Filz-Renaturierung startet

Untere Naturschutzbehörde führt Gehölzentnahme durch: Flora und Fauna profitieren davon

+
Lichte Moorflächen dienen der dort lebenden Tier- und Pflanzenwelt.

Münsing – Die Wiedervernässung des Münsinger Filz auf den dafür zur Verfügung gestellten Moorflächen startet Ende 2020. Zuvor müssen in den geplanten Anstauflächen alle größeren Fichten entnommen werden, um eine spätere Massenvermehrung des Borkenkäfers zu verhindern. Die untere Naturschutzbehörde führt die Gehölzentnahme in Abstimmung mit dem Forstrevier Königsdorf noch in diesem Winter durch. Darauf verweist nun das Landratsamt.

Zum Einsatz kommt ein ortsansässiger Forstunternehmer. Auf Schonung des Bodens und der verbleibenden Bäume wird hoher Wert gelegt. Für die Wiedervernässung werden nicht nur Bäume entnommen, sondern stellenweise wird auch das naturnahe Zentrum im Filz erweitert, wo die Waldkiefer zurücktritt und von der nieder wachsenden Latsche oder auch von ihrer hoch wachsenden Form, der Spirke, abgelöst wird. Hier wachsen auch Moorbeeren, Wollgras und Rosmarinheide. Seltene und schön anzusehenden Tierarten wie der Argusbläuling, eine Schmetterlingsart, oder auch Libellen entwickeln sich nur in besonnten Torfstichen und Heidegebieten und werden von den Auflichtungen profitieren.

Moore für den Klimaschutz

Naturnahe Moore sind sehr selten geworden. Seit Ende des 18. Jahrhunderts mussten Moore in Bayern systematisch entwässert werden, um die Ernährungsgrundlage zu verbessern oder zumindest, um Einstreu für das Vieh zu gewinnen oder um in den ganz nährstoffarmen Hochmooren den Torf als Brennstoff zu nutzen. Vor allem in Notzeiten vor und nach den Weltkriegen und solange Kohle und Heizöl fehlten, wurden oft mit Einsatz von Strafgefangenen tiefe Gräben gezogen, um das Wasser aus dem Moor herauszuführen und Torf zu stechen. Obschon seit zwei Generationen und länger nicht genutzt, funktionieren die in der Zwischenzeit oberflächlich zugewachsen Gräben nach wie vor und führen nach jedem Niederschlagsereignis das im Moor auftreffende Wasser den Vorflutern zu.

Anders im naturnahen, vollkommen wassergesättigten Moor: Hier sind Torfmoose und andere Pflanzen durch Sauerstoffabschluss konserviert. Sie bilden den Torf. Wenn aber die oberen Schichten austrocknen, wird der Torf von Mikroorganismen zu Kohlendioxid zersetzt und an die Atmosphäre abgegeben. Je nach Zusammensetzung des Torfes werden durch diesen Abbauprozess Jahr für Jahr von jedem Hektar Moor 10 bis 30 Tonnen Kohlendioxid und mehr freigesetzt. Für ganz Bayern mit 220.000 Hektar Moorfläche wird mit einer Treibhausgasmenge von entsprechend fünf Millionen Tonnen Kohlendioxid gerechnet, die jedes Jahr aus den vorentwässerten Mooren entweicht, die aber auch eingespart werden könnte.

Wo in Mooren das auftreffende Niederschlagswasser zurückgehalten werden kann, dient das dem regionalen wie dem globalen Klima, der Erneuerung des Grundwassers und den seltenen Tier- und Pflanzenarten des Hochmoors. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf den natürlichen Moorrandwald gelegt. Durch einen fachgerechten Wasseraufstau kann er ebenfalls profitieren. Das geschieht ganz einfach durch das Einbauen von Querriegeln aus dem vor Ort liegenden Torf, stellenweise mit Haltegerüsten aus Holz.red

Auch interessant

Kommentare