10 Jahre Flößerstraße

Verein feiert abwechslungsreichen Jubiläumsfestakt

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Hermann Paetzmann (l.) und Gabriele Rüth vom Verein Flößerstraße überreichten Stadtarchivar Simon Kalleder ein restauriertes Floßmodell.

Wolfratshausen – Seit 2009 widmet sich der Verein Flößerstraße der Erforschung, Bewahrung und kulturellen Pflege der Flößerei. Gabriele Rüth, Peter Fischer, Hermann Paetzmann und Sabrina Schwenger moderierten nun den Jubiläumsfestakt im Wirtshaus Flößerei und begrüßten dabei auch weit angereiste Gäste.

Ein abwechslungsreiches Programm aus Musik, Vorträgen, Interviews und Filmvorführungen bekamen die rund 60 Festgäste am Sonntagabend im Wirtshaus Flößerei geboten. Einige nahmen dafür sogar weite Anreisen auf sich. So berichtete Fikret Pendek über seine waghalsigen Floßfahren durch die 1.300 Meter tiefe Taraschlucht im Norden Montenegros. „Vom Einstieg bis zum Ausstieg bin ich vier Tage auf einer etwa 149 Kilometer Strecke unterwegs“, erklärte der stämmige Flößer. Ein Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahre 1951 veranschaulichte den Besuchern, wie gefährlich und spektakulär diese Fahrt schon früher war. Im Vergleich dazu ging es auf der Loisach und der Isar fast schon beschaulich dazu. Dr. Michael Stephan, Leiter des Stadtarchivs München und Vorsitzender des Historischen Vereins Oberbayern, zeigte nostalgische Fotos aus München und Wolfratshausen.

So gibt es in beiden Städten ein Denkmal des Brückenheiligen St. Johannes Nepomuk. Anders als die feinen Großstadtbewohner scheinen es viele Wolfratshauser im 19. Jahrhundert allerdings nicht so genau mit der Körperpflege genommen zu haben. „Ein Zeitzeuge beschrieb die Einheimischen so: Vom Wasser sind sie Feinde“, berichtete Stephan. Nichtsdestotrotz war die Flößerei zu dieser Zeit ein wichtiger Wirtschaftszweig. Der Archivleiter dankte den Mitgliedern des Vereins Flößerstraße, dass sie „dieses kulturelle Erbe bewahren wollen“. Zweiter Bürgermeister Fritz Schnaller stimmte in die Lobeshymnen mit ein und erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die derzeitige Entwicklung des Dachmarken-Profils der Kommune. „Wir sollten Flöße wieder etwas sichtbarer machen in unserer Stadt“, forderte er. Er regte an, eventuell einstündige Fahrten zu veranstalten. Und: „Ein bisschen mehr finanzielle Unterstützung der Stadt könnte auch nicht schaden“, hofft der SPD-Stadtrat. Geschenke hatte Martin Spreng dabei. 

Der aus Baden-Württemberg angereiste Vorsitzende der Deutschen Flößervereinigung überreichte der Flößerstraßen-Vorsitzenden Gabriele Rüth unter anderem einen Floß-Ohrring. Spendabel zeigte sich aber auch der Verein selbst. So nahm Stadtarchivar Simon Kalleder ein restauriertes Floßmodell aus den Händen von Hermann Paetzmann entgegen. Christian Steeb wurde zum VIP-Mitglied ernannt und erhielt eine Weste mit Emblem. Die Festgäste genossen derweil – begleitet von den Volksmusikklängen von Günther Zintl – Kürbissuppe, Brotzeitplatten und Kuchen. Eine von mehreren geladenen Zeitzeugen war die mittlerweile 90-jährige Anna Schmid – vielen auch als Bäcker-Oma bekannt – aus Geretsried. Als Enkelin der bekannten Lenggrieser Flößerin Anna Simon erinnerte sie sich an ihre kräftige Großmutter. „Wenn es hieß ,Ziag o‘, wusste sie sofort, was zu tun ist“, erzählte Schmid. Am Ende des über dreistündigen Festabends, zu dem auch der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller gekommen war, präsentierte die Wolfratshauser Fotografin Antje Bultmann ihre eindrucksvollen Wasserbilder. Peter Herrmann

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