit falschen Plänen, die die Bäume noch beinhalten, das Gremium bewusst getäuscht. Da man kein Vertrauen mehr in die Einrichtung habe, hätten Kugler und Heinrich Schiltenwolf im Ausschuss vorgeschlagen, einen Bebauungsplan aufzustellen, „damit wir es so machen können, wie wir es wollen.“ Dieser sei zwar abgelehnt worden, aber ebenso die Voranfrage des Heimstättenwerks. Deshalb sei der Geschäftsführer der Gesellschaft, Michael Zaigler „jetzt mit der Baumfällaktion aktiv geworden, um Tatsachen zu schaffen“. Nachdem sich Anwohner dagegen gewehrt hätten, indem sie einen Menschenring um die Bäume schlossen, hätten die Holzfäller weitergearbeitet und die Leute gefährdet. Sogar die Polizei sei machtlos gewesen. „Unfassbar diese Vorgehensweise“, so Fleischer. Nur zwei bis drei Bäume an der Straße hätten die Arbeiter stehen lassen. Damit sei Zaiglers Begründung nicht richtig, nur zum Schutz der Häuser die Bäume fällen zu wollen. „Jemand der so auftritt, kann nicht weiter Geschäftsführer einer gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft sein. „Das ist eine Riesensauerei.“ „Wir drängen auf einen Bebauungsplan“, betonte Fleischer, „denn dies ist ein Affront von Vertretern des Bezirks gegen die Stadt.“ Er nimmt an, dass die Räte über eine Baumschutzverordnung oder Einzelmaßnahmen diskutieren werden. Gab aber zu bedenken, dass eine solche Verordnung, wie beim Abholzen am Bergwald, nicht greifen könnte. Ein alter Baum soll wegen der geplanten Bebauung der Angerwiese verschwinden. Wie Kugler berichtete, steht die Esche im Weg, weil dafür die Straße Auf der Haid ausgebaut werden muss. Die Straßenarbeiten müssen zu 90 Prozent die Anwohner bezahlen, den Rest die Stadt. Stammtischgast Gisela Becker, Sprecherin der Ortsgruppe des Bund Naturschutz, warb dafür, zur Verkehrsberuhigung den Baum stehen zu lassen. Laut des Fachingenieurs Erich Ritter sei der Baum nur mit einer aufwändigen Brückenkonstruktion für 40.000 Euro, die auch die Anwohner zu zahlen hätten, zu retten. Fleischer: „Den hohen Betrag können wir nicht akzeptieren, wir müssen nach Alternativen fragen.“ Becker forderte, dass diese Mehrkosten die Stadt zahlen sollte. Fleischer entgegnete, dies sei aber in die Hände der Anwohner gelegt. „Da sieht man: nicht jeder ist ein Baumschützer, wenn es um den eigenen Baum geht. So ist der Zeitgeist.“

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