Nicht an Bildung sparen

Urban appelliert: Jugendliche mit Förderbedarf beim Berufseinstieg unterstützen

Schüler im Unterricht
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Gleiche Chancen für alle: Ein guter Start in die Berufsbildung legt den Grundstein für die Zukunft der Jugendlichen.

Wolfratshausen – Mit einem gemeinsamen Änderungsantrag zum Bayerischen Haushaltsplan 2021 wollen die Fraktionen Grüne, FDP und SPD im Bayerischen Landtag die Weiterfinanzierung der Berufseinstiegsbegleitung als eines der erfolgreichsten Projekte zur Unterstützung von jungen Menschen mit Förderbedarf erreichen.

Zielgruppe dieser Unterstützung sind Jugendliche aus Mittel- und Förderschulen, zum Teil vorbelastet mit chronischen oder psychischen Erkrankungen sowie Behinderungen, die beim Schulabschluss und beim Einstieg ins Berufsleben gefördert werden. Der Antrag wurde von den Regierungsfraktionen am vergangenen Mittwoch, 17. März, im Haushaltsausschuss abgelehnt.

„Wenn die Regierungsfraktionen sich der Wichtigkeit des Themas bewusst sind, wie sie im Ausschuss betont haben, und dann den Antrag der demokratischen Oppositionsparteien dennoch ablehnen, dann ist das beschämend und wird der inhaltlichen Herausforderung nicht gerecht,“ geben die haushaltspolitischen Sprecher der Grünen bekannt.

Hans Urban ergänzt: „Die Mittel- und Förderschulen verlieren im Landkreis damit ein wichtiges Angebot für ihre Abschlussschüler. Schade, dass die Staatsregierung nun ausgerechnet hier spart. Das bisher sehr erfolgreiche Programm kann nur weitergeführt werden, wenn sich die Fördermittel im Haushalt 2021 finden. Ansonsten kann die Staatsregierung im laufenden Jahr kein Geld ausgeben.“ Der Haushalt 2021 wird bereits in den Plenarsitzungen von Dienstag, 23. März, bis Donnerstag, 25. März, beschlossen. Die Fraktionen von Grünen, SPD und FDP werden den Haushaltsantrag zur Haushaltsdebatte erneut einbringen und namentlich abstimmen lassen. So müssen die Regierungsfraktionen Farbe bekennen.

Klaus Koch, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag und Schulleiter der Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule in Bad Tölz, kommentiert: „Fachlich war es immer eine ganz wesentliche Forderung, die schwierige Phase zwischen Schulende und Berufsbeginn bei gefährdeten Jugendlichen intensiv zu begleiten. Nach Schulende fällt die Betreuung der Mittel- und Förderschüler durch Lehrkräfte weg. Die Jugendlichen müssen sich alleine auf dem Arbeitsmarkt zurechtfinden. Gefährdeten Jugendlichen gelingt das nicht. Es ist ihnen kaum möglich, alle Hilfen zu kennen oder in Anspruch zu nehmen. Sie kommen nicht oder schlechter auf dem Arbeitsmarkt an. Neben persönlicher Erschwernisse belastet das die öffentlichen Kassen. Ausgerechnet die Berufseinstiegsbegleitung im Staatshaushalt nicht mehr zu finanzieren, ist wie die Rechnung ohne den Wirt zu machen.“

Claudia Köhler, haushaltspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen und stv. Vorsitzende im Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags, sagt dazu: „Schöne Worte, rhetorische Ablenkungsmanöver und Versprechungen helfen hier niemanden. Die Koalition lässt mit ihrer Ablehnung die Träger und die 3.500 Jugendlichen einfach über die Klinge springen, wenn sie keine schnelle Lösung auf den Tisch legt. Der Antrag ist eine Brücke, die wir gebaut haben und diese wird bisher ohne Rücksicht auf die Jugendlichen, die Träger und die Unternehmen ignoriert.“

Die Berufseinstiegsbegleitung ist ein wichtiges Instrument zur Erreichung von Bildungsgerechtigkeit. Sie erhöht nicht nur die Chancen auf einen guten und nachhaltigen Start in Ausbildung und Beruf, ausgehend von einer erfolgreichen Schullaufbahn. Zudem werden durch die äußerst niedrige Abbruchquote bei dieser Maßnahme mögliche Kosten im Bereich der Sozialhilfe in der Zukunft vermieden.

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