Kein Platz für Mini-Häuser

Verein „Einfach gemeinsam leben“ kritisiert „Nein“ des Planungsausschusses zum „Tiny-Dorf“

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Für ein Dorf aus bis zu sieben kleinen Häusern („Tiny-Houses“) ist derzeit kein Platz in der Stadt Geretsried. 

Geretsried – Ein kleines Dorf im Dorf, irgendwo in Oberbayern. Nicht irgendwo, sondern im Geretsrieder Ortsteil Gelting. Doch es blieb bei der Planung und einer Vision dafür, die eigentlich Großes im Kleinen vor hatte: Nämlich die Schaffung von bezahlbaren Wohnraum auf möglichst wenig Raum – dazu noch umweltschonend ohne Flächenversiegelung. Der Verein „Einfach gemeinsam leben“ wollte auf Geltinger Flur bekanntermaßen ein so genanntes Tiny-Houses-Dorf errichten. Doch die Stadt stimmte aus bauplanerischer Sicht dagegen. Nun fühlen sich die potenziellen Dorfbewohner missverstanden.

Vergangenes Jahr im Oktober gründete sich der Verein „Einfach gemeinsam Leben“ mit Sitz in Wolfratshausen (siehe Kasten). Ihr Ziel: preiswerte kleine Häuser, auch Tiny Houses genannt, zu errichten. Nun wollten die Vereinsmitglieder Platz für ein kleines Dorf, bestehend aus sieben Mini-Häusern auf Rädern, finden. Doch der Entwicklungs- und Planungsausschuss (EPA) erteilte dem Bauvorhaben auf einem Privatgrundstück in der Geltinger Ziegelei eine Absage (wir berichteten). Begründung durch Stadtbaurat Rainer Goldstein sowie dem einstimmigen Ausschussbeschluss: Das Grundstück dort sei aufgrund des Außenbereichs nicht zu erschließen.

Über die Absage ist der Verein „Einfach gemeinsam leben“ enttäuscht. Wie Vize-Vorstand Uwe Christof nun schriftlich mitteilt: „Wir hatten im Sinne des Projekts ‚Tiny-Houses-Dorf Gelting‘ ganz klar die Hoffnung auf eine positive Entscheidung.“ Zudem hätte sich der Verein mehr eine konstruktive Diskussion vonseiten der EPA-Mitglieder erhofft, die die „Argumentation der Projektmitglieder aufgreift und abwägt“. Christof: „Wir können die Argumentationskette seitens der Stadt rund um das Grundstück in der Ziegelei nicht im vollen Umfang nachvollziehen.“

Diesen Vorwurf weist Geretsrieds Vize-Bürgermeister Hans Hopfner zurück: Die Mehrheit der Stadträte sowie EPA-Mitglieder stehen dem Projekt „positiv gegenüber“, betont er. Bei der Abstimmung „wurde auch lebhaft darüber diskutiert.“ Und: „Wir müssen heutzutage über alternative Wohnformen nachdenken.“ Aber der „Knackpunkt“ für das angestrebte Tiny-Houses Dorf in Gelting bleibt das Thema Außenbereich – auch das wurde im Ausschuss „deutlich“, sagt Hopfner. Allein aus „rechtlicher Sicht“ sei daran nicht zur rütteln, da die Stadt freilich an die Bauvorschriften gebunden ist. Dafür sei auch die Stadt oder Kommune nicht der „richtige Ansprechpartner“, erklärt Hopfner weiter, „sondern höhere Instanzen wie die Kreisbaubehörde oder gar der bayerische Staat“. Würde es der Verein schaffen von „übergeordneter Stelle“ grünes Licht zu bekommen, dann würde laut Hopfner auch die Stadt das Bauvorhaben bewilligen.

Das angestrebte Geltinger Gelände taugt aufgrund der Infrastruktur nicht: Zwar gibt es Wasserleitungen, aber kein Abwassersystem. Zudem ist die Brücke dorthin nur bis sechs Tonnen zugelassen, ein Problem für das Müllfahrzeug. Die Stadt sei laut Hopfner bereit über Alternativen nachzudenken. Allerdings würden dafür eher Privatgrundstücke infrage kommen, meint Hopfner, denn der Stadt fehle „Handlungsspielraum“. Und gebe es Platz, haben Bauten wie Schulen und Kitas Vorrang. „Und dafür sind wir schon am kämpfen. Die Stadt hat nicht unendlich Grundstücke.“ Dennoch: „Das Anliegen des Vereins ist uns wichtig“, betont Hopfner. dwe

Projekt „Tiny-Houses“ und Verein „Einfach gemeinsam leben“

Die Initiative zu Gründung eines aus kleinen Häusern („Tiny Houses“) bestehenden Dorfes auf Geretsrieder Flur entstand Anfang 2018. Im Frühsommer bekamen dann die Ideengeber das Angebot eine Wiese aus privater Hand in der Ziegelei in Gelting zu kaufen, und auf dort das Projekt „Tiny House Dorf Gelting“ zu entwickeln. Allerdings liegt das Grundstück laut dem Flächennutzungsplan der Stadt Geretsried im Außengebiet (siehe Bericht). Im Oktober 2018 gründete sich schließlich der Verein „Einfach gemeinsam leben“. Ziel: Dem Thema „mobile Kleinwohnformen“ auf politischer Ebene Gehör zu verschaffen, und entsprechende Regelungen zur vereinfachten Genehmigung als Wohnraum zu erreichen. Das Projekt „Tiny-House Dorf Gelting“ ist wirtschaftlich und organisatorisch nicht an den Verein „Einfach gemeinsam leben“ angegliedert. Auch wenn dessen Erster Vorsitzender Thorsten Thane, der Teamleiter des Dorfprojektes für die Minihäuser in Gelting ist. 



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