Gedenken an den Todesmarsch

Veranstaltung im Erinnerungsort Badehaus bewegt über 100 Besucher

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Dr. Sybille Krafft interviewte den Zeitzeugen Otto-Ernst Holthaus, der als Bub den durch Grünwald ziehenden Todesmarsch beobachtete.

Wolfratshausen/Waldram – Mahnmale an den Straßen- und Wegrändern erinnern auch im Landkreis Bad Tölz Wolfratshausen an das Schicksal von ehemaligen KZ-Häftlingen, die begleitet von SS-Wachmännern auf verschiedenen Routen in den Süden getrieben wurden. Nun veranstalteten der Historische Verein Wolfratshausen, die Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald und das Museum der Stadt Geretsried im Erinnerungsort Badehaus einen bewegenden Gedenkabend.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zwangen Nationalsozialisten Tausende KZ-Häftlinge aus Dachau und seinen Außenlagern zu einem Evakuierungsmarsch in Richtung Süden. Viele starben an Entkräftung oder wurde von den SS-Wachmännern erschossen.

„Dieser Ort hat einen unmittelbaren Bezug zum Todesmarsch“, erklärte Dr. Sybille Krafft. Die Vorsitzende des Badehaus-Vereins verwies darauf, dass einige Überlebende im einstigen Lager Föhrenwald ihre ersten Tage in Freiheit erlebten. Dass die damaligen Ereignisse nicht in Vergessenheit gerieten, ist auch dem Geretsrieder Andreas Wagner zu verdanken. Der heutige Bundestagsabgeordnete der Linken sammelte schon in seiner Jugend umfangreiche Dokumente und veranstaltete 1993 für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) die erste Todesmarsch-Gedenkveranstaltung im Landkreis. „Später schlossen sich auch die Linke, die Grünen und andere Parteien an“, berichtete der Wolfratshauser Stadtrat Dr. Hans Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen). Die Treffen fanden jeweils vor einem der insgesamt 24 Todesmarsch-Mahnmale statt, die der Bildhauer Hubertus von Pilgrim Ende der 1980er-Jahre entworfen hatte. Vor einem Jahr stellte der ehemalige Gautinger Bürgermeister Dr. Ekkehard Knobloch dem Badehaus das Modell als Exponat zur Verfügung. Am Sonntagabend stand es einer Vitrine auf der Bühne im Obergeschoß und zog während des Abends die Blicke der rund 100 Besucher auf sich. „Waldram-Föhrenwald ist die Schnittmenge der Geschichte von Geretsried und Wolfratshausen“, erklärte Anita Zwicknagl vom Geretsrieder Kulturamt. Für das Museum Geretsried und den Arbeitskreis Historisches Geretsried sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, für den Gedenkabend seltene Fotos herauszusuchen. Zudem begleiteten drei Mädchen der Musikschule Geretsried den Abend mit dezentem Querflötenspiel. Beim Anblick eines Schwarz-Weiß-Bildes, das ein Massengrab von Todesmarsch-Opfern in Geretsried Stein zeigte, lief es nicht wenigen Besuchern kalt den Rücken herunter. Geschichtsstudent Emanuel Rüff wies in einem beeindruckenden historischen Vortrag nach, dass es auch in einem zwischen Achmühle und Bolzwang gelegenen Waldstück zur Erschießung von Häftlingen kam. Überlebt haben der damals 16-jährige polnische Jude Jack Adler und die 2014 verstorbene Jüdin Channa Birnfeld. In einer Film-Collage, die Sybille Krafft und Rüdiger Lorenz vor einigen Jahren aufnahmen, kamen beide zu Wort. „Wer zu erschöpft war, um weiterzugehen, wurde erschossen“, erzählte Adler. Aufgeben war für die 1924 geborene Channa Birnfeld aber keine Option. Die Befreiung durch amerikanische Soldaten konnten sie und ihre Leidensgenossen zunächst gar nicht fassen. „Wir waren in Folge von Hunger, Kälte und Angst so apathisch, dass wir uns im ersten Moment nicht einmal freuen konnten“, beschrieb sie ihre Erlebnisse. Otto-Ernst Holthaus war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Der spätere Gründer des Isar-Kaufhauses in Wolfratshausen und Geretsried beobachtete damals mit einem Freund die durch Grünwald ziehenden Häftlinge. „Wir sind um sieben Uhr morgens rausgegangen und haben versucht, ihnen einen warmen Malzkaffee zu reichen oder Brot zuzuwerfen“, erzählte der Zeitzeuge. Ein gefährliches Unterfangen, denn die SS-Männer waren streng. „Sie haben uns gewarnt: Gebt ihnen nichts, das sind alles Kriminelle“, berichtete Holthaus. Später setzte sich der Unternehmer für das Aufstellen von Todesmarsch-Mahnmalen ein und berichtete in Schulen über seine Erlebnisse. „So eine Barbarei darf nie wieder stattfinden“, stellte er klar.Peter Herrmann

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