„Verfügen da über viel Potenzial“

IHK-Gremiumsvorsitzender Walter Obinger, sowie die Außenwirtschaftsberater Alexander Lau (IHK) und Dietmar Schneider (HWK) erkennen viel Potenzial im Export bayerischer Produkte. Foto: Kapfer-Arrington

Es sind zumeist hochqualitative Nischenprodukte, die hier gefertigt werden und begehrten Absatz finden – gerne auch im Ausland. Dass die Konjunktur derzeit steil nach oben geht, liegt nach Meinung der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Handwerkskammer (HWK) durchaus am Export. Und hier, so zeigt sich Walter Obinger, der Vorsitzende des IHK-Gremiums Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach, sicher, „haben bayerische Produkte einen gehörigen Anteil dazu beigetragen. Dabei sieht er in der „Außenwirtschaft“ durchaus noch viel schlummerndes Potenzial. Deshalb geht die IHK zusammen mit der HWK nun auf Export-Tournee, mit Terminen in Geretsried und Holzkirchen.

Es sei schon beeindruckend, so Obinger im Pressegespräch in der Sparkasse Bad Tölz, wie schnell und mit welcher Dynamik die Wirtschaft wieder aus dem Tal der Tränen herausgekommen ist. Auch wenn ihm „nur“ elf Monatsbilanzen aus dem zurückliegenden Jahr 2010 vorliegen: „Bis dahin haben die bayerischen Exporte gegenüber 2009 um 17,4 Prozent zugelegt“ – und damit beinahe wieder das Niveau von vor der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht. Die wichtigsten Absatzmärkte seien die USA (12,6 Milliarden Euro), Österreich (11,6 Milliarden Euro) und China (1,5 Milliarden Euro). Dabei, so betonte Obinger, seien diese Zahlen längst nicht mehr nur den bayerischen Vorzeigeunternehmen im Fahrzeugbau zuzuordnen. „Das sind durchaus kleinere und mittlere Unternehmen, die Nischen besetzen – die sind da sehr erfolgreich.“ Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sind es nach Angaben des IHK-Vorsitzenden 1,800 Unternehmen (Miesbach 1.500), die im Export aktiv sind. Und Obinger leitete daraus ab: „Jeder dritte Arbeitsplatz hängt vom Auslandsgeschäft ab.“ Obinger erkennt ebenso wie die Vertreter der Handwerkskammer viel Potenzial für diese Unternehmer – wenngleich er einräumt: „Für die Kleinen ist es wirklich nicht leicht.“ Tipps zu Exportfinanzierungen, Zoll und Umsatzsteuer sollen Experten der Kammern auf der Export-Tournee geben. Laut Obinger gebe es eine Menge an Gruben, in die man als „Exporteur“ fallen könne. Und über diese Fallstricke berichten dann auf den Podien in den Geretsrieder „Ratsstuben“ (Donnerstag, 17. Februar, 17 bis 19 Uhr) und der „Alten Post“ in Holzkirchen (Montag, 21. Februar, 17 bis 19 Uhr) nicht nur Experten der beiden Kammern, sondern auch Unternehmer selbst. Sie sind es schließlich, die Tipps zu den Feinheiten des Exports geben können. Und wenn auch immer mehr EU-Regelungen den Handel mit dem Ausland vereinfachten, wie Dietmar Schneider von der Außenhandelsberatung der Handwerkskammer zu berichtete, eines ist für den Fachmann klar: „Jedes Land hat da seine Feinheiten.“ Diese lohne es sich aber zu überwinden. Denn wie Schneider erklärte, „wird der Export zunehmend interessant, auch für kleine Handwerksbetriebe“. Diese hätte, so Schneider, im Durchschnitt 4,5 Beschäftigte, seien aber mit entsprechenden Fähigkeiten und Nischenprodukten sehr gefragt. Freilich werde ein Frisör nicht exportieren, wohl aber ein Feinwerkmechaniker, der Spezialanfertigungen herstellen könne. Kunden in Dubai, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Russland schätzten die von bayerischen Handwerkern angefertigte Qualität. „Da ist dann der Preis auch nicht mehr das Kriterium.“ Statistiken, wenngleich nicht ehr auf aktuellen Stand, bestätigten den beachtlichen Anteil von Handwerk im Export: 2006 seien das 2,6 Prozent gewesen, 1994 lag dieser Wert noch bei 1,8 Prozent. Auch die vielen Anfragen, die Schneiders Abteilung bei der Handwerkskammer inzwischen zu beantworten habe, ist für ihn ein Indiz einer stark gestiegenen Nachfrage. „Jährlich erreichen uns zwischen 1.000 und 1.200 Beratungsanfragen.“ Diese versuche man dann etwa in punkto Auftragsabwicklung abzuarbeiten. Überzeugungsarbeit leistet Schneider aber auch in Sachen Markterschließung. Zusammen mit dem Unternehmen „Bayern Handwerk International“ weise man auf Messen auf bayerische Handwerksunternehmen hin. Denn das Kernproblem liege nach wie vor darin, die innovativen Unternehmen überhaupt erst zu finden. Kaum ein kleiner Handwerksbetrieb ist im Internet zu finden und wenn, dann nicht in international gängigen Sprachübersetzungen. „Wie soll da ein Kunde aus dem Ausland überhaupt auf den hiesigen Handwerker treffen“, fragt sich auch Alexander Lau von der Industrie- und Handelskammer. „Es gibt keine richtige Datenbank auf europäischer Ebene, bislang muss man wissen, wo man sucht.“ Oder aber man setzt auf den Service der IHK. Denn die scheut nicht den Aufwand und strickt Kontakte ins Ausland. Etwa über die so genannte Kooperationsbörsen seien alleine in den österreichischen Markt seit dem Jahr 2000 650 Unternehmen „handvermittelt“ worden. Auf diese Erfahrungen zurückgreifend, nennt Lau die nun anstehende Export-Tournee eine „Mutmacher-Tournee.“ Plauderei aus dem Export-Nähkästchen In Geretsried steht folgendes Programm an: Experten von IHK und HWK sprechen zum Thema „Exportieren, gewusst wie“, danach referiert Silke Schmidt vom Bayerischen Wirtschaftsministerium zum Thema „Erfolgreich m Ausland mit Hilfen des Freistaates Bayern“. Anton Becker (Sixtuswerke, Schliersee), Rudolf Baumgartner jun. (Rudolf Baumgartner GmbH, Irschenberg) sowie August INselkammer (Isartaler Holzhaus, Holzkirchen) plaudern danach aus dem „Export-Nähkästchen“. Danach folgt eine Diskussion und ein allgemeiner Erfahrungsaustausch.

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